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So soll der Westerhof nach seinem Neubau aussehen. 

Stadtrat stimmt trotzdem zu

“Blick auf Beton statt Natur“: Nachbarn kritisieren Westerhof-Neubau-Pläne

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Besitzer Andreas Greither will sein Hotel Westerhof hoch über der Stadt Tegernsee abreißen und größer neu errichten. Die Anwohner kritisieren viel. Die Stadt hat nun entschieden.

Tegernsee Im April hatte sich der Stadtrat ausführlich mit dem Bebauungsplan für die Erweiterung des Hotels Westerhof befasst. Jetzt ging es erneut um die dafür nötige Änderung des Flächennutzungsplans der Stadt. Und diesmal musste ein 29-seitiges Papier beackert werden. Während von Trägern öffentlicher Belange, sprich vom Landratsamt, der Regierung von Oberbayern oder dem Bayerischen Landesamt für Umwelt lediglich Hinweise eingingen, die zwar von der Stadt berücksichtigt werden, aber kein Hindernis darstellen, reichten sieben Anwohner ihre Einwände ein. Und diese mussten von der Verwaltung sehrwohl sorgfältig abgewogen und dann vom Stadtrat genehmigt werden.

Das Landratsamt weist unter anderem auf die Notwendigkeit eines Verkehrsgutachtens hin. Dieses liegt bereits vor und kommt zu dem Ergebnis, dass die Olaf-Gulbransson-Straße ausgebaut werden muss. Die Regierung von Oberbayern kommt zu dem Ergebnis, dass eine Änderung des Flächennutzungsplans kein Problem darstellt, aufgrund der Lage seien aber hohe Anforderungen an die bauliche Gestaltung und die Einbindung in die Landschaft gestellt. In ihrer Abwägung verweist die Stadt darauf, dass ihr durchaus bewusst sei, dass ein Hotel dieser Größenordnung (134 Zimmer) und dieser Qualität (fünf Sterne) für einen wirtschaftlichen Betrieb eine bestimmte Baumasse erfordere, um den Anforderungen an einen modernen Tourismus gerecht zu werden.

„Deutliche Verschärfung der Verkehrssituation“

Die Anwohner gehen mit dem Vorhaben hart ins Gericht: Zum einen kritisieren sie die Ausweitung des Sondergebiets Fremdenverkehr. Dies sei wegen des zu erwartenden Lärms und des Verkehrs nicht mit dem benachbarten reinen Wohngebiet vereinbar. Sie werfen der Stadt daher „gravierende Abwägungsfehler“ vor. Die Stadt wiederum verweist auf ein Lärmgutachten, das von keinen unzumutbaren Beeinträchtigungen ausgeht. Die Anwohner kritisieren zudem eine „deutliche Verschärfung“ der Verkehrssituation. Sie befürchten, dass der Ausbau der Straße nur unter Zugriff auf Privatflächen zu machen sei. Die Stadt widerspricht: „Die Erweiterung“, so die Antwort, „erfolgt ausschließlich auf städtischem Grund.“ Weitere Kritikpunkte der Anwohner betreffen den Landschaftsschutz. Für Michael und Natalie Knospe stellt der neue Entwurf zur Hotelerweiterung sogar eine Verschlechterung gegenüber der Planung vom Jahr 2013 dar. 

Auch dagegen hatten Nachbarn geklagt.

Auch sei es ungerecht, dass man zahlreichen privaten Eigentümern in den Jahren 2004 und 2005 eine Wohnbebauung verweigert habe, weil deren Grundstücke im Außenbereich lägen. Nun aber sei alles anders. Zudem widerspreche die Versiegelung weiterer Flächen den „Tegernseer Leitsätzen“. Ganz wesentlich ist für Familie Knospe aber die negative Veränderung des Landschaftsbildes. „Blick auf Beton statt Natur gibt es in Gelsenkirchen – das wird daher den Tourismus nicht fördern, sondern ihm schaden.“ Während bestehende Flächen und touristische Einrichtungen am See und im Zentrum leerstünden, etwa das Bastenhaus oder das Guggemos, würden hier Grünflächen dem Flächenfraß geopfert. Die Stadt verweist darauf, dass mit dem Westerhof ein bereits bestehender Betrieb erweitert werde und es sich um eine wichtige Ergänzung des Beherbergungsangebots handle.

Lesen Sie auch: Der Westerhof hat eine 1000-jährige Geschichte

 „Sicher wünscht sich die Stadt auch eine Reaktivierung leerstehender Hotels“, so die Abwägung. Dies könne aber nur vom Eigentümer ausgehen und nicht erzwungen werden.

Besitzer soll illegal das Gelände verändert haben

Für Anwohner Hans Sehmer berücksichtigt das Hotel nicht die Anforderungen an einen sanften, ressourcen-schonenden Tourismus. Die Stadt würde gegen ihre eigenen Interessen und ihre Leitsätze handeln. Sehmer, der auch eine Begrenzung der Bettenzahl auf 200 für sinnvoll hält, unterstellt Hotel-Besitzer Andreas Greither zudem, illegale Geländeveränderungen vorgenommen zu haben und fordert von der Stadt Maßnahmen. „Oder wird hier ein potenzieller Investor verschont?“ In ihrer Bewertung spielt die Stadt diesen Ball dem Landratsamt als Aufsichtsbehörde zu.

Nachdem Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), Geschäftsleiter Hans Staudacher und Bauamtsmitarbeiter Stephan Herbst alle 29 Seiten nahezu im Wortlaut verlesen hatten, fanden auch einige Stadträte ihre Worte, und zwar ebenfalls kritische: „Der Plan ist zu gewaltig“, erneuerte SPD-Sprecher Thomas Mandl seine Ablehnung. Die Anfahrt sei nicht geeignet, das Verkehrsgutachten „auf Kante genäht“, die Olaf-Gulbransson-Straße ein Flaschenhals. „Dass das Restaurant und der Biergarten künftig nicht öffentlich genutzt werden sollen, ist in Realität nicht zu halten“, befürchtet Mandl. Hagn verwies bezüglich der öffentlichen Gastro-Nutzung auf einen entsprechenden Durchführungsvertrag mit dem Eigentümer.

Ja zu „großem Wurf“

FWG-Sprecher Andreas Obermüller unterstützt die Hotelpläne: „Angesichts permanent zurückgehender Bettenzahlen in Tegernsee muss es jetzt der große Wurf sein.“ Er sei froh, dass der Investor Geld in die Hand nehme und sich nicht vom „Kleinklein“ der Anlieger abschrecken lasse. Peter Friedrich Sieben (FWG) pflichtete ihm bei und sprach der Stadtverwaltung für die Ausarbeitung der „sachlichen Abwägungen“ ein großes Kompliment aus.

Am Ende kam das Westerhof-Projekt wieder mit einem kleinen Schritt voran: Gegen die Stimmen der SPD-Fraktion sowie der Stadträtin Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) wurde die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. 

gr

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