Interview zu 500 Jahre Reinheitsgebot

Bier selber brauen: Experte zeigt wie's geht

Tegernsee - Zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebots bietet die Volkshochschule Tegernseer Tal einen mehrtägigen Kurs fürs Bier-Brauen. Wir haben mit dem Kursleiter über bayerisches Bier gesprochen.

Bernt Horeth (54) ist studierter Landwirt, unterrichtet Bierbrauer an der Berufsschule München und hat eine Mission: Er will der Eintönigkeit des bayerischen Bierkonsumenten endlich ein Ende setzen. Allerdings nicht auf Kosten des Reinheitsgebots.

Herr Horeth, nicht wenige junge Bierbrauer kritisieren das deutsche Reinheitsgebot. Es verhindert die Entwicklung neuer Biersorten, sagen die. 

Bernt Horeth zeigt, wie Brauen klappt.

Das Reinheitsgebot erlaubt, verschiedene Malz-, Hopfen- und Hefesorten zu verwenden. Da ist der Kreativität der Brauer keine Grenzen gesetzt. Es gibt tausende Möglichkeiten, Hopfen, Malz und Hefe zu kombinieren und daraus neue Geschmacksrichtungen zu entwickeln. Mithilfe bestimmter Hopfensorten ist es möglich, den Geschmack von Zitrusfrüchten zu erzeugen. Außerdem: Ohne Reinheitsgebot würden manche Brauer zu Konservierungsmitteln greifen, anstatt das Bier auf dem natürlichen Weg haltbar zu machen.

In Ihrem Workshop werden die Teilnehmer Gelegenheit haben, sich selbst als Brauer zu versuchen. Braucht man spezielles Brau-Equipment ?

Wir werden in der normalen Küche vom Reisbergerhof brauen und nach dem Kurs kann das auch jeder bei sich daheim machen. Viele, die den Kurs bei mir gemacht haben, brauen immer noch ihr eigenes Bier. Mit einiger Erfahrung kann man mit den verschiedenen Zutaten experimentieren und dann vielleicht sogar zum Craft-Bier-Brauer werden.

Was sind denn Craft-Bier-Brauer? 

Das sind kleinere erfahrene Brauer, die ihr Bier streng handwerklich brauen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, bei den einzelnen Brauvorgängen zu variieren. Also auch bei Mengen und Zutaten. Dadurch können sie einzigartige Biere herstellen.

Im Zuge des Kurses wird eine Bierverkostung stattfinden. Wie muss man sich das vorstellen? 

Wie eine Weinverkostung. Es gibt so viele verschiedene Biere, die man in Deutschland nicht kennt und deswegen nicht schätzt. Die Bierwelt erscheint einem in Bayern so klein, weil jede Gaststätte immer nur ein Helles, ein Weißbier und bestenfalls noch ein Pils ausschenkt. Mit der Bierverkostung will ich bei den Teilnehmern ein Bewusstsein schaffen. Ein gutes Bier muss nicht immer das persönliches Lieblingshelle sein.

Apropos. Was ist denn Ihr Lieblingsbier? 

Das kann ich so pauschal nicht beantworten. Für mich kommt das klar auf die Jahreszeit und vor allem auf das Gericht an. Zu Weißwürsten trink ich natürlich ein Weißbier, und zu Wild habe ich gerne ein Dunkles. Mein klassisches Feierabendbier ist aber ein Export.

Interview: Ludwig Graf von Brühl

Der Kurs in der vhs Tegernsee findet am Donnerstag um 19.45 Uhr statt. Kosten: 50 Euro. Anmeldung: 08022/1313.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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