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Die „Bohne“: So soll das neue Hotel auf dem einstigen Krankenhaus-Grundstück in Tegernsee aussehen. Vielen gefällt das nicht.

So reagieren Bauherren und Bürgermeister

Nach Präsentation: Die „Bohne“ erntet gewaltigen Shitstorm

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Für das „Bohnen“-Hotel, das in Tegernsee auf dem Krankenhaus-Grundstück entstehen soll, gab‘s auf Facebook viel Häme. Auch eine Wiesseer Baustelle steht plötzlich im Fokus.

Tegernsee/Bad Wiessee – Kritik in dieser Massivität und „Untergriffigkeit“ habe er bei seinen bisherigen Projekten noch nicht erlebt, sagt Thomas Hofer, Geschäftsführer des Salzburger Unternehmens Planquadrat. Erst am Dienstag hatte er im Tegernseer Stadtrat die Pläne für das Hotel – bekannt unter dem Begriff „Bohne“ – und die Wohnhäuser präsentiert, die er auf dem einstigen Krankenhaus-Areal bauen möchte. Vom Gremium gab’s dafür einhellige Zustimmung. Weniger angetan scheint die Facebook-Gemeinde: Von einem „Plattenbau“, einer „Verschandelung“ und „grausamen“ Entwürfen ist angesichts der Hotel-Skizze die Rede.

Damit nicht genug: Noch ein weiteres Projekt Hofers im Tal, nämlich die „Tegernsee Villen“ in Bad Wiessee, geriet in die Kritik. Auf der dortigen Baustelle herrschten dreckige und chaotische Zustände, heißt es. Selbiges könnte nun auch Tegernsee drohen, meint ein Facebook-Nutzer.

Und auch Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), findet deutliche Worte zu den neuen Luxuswohnungen in Abwinkl. „Ich bekomme viele wütende Anrufe von Wiesseern“, berichtet sie. Die seien nicht nur wegen der Baustelle, sondern vor allem wegen der Massivität und der Art der Bebauung verärgert. „Bürgermeister Hagn sollte sich das so oft wie möglich anschauen“, fordert die SGT-Vorsitzende. „Das könnte jetzt auch Tegernsee blühen!“

Neun Wohnhäuser wachsen auf der Baustelle in Bad Wiessee-Abwinkl derzeit in die Höhe. 

Hofer wehrt sich gegen den Rundumschlag. Das soeben genehmigte Projekt in Tegernsee – die „Bohne“ war im Übrigen Gewinner eines Architekten-Wettbewerbs – sei ein Gewinn für die ganze Region, zeigt sich der Salzburger überzeugt. Auch die Kritik an der Gestaltung der „Tegernsee Villen“ will er nicht gelten lassen. „Man sollte das Projekt erst einmal fertig werden lassen“, meint Hofer. Schon allein wegen der Gerüste, die derzeit noch zu allen Seiten der Rohbauten stünden, wirke die Bebauung dichter, als sie eigentlich sei. „Wir haben 25 Meter Abstand zwischen den Häusern“, sagt der Investor und spricht von einer eher „seichten Bebauung“ auf dem 15.000 Quadratmeter großen Grundstück.

Was die Baustelle der „Tegernsee Villen“ angeht, so könne von chaotischen Zuständen nicht die Rede sein, beteuert Hofer. Die zuständige Erdbau-Firma schicke regelmäßig Kehrmaschinen durch, die die Zufahrtsstraße reinige. „Das funktioniert bloß nicht, wenn es wie aus Eimern schüttet“, sagt er. Die Zufahrt sei auch zu keinem Zeitpunkt – wie behauptet – blockiert gewesen. Insgesamt, so Hofer, sei er mit dem Projekt in Bad Wiessee „höchst zufrieden“. Nur zehn der insgesamt 34 Luxuswohnungen, verteilt auf neun Häuser, seien noch nicht verkauft.

Und wie sieht Hofer der Baustelle in Tegernsee entgegen? „Wir wissen, dass das ein sensibles Thema ist“, versichert der Geschäftsführer. Man habe das Thema daher bereits ausführlich mit der Stadt besprochen. „Aber wir haben schon auf wesentlich kleineren Grundstücken mehr gebaut“, verweist Hofer auf die Erfahrungen seiner Firma.

Die schwierigste Phase in Tegernsee sei mit Sicherheit der Bau der Tiefgarage, räumt Hofer ein. Man werde sie in mehreren Stufen realisieren, so dass die Baufirma auf der jeweils fertigen Bodenplatte dann die Maschinen für den nächsten Bauabschnitt abstellen könne. „Die Abwicklung der Baustelle in Tegernsee muss zu 100 Prozent funktionieren – das ist uns bewusst.“

Und das sagen die Bürgermeister

Dass die Entwürfe von Planquadrat angesichts des leeren Krankenhaus-Grundstücks massiv wirken, räumt Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) ein. Er betont aber auch: Das Unternehmen schöpfe die Möglichkeiten des bestehenden Bebauungsplans, der für das früher einmal geplante Seminarhotel aufgestellt worden war, längst nicht aus. „Wir haben jetzt wesentlich weniger Quadratmeter und mehr Bäume als in der ursprünglichen Planung“, sagt Hagn. „Trotzdem“, so ist ihm bewusst, „erreichen wir nicht alle“.

Die Abwicklung der Baustelle für das Projekt werde eine große Herausforderung, weiß der Rathaus-Chef, der sich dazu schon viele Gedanken gemacht hat. So solle etwa die Grundschule, „die zwei Jahre lang die Baustelle vor der Nase hat“, aktiv in die Abläufe eingebunden werden. So sollen die Schüler beispielsweise die verschiedenen Berufe auf der Baustelle kennen lernen, aber auch deren Gefahren demonstriert bekommen. Die Zufahrt zur Baustelle erfolgt über die Hochfeldstraße. Der Zustand der Straße, so Hagn, werde im Vorfeld der Bauarbeiten genauestens dokumentiert, so dass etwaige Schäden durch die Baustellenfahrzeuge später nachgewiesen werden könnten. „Die Abwicklung ist ein Riesenpaket“, meint Hagn.

Während der Tegernseer Gemeindechef noch in den Vorbereitungen steckt, ist die Baustelle in Bad Wiessee in vollem Gange. Nicht immer war Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. „Während der Aushubarbeiten ist viel Dreck auf die Ringbergstraße gelangt“, berichtet er. „Das hat schon zu massiver Kritik geführt.“ Das gemeindliche Ordnungsamt habe die Situation letztlich lösen müssen.

Was die Dichte der Bebauung auf dem Grundstück in Abwinkl angeht, so räumt Höß ein: „Ein bisserl lockerer wäre schon gut gewesen.“ Heute, so Höß, wäre das Vorhaben in dieser Massivität wohl „nicht mehr genehmigungsfähig“.

gab

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