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Sein letzter Auftritt beim Tegernseer Bergfilmfestival: Heiner Geißler, mit Festival-Direktor Michael Pause (r.) im Oktober 2016.

Heiner Geißler gestorben

Bergfilmfestival verliert seinen Schirmherren

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Beim Bergfilmfestival Tegernsee hinterlässt Heiner Geißler eine große Lücke. Er war seit Anbeginn Schirmherr des Bergfilmfestivals. Am Dienstagmorgen starb er im Alter von 87 Jahren.

Tegernsee/GleisweilerGeißler war nicht nur Politiker von Format, sondern auch ein leidenschaftlicher Alpinist. Der Blick vom Berg prägte auch seine Sicht auf die Welt. Noch im vergangenen Oktober hatte der damals 86-Jährige bei der Preisverleihung des Festivals im Barocksaal für seine eindringliche Rede Bravo-Rufe bekommen, als er mit leidenschaftlichen Worten zu bedenken gab, ob das Bruttosozialprodukt tatsächlich das Entscheidende im Leben sei. Es spiegle nicht die Bedeutung der Natur für das Heranwachsen der Kinder wider, messe nicht den Mut und die Kühnheit der Bergsteiger und gehe über die Schönheit der Blumen auf den Bergwiesen hinweg.

Der frühere Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen hat mit Geißler einen Freund verloren. Geißlers Sohn Dominik persönlich informierte Janssen Dienstagmittag vom Tod des Vaters. Die beiden kannten und schätzten sich seit vielen Jahren. Sie verband nicht nur die Liebe zu den Bergen, sondern auch zum Gleitschirmfliegen. Janssen ist ein Pionier des Drachenflugsports, gründete vor fast 40 Jahren den Deutschen Hängegleiterverband. Auch Geißler, ein extremer Kletterer, entdeckte das Gleitschirmfliegen für sich. „Schon in fortgeschrittenem Alter“, wie sich Janssen erinnert. Eine Leidenschaft, die ihren Tribut forderte. 1992 brach sich Geißler bei einem Unfall mit dem Gleitschirm einen Lendenwirbel. Mit eiserner Disziplin überwand er die Folgen der schweren Rückenverletzung. „Zeit seines Lebens hat er sich auch als zäher Kämpfer erwiesen“, sagt Janssen. Einer, der sich mit aller Kraft engagierte, wenn er von einer Idee überzeugt war. „Es ging Geißler nicht um Ruhm und Ehre. Sondern immer nur darum, ob er gebraucht wird“, erklärt Janssen. Darum wandte sich der Drachenflieger und Rechtsanwalt Janssen gemeinsam mit Vertretern des Alpenvereins vor 25 Jahren an Geißler, um ihn als Unterstützer für die Gründung des Kuratoriums Sport & Natur zu gewinnen. Grundgedanke war die Idee, sich auch auf politischer Ebene für die Vereinbarkeit von Sport und Natur starkzumachen. „Geißler war sofort dabei und hat wertvolle Arbeit für uns alle geleistet“, sagt Janssen. Das Kuratorium hat inzwischen 3,6 Millionen Mitglieder und kümmert sich um Sportarten, die in der freien Natur ausgeübt werden. Janssen und Geißler arbeiteten lange im Vorstand zusammen. Janssen ist noch als stellvertretender Vorsitzender aktiv, Geißler war Ehrenvorsitzender.

Als Janssen dann vor 15 Jahren als Tegernseer Bürgermeister das erste Bergfilmfestival plante, musste er seinen Vertrauten Geißler nicht lange bitten: Er sagte sofort die Schirmherrschaft zu. Nicht nur das: Der frühere Minister war auch viele Male dabei. „Immer, wenn es seine Zeit erlaubte“, weiß Janssen. Als gefragter und begeisternder Redner waren Geißlers Auftritte stets Glanzlichter des Bergfilmfestivals.

Mit gesundheitlichen Problemen hatte Geißler oft zu kämpfen, doch seine Energie schien unerschöpflich. So traf die Nachricht vom Tod seines Vertrauten Janssen überraschend. Das letzte Mal hatte er ihn beim Bergfilmfestival 2016 getroffen, erzählt er: „Und da war seine Verfassung nicht so, dass man sich hätte Sorgen machen müssen.“

Geißlers Neugier auf neue Bergfilme und interessante Begegnungen sei immer spürbar gewesen, erinnert sich Bergfilmfestival-Direktor Michael Pause an den langjährigen Schirmherren. „Seine Auftritte mit klugen, kurzen und prägnanten Aussagen werden uns fehlen.“  ag/jm

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