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Brennpunkt Olaf-Gulbransson-Straße

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Von: Gerti Reichl

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Reisebus in der Olaf-Gulbransson-Straße
An dieser Engstelle der Olaf-Gulbransson-Straße steckte der Reisebus fest. © privat

Der Ausbau der Olaf-Gulbransson-Straße in zwei weiteren Etappen kommt heuer auf die Anlieger zu. Er ist Voraussetzung für den Bau des geplanten Gesundheitshotels Westerhof. Dass jetzt ein Reisebus in der Straße feststeckte, ist für die Anwohner ein Vorgeschmack auf das, was sich künftig hier abspielen könnte. Sie sehen sich in ihrem Protest gegen das Hotel bestätigt.

Tegernsee – Das Spektakel, das sich vor Kurzem vor seiner Haustüre abspielte, hielt Walter Stepan nicht nur mit seiner Kamera fest. Er tippte sogleich eine E-Mail an Bürgermeister Johannes Hagn, um die Vorgänge zu schildern: Ein mit 50 Personen vollbesetzter Reisebus, der vom Hotel Westerhof kommend Richtung Stadtzentrum fahren wollte, scheiterte beim Versuch, an einem in der Kurve bei Hausnummer 1 geparkten BMW vorbeizukommen. Die Polizei wurde gerufen. Allerdings war dem Fahrzeughalter nichts vorzuwerfen, da es kein Verbotsschild an dieser Stelle gab. Ein Mitarbeiter des Westerhofs hatte inzwischen einen Abschleppdienst gerufen, der sich jedoch weigerte, das Auto abzuschleppen, da kein Falschparker-Ticket vorlag. Die Polizeistreife machte den Fahrzeughalter schließlich im Berggasthaus Neureuth ausfindig.

45 Minuten dauerte es, bis der Wanderer ankam und sein Auto entfernte – mit dem Verweis, dass ein Bus wegen der auf acht Tonnen limitierten Achslast hier nicht fahren dürfte. Während die Bus-Insassen geduldig auf einer Wiese warteten, umringt von etlichen Schaulustigen und versorgt mit einem Gläschen Wein vom Westerhof, verfolgte Stepan wenige Meter daneben die sich zuspitzende Lage auf der einspurigen Zufahrt zum Neureuth-Parkplatz. Weil der offenbar schon belegt war, herrschte zwischen dem Lieberhof und dem Parkplatz ein „enormes Pkw-Gewühl“, begleitet von gegenseitigen Beschimpfungen. „Man kann sich vorstellen, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, wenn auch der Bau des Almdorfs beginnt“, schreibt Stepan an die Stadt und bietet an, sich an einer elektronischen Beschilderung an der Neureuthstraße finanziell zu beteiligen.

An dieser Stelle verzahnen sich mehrere Themen: die enge Zufahrt zum Neureuth-Parkplatz, der geplante und wohl bevorstehende Bau des Almdorfs gleich unterhalb des Parkplatzes, die Enge auf der Olaf-Gulbransson-Straße und der bevorstehende Bau des geplantes Gesundheitshotels Westerhof.

Die Olaf-Gulbransson-Straße in Tegernsee.
Die Olaf-Gulbransson-Straße soll heuer in zwei Etappen ausgebaut werden. © Thomas Plettenberg

Nach Vorfall: So reagiert die Stadt Tegernsee

Rathauschef Hagn antwortete prompt auf Stepans E-Mail: Der Sachverhalt sei der Stadt nicht bekannt gewesen, so Hagn. Er berichtete, dass im Kurvenbereich der Olaf-Gulbransson-Straße eigentlich eine Halteverbotszone eingerichtet sein müsste, „Wir haben umgehend nachgeschaut und mussten feststellen, dass die betreffende Beschilderung mitsamt der Befestigung entwendet wurde.“ Wie Hagn auf Nachfrage nun berichtet, kläre die Stadt gerade, ob das Schild im Zuge der Bauarbeiten in der Olaf-Gulbransson-Straße von der Baufirma entfernt wurde. „Bis dahin werden wir von einer Anzeige bei der Polizei Bad Wiessee absehen.“

Enge Neureuthstraße: Und dann kommt noch das Almdorf

Eine elektronische Beschilderung, die schon zu Beginn der Neureuthstraße auf die Situation am Parkplatz hinweist, hält Hagn vorerst nicht für machbar. Auch sei im Zuge des Almdorf-Baus, wenn es dazu kommt, nicht vorgesehen, die Zufahrt zum Parkplatz zu verbreitern. „Dennoch werden wir im Stadtrat allgemein erneut über das Thema Wander-Parkplätze sprechen und Verbesserungsvorschläge diskutieren“, versichert der Bürgermeister.

