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Die Burschen Grafing machten am Sonntag einen Ausflug an den Tegernsee, um ihre Freude über das Gerichtsurteil zugunsten des Klosterseers zum Ausdruck zu bringen.

Droht der Brauerei jetzt ein Imageverlust?

Nach Klage: Burschen verspotten Tegernseer Brauhaus 

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  • Veronika Mahnkopf
    Veronika Mahnkopf
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Tegernsee/Grafing - Das Brauhaus Tegernsee hatte gegen Wildbräu aus Grafing wegen des Biernamens "Klosterseer" geklagt. Ohne Erfolg, entschied ein Gericht. Der Spott über die Klage ist groß. Droht dem Brauhaus ein Imageverlust?

Am Sonntag fuhr der Burschenverein Grafing an den Tegernsee, um - wie sie mitteilen - ihre Freude über das Gerichtsurteil zum Ausdruck zu bringen. Dabei brachten sie Klosterseer Bier in Trägern und Fässern mit und ließen sich damit vor dem Tegernseer Ortsschild und am See fotografieren. "Wir finden es unverständlich, dass eine größere Brauerei mit wesentlich mehr Bierabsatz eine kleinere mit derartigen Klagen schwächen will", schreiben die Burschen in einer Mitteilung. "Eine Frechheit", nennt Vorstand Florian Noder die Klage. Die jungen Männer stellen aber klar: Ihre Aktion richte sich ausschließlich an das Brauhaus Tegernsee und nicht an die Region oder die Menschen, die am Tegernsee leben. 

Wie berichtet, hatte das Brauhaus Tegernsee gegen Wildbräu Grafing geklagt. Die Tegernseer Brauer störten sich am Namen des Grafinger Bieres Klosterseer, weil es gar nicht an einem Klostersee gebraut werde. Der Verbraucher werde irre geführt. Das Oberlandesgericht München wies die Klage ab. Die Begründung: Wegen der Vielzahl von Klosterseen dürfe man nur angesichts des Namens nicht eine geografische Herkunft erwarten.

Das Brauhaus Tegernsee scheint sich mit der Klage letztlich nur selbst geschadet zu haben. Unsere Leser waren sich darüber in den Kommentaren zum Bericht über das Gerichtsurteil jedenfalls einig. Gerschon beispielsweise findet: "Liebes Tegernseer Brauhaus - habt Ihr das wirklich nötig, einen solch sinnlosen Kleinkrieg zu führen? Kostet Euch viele Sympathien - seid doch so souverän und steht da drüber." Grantlhuaba wird noch deutlicher: "Den Tegernseer Blempe solln's hoit dann in Zukunft a in Tegernsee tringa!"

Auch in Tegernsee verstehen viele die Klage nicht

Und auch am Tegernsee selbst verstehen viele die Klage nicht, wie die Grafinger Burschen in Gesprächen bei ihrem Besuch erfahren haben wollen. "So haben uns viele bestätigt, dass die ortsansässigen Tegernseer und auch viele in der Region bereits ausschließlich Bier einer Miesbacher Brauerei konsumieren, weil sie mit der Firmenpolitik der Tegernseer Brauerei nicht einverstanden sind." 

Wie schnell eine Klage gegen einen kleinen Mitbewerber zum Rohrkrepierer werden kann, zeigt ein Fall aus der Vergangenheit. Der Biergigant „Warsteiner“ wollte dem „Steiner“ Bier aus Stein an der Traun den Markennamen streichen. Damit hatte die Großbrauerei mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz im Umgang mit dem kleinen Mitbewerber in den Augen vieler Konsumenten sozusagen gegen die Etikette verstoßen. Der Mittelstandsbrauerei aus dem Landkreis Traunstein hat die unfreiwillige Publicity nicht geschadet, die „Warsteiner Brewery“ wurde darüber hinaus in einem Spottlied der „Biermöslblos’n“ entsprechend gewürdigt. Das Bier, so philosophierten die Well-Buam, sei von einer Güte und Qualität, dass es am besten in einem Castor-Behälter aufgehoben sei.

Mit dem Bier der Brauerei Wildbräu hingegen, speziell mit dem „Klosterseer“, sind die Mitglieder des Grafinger Burschenvereins sehr zufrieden. Ausgiebig testen konnten sie die den Haustrunk bei einer Führung durch die heimische Brauerei am vergangenen Freitag. Im Rahmen dieser Führung aber erzählte Firmenchefin Swantje Schlederer den Burschen dann, dass sie sich jüngst gegen einen juristischen Angriff aus dem Tegernseer Tal zur Wehr zu setzen hatte. Den Grafingern stellte es da die Federn auf. 

Übrigens: Wir haben das Brauhaus Tegernsee um eine Stellungnahme gebeten. Leider wurde unsere Anfrage nicht beantwortet. 

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