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Das Seehotel zur Post in Tegernsee soll Hotel bleiben. Ob das Haus renoviert oder abgerissen wird, ist kurz vor Ablauf des Vertrags mit dem aktuellen Pächter noch offen.

Lola Pierburg äußerst sich erstmals in der Tegernseer Zeitung

Seehotel zur Post in Tegernsee: Besitzerin verrät ihre Pläne

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Die Uhr tickt für das Seehotel zur Post in Tegernsee. Jetzt spricht Besitzerin Lola Pierburg erstmals darüber, wie sie sich die Zukunft für das traditionsreiche Haus vorstellen könnte.

Tegernsee – Es ist früh am Vormittag. Der Ober deckt die Tische auf der Terrasse ein und richtet alles her für die Gäste. Die werden spätestens am Mittag hier eintrudeln, um ein gut bürgerliches Essen oder Kaffee und Kuchen zu bestellen – inklusive Seeblick und dem Treiben auf der Hauptstraße. Drinnen im Panorama-Restaurant mit den Korbstühlen und den geblümten Vorhängen sitzt Lola Pierburg. Sie lebt normalerweise in Berlin, doch zur Zeit ist Tegernsee regelmäßig ihr Domizil. Die 74-Jährige elegante Dame, der man ihr Alter bei Weitem nicht ansieht, muss die Zukunft des Hotels regeln. Ein traditionsreiches Anwesen, das ihre Mutter Rosemarie Neusen nach ihrem Tod 2015 hinterlassen hat.

Die Zeit drängt: Am 15. November läuft der Pachtvertrag mit den bisherigen Betreibern Brigitte und Eduard Zech aus. 26 Jahre lang sorgten die Zechs für den Fortbestand, doch nun gibt es keine gemeinsame Zukunft mehr. Nach einem langen Arbeitsleben als Vollblut-Gastronomen verabschieden sich die Zechs in den Ruhestand. Weil sie bisher selbst nicht wussten, wie es mit dem Hotel weitergeht, haben sie ihrem Personal bereits gekündigt.

Lohnt es sich, in eine Renovierung zu investieren oder sind Abriss und Neubau die bessere Lösung? Diese Fragen beschäftigen Lola Pierburg Tag und Nacht. Auch wenn sie derzeit noch keine abschließende Antwort hat, so haben ihre zwei Töchter und der Sohn, die gemeinsam die Rosemarie Neusen KG bilden, eine Entscheidung zumindest getroffen: „Wir haben beschlossen, das Hotel nicht zu verkaufen“, sagt Lola Pierburg, die jetzt erstmals über ihre Zukunftspläne spricht. 

Sanierung oder Abriss?

Sie habe derzeit zwei Bewerber, die das Hotel mit 37 Zimmern übernehmen und sukzessive renovieren würden, berichtet die Besitzerin. Aber sie weiß auch, dass die Komplett-Renovierung eine „Fass ohne Boden“ werden könnte. Was da an Kosten auf sie zukommen könnte, ist derzeit ebenso offen wie die Frage, ob das Geschäft mit einem der Interessenten zustande kommt. „Wenn die Sanierung zu teuer wird, dann werden wir uns einen Partner suchen und das Hotel mit ihm abreißen und neu bauen“, nennt Lola Pierburg als weitere Option. Ein bezahlbares Vier-Sterne-Hotel könnte es werden, „Luxushotels haben wir ja schon genug am See“, meint Pierburg. Auch für diese Lösung habe sie bereits zwei Anfragen von Interessenten aus Bayern. Für weitere Anfragen sei sie natürlich jederzeit offen. „Persönlich würde ich einem Abriss aber nur ungern entgegen sehen.“ Ihr Herz hänge an dem Haus, viele Erinnerungen verknüpfe sie damit. „Das Restaurant war quasi mein Wohnzimmer“, erzählt die 74-Jährige, die zwar in Berlin zur Welt kam, dann aber in Tegernsee aufwuchs und im Gymnasium zur Schule ging.

Alte Ansicht des Seehotels zur Post in Tegernsee.

Die Großeltern Thea und Anton Schneider waren es, die das Haus in den 1930er-Jahren kauften. Da hatte das Hotel schon eine bewegte Geschichte hinter sich: Das ursprüngliche, und noch vor der Jahrhundertwende erbaute Gebäude, war einst Posthalterei. Dann brannte es ab und wurde um die Jahre 1923 wieder aufgebaut. Die Großeltern betrieben das Hotel dann bis zum Krieg, ehe es das Nazi-Regime zur „Kinderlandverschickung“ beschlagnahmte. Nach dem Krieg konnte Tochter Rosemarie, verheiratete Neusen, das Hotel wieder übernehmen. Neusen führte das Hotel bis 1973 selbst, ehe das Ehepaar Zech – nach zwei weiteren Pächtern – die Regie übernahm. Auch das direkt am Ufer liegende Seecafé gehört zum Besitz.

Stadt sichert das Sondergebiet „Hotel“

Alles andere als ein Hotel kommt für die Stadt nicht in Frage. Um dies sicherzustellen, wurde im Stadtrat bereits die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen, der das Areal als Sondergebiet „Hotel“ beschreibt. Tegernsee braucht die Hotelzimmer unbedingt. Dass die Neusen KG kurz vor Ablauf des Pachtvertrags noch keine Lösung hat, wird im Rathaus mit großer Sorge verfolgt. „Sollte es zu einer Schließung und einem Leerstand kommen, dann wäre das eine Katastrophe für Tegernsee und für die Stadt als Tourismus-Standort“, sagt Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Man müsse ja bereits das leer stehende Guggemos an der Hauptstraße verkraften.

Zudem ist die Zukunft des Hotels eng verknüpft mit der Zukunft des Zentralparkplatzes, den die Stadt bis 2025 von der Neusen KG gepachtet hat. Was, wenn doch ein neues Hotel geplant und der Platz schon früher beansprucht wird? „Die unsichere Lage ist für uns das Signal, mit unserem Parkkonzept loszulegen“, sagt Hagn. Demzufolge soll zunächst eine Machbarkeitsstudie für die Erweiterung der Tiefgarage unter der Sparkasse erstellt werden. Wenn sich eine Neuplanung des Guggemos abzeichnet, will sich die Stadt den Horn-Parkplatz vorknüpfen für ein Parkhaus.

gr

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