Olaf-Gulbransson-Straße: Im Frühjahr geht‘s mit dem Ausbau weiter

Laut Bauamtsleiterin Bettina Koch wird die Olaf-Gulbransson-Straße in diesem Jahr in zwei weiteren Etappen ausgebaut. Ein erster Abschnitt war schon 2021 dran und verlangte den Anwohnern viel Verständnis ab. Über mehrere Monate war die Straße von morgens 7 Uhr bis abends 18 Uhr gesperrt. „Das ist schon eine sehr aufwändige Geschichte“, räumt Hagn ein. Nicht nur sämtliche Versorgungsleitungen müssen in diesem Zuge erneuert, sondern auch die Straße verbreitert werden, wo möglich.

Hinzu kommt: Einige Hausbesitzer haben ihre Stützmauern, Hecken, Gärten oder Zufahrten teils auf städtischem Grund gebaut. „Das muss den Besitzern klar sein, dass sie auf ihre Grundstücksgrenzen zurückgehen müssen“, betont Koch. Dieser Tage würden entsprechende Schreiben verschickt. Die Ausschreibung der Bauarbeiten selbst – zunächst für das obere Drittel bis zum Westerhof, dann im unteren Straßenverlauf – sei noch nicht erfolgt, so Koch. Bezahlt wird die Maßnahme von Mediziner und Unternehmer Andreas Greither.

Geplanter Hotelbau: Unternehmer bleibt dran

Der Straßenausbau ist Voraussetzung für den Bau des geplanten Fünf-Sterne-Gesundheitshotels mit 134 Zimmern sowie 50 Personalzimmern, Chalets und einem Wellnessbereich im terrassierten Hang. Das bestehende Garni-Hotel mit 43 Zimmern wird dafür abgerissen. Von einer Investitionssumme von 80 Millionen Euro war zuletzt die Rede – vor der Explosionswelle der Baukosten. Die Genehmigung hat Greither bereits vorliegen. An eine Änderung der Pläne, wie das bei anderen Hotelprojekten der Fall ist, die seit Jahren in der Warteschleife hängen, denkt der 74-Jährige nicht. „Ich bin an einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan gebunden“, sagt Greither. Wenn überhaupt, würde es sich um „interne Änderungen handeln, die sich am Betreiber orientieren.“ Insgesamt sei er „völlig optimistisch“, was die Realisierung der Pläne betrifft. Schließlich baue er ein Gesundheitshotel, „und das ist auch nach der Pandemie sehr zukunftsfähig“.

Geplantes Gesundheitshotel: Normenkontrollklagen eingereicht

Etliche Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit den Hotelplänen wurden schon ausgefochten. Aktuell liegen zwei Normenkontrollklagen gegen die Satzung des Bebauungsplans vor, von einer dritten ist die Rede. Beklagte ist also die Stadt. Eingereicht wurden sie sowohl von Nachbarn im Alleingang, als auch im Verbund von sieben Anwohnern. Im Kern geht es um den Vorwurf der falschen Abwägung von Einwänden und um Fehler im Umweltbericht sowie dem Lärm- und Verkehrsgutachten. „Die Normenkontrollklage hat keine aufschiebende Wirkung“, sagt Bürgermeister Hagn. Die Vorwürfe der Anwohner, die Stadt wäre in dem seit 2011 laufenden Verfahren nicht gesprächsbereit gewesen, weist Hagn zurück. „Bestimmte Ergebnisse müssen anerkannt und akzeptiert werden“, sagt er. Ein ordnungsgemäßes Verfahren diene letztlich dazu, dass alle Betroffenen in gleichem Maße angehört und deren Rