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Das „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (in der Titelrolle Fanny Kern, vorne l.) hat das Publikum der Uraufführung im Ludwig-Thoma-Saal berührt. 

Tegernseer Volkstheater gelingt ein hoffnungsfrohes Weihnachtsmusical 

Berührendes „Mädchen mit den Schwefelhölzern“

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Es war vielleicht die Geburtsstunde einer Tradition für den Advent am Tegernsee: Das Tegernseer Volkstheater inszeniert Andersens Märchen als hoffnungsfrohes Weihnachtsmusical. Jetzt feierte es Premiere. 

Tegernsee – Mit dem Weihnachtsmusical „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ ist dem Tegernseer Volkstheater ein Coup gelungen, der das Potenzial hat zu einer neuen Adventstradition für Familien zu werden. Die Uraufführung am Sonntag im ausverkauften Ludwig-Thoma-Saal begeisterte und berührte das Publikum, das am Ende minutenlangen euphorisch applaudierte.

Theaterleiter und -pädagoge Andreas Kern hat sich des Stoffes angenommen und erzählt ihn neu aus einer modernen Perspektive. Im Mittelpunkt stehen die Waisenkinder Lucia und Michl, die bei der gütigen Pflegemutter Witwe Gottschaller (Christina Kern) untergekommen sind. Finanziell ist es eng in der kleinen Familie, weshalb die Kinder dem Verkauf von Schwefelhölzern nachgehen. Dass Michl (Michi Tausendfreund) mit seiner Gehbehinderung von den anderen Kindern schikaniert wird, macht das karge Leben nicht einfacher, obwohl die Familie Unterstützung vom Nachbarn Herrn Selig (Andreas Kern) und den beiden philosophierenden Studenten (Felix Thörl und Tobias Bubanj) erfährt. Hin und wieder greift auch Lucias Schutzengel (Florian Bauer) ein, der das Geschehen sonst in Richtung Zuschauer gewandt kommentiert und für die kleinen Zuschauer auch moderiert.

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Die Tragödie nimmt ihren Lauf, als der Vermieter Schmerbeck (ebenfalls Andreas Kern) droht, die Familie vor die Tür zu setzen. Lucia versucht verzweifelt, in bitterkalter Nacht doch noch Zündhölzer zu verkaufen. Sie erfriert – jede Hilfe kommt zu spät. Lucia wird von einem golden strahlenden, tanzenden Tod geholt und kehrt mit dem Lichtengel (Bettina Bentgens-Hardieck) ins Reich Gottes ein.

Auch wenn dem Premierenpublikum am Ende Tränen in den Augen standen, ist der Inszenierung der Brückenschlag zur feinfühligen, anrührenden und hoffnungsfrohen Version des Andersen-Märchens geglückt. Zwischendurch hat das Publikum auch was zu lachen – etwa als sich der Tod (Valerie Haberle) in junger, hübscher, brünetter Gestalt wahlweise als gespensterhafter, alter Gevatter oder – fast noch schlimmer – als Blondine verkannt fühlt.

Zugespielt hat dem Tegernseer „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ neben dem Bühnenbild von Lutz Elsässer, das wie ein historischer Stich anmutet, und den zauberhaften Kostümen auch die wunderbar feinfühlige Musik. Den Kompositionen von Matthias Linke, Mitglied der Grassauer Blechbläser und Dirigent des Chiemgau Orchesters, hat Christina Kern mit herzöffnenden und eingängigen Liedtexten versehen. Die Sensation aber waren die jungen Schauspieler: die Kinder der Montessori-Schule in Rohrdorf und allen voran die grandiose Fanny Kern in ihrer ersten Titelrolle. Bei ihrem klaren, reinen, trotz Aufregung nicht mal ansatzweise wackligen Gesang und dem natürlichen Spiel lag der Elfjährigen das Publikum sofort zu Füßen. Da hatte nicht nur Papa Andreas Kern glänzende Augen vor Stolz und Rührung. 

Weitere Vorstellungen am 1., 2., 8. und 9. Dezember, jeweils ab 17 Uhr im Ludwig-Thoma-Saal.

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