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So schön ist der Tegernsee. Stimmt. Aber 45 Minuten Seebilder aneinandergereiht - muss das sein?

Kritik zur Tegernsee-Doku vom Montag

BR-Doku Seenflimmern: Schöne Bilder oder schon Kitsch?

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Tegernsee - In "Seenflimmern - Der Tegernsee" zeigte der BR am Montag viele Bilder vom See, dazu gab's Kurzporträts von Menschen am See. Wir fragen uns: Ist das jetzt noch schön - oder schon übler Kitsch?

Ja, der Tegernsee ist wunderschön. Der Tal-Bewohner weiß das - und freut sich trotzdem wie ein Seekönig, wenn ihn das Fernsehen in seinem unerschütterlichen Wissen bestätigt. Und das auch noch 45 Minuten lang. Zur besten Sendezeit. Aber irgendwann wird's doch auch dem größten Heimat-Fan zuviel, oder?

Seenflimmern: Drachenfliegerin Regina Glas.

Autorin Bärbel Jacks hat sich jedenfalls mit ihrer Doku "Seenflimmern - Der Tegernsee", die am Montagabend um 19.15 Uhr beim BR lief, wirklich intensiv an der Schönheit des Sees, seiner Landschaft und seiner Menschen abgearbeitet.

Seenflimmern: Fotograf Chris Tille.

Bestimmendes Element der Doku: Immer wieder Bilder vom Tegernsee. Aus der Luft, verknüpft mit der Drachenfliegerin Regina Glas, die vom Wallberg aus ihre Runden dreht. Von ganz nah, dank dem Fotokünstler Chris Tille, der sich mit einer kleinen Galerie in Tegernsee niedergelassen hat und Bilder - genau - vom Tegernsee macht. 

Dazwischen, quasi am Abfluss, nämlich an der Mangfall, führt Florian Kohler durch seine Büttenpapierfabrik und arbeitet mit Akribie daran, das Seeblau in all seinen Variationen mit seinem Papier abzubilden - und das ganze auch noch ganz umweltfreundlich. Und ja, auch für die Oscar-Verleihung. Alles richtig, alles schön, alles lobenswert. Auch wenn sich Kohlers Papierdesigner noch nicht ganz einig sind, ob die neue Farbe jetzt am besten mit Nebelschwaden überm Tegernsee oder Morgengrauen am Tegernsee vergleichbar ist.

Seenflimmern: Alv Kintscher in seinem selbst designten Boot.

Einrichter Alv Kintscher darf dann auch noch einen Baumstumpf aus dem Tegernsee ziehen und ihm in seiner Schreinerei einen Lampenschirm aufsetzen. Gut, seine Schreinerei liegt jetzt zwar nicht direkt am Tegernsee sondern im Sachsenkam, aber warum auch nicht.

Und zu guter Letzt kann freilich auch die Tegernseer Fischerei, diesmal mit Fischereimeister Ernst Simpert, auf keinen Fall fehlen, die zweifelsohne immer gut für schöne Motive und eine spannende Geschichten ist.

Und ja, man kann es nicht oft genug sagen, der See ist sehr schön. Morgens, mittags, abends, bei Regen, bei Schnee, bei Sonne, egal. Aber muss der BR das gemeinsam mit Autorin Jacks auf 45 Minuten ausbreiten und immer wieder bis zur Unerträglichkeit wiederholen? Und wenn ja, warum muss man dabei unbedingt ein Kitsch-Bild zeichnen, das nicht den kleinsten Kratzer hat? Kein Verkehr, keine Bauwut, nirgends Hässlichkeit - nur schönes, blaues, sauberes Wasser. 45 Minuten lang. 

Und spätestens, wenn Alv Kintscher verträumt über das Stück Treibholz streicht und sagt: "Ich sag ja Modern Nature dazu", meint man dann doch, in einer unfreiwilligen Satire gelandet zu sein. Auch wenn der See zweifellos sehr schön ist.

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kmm

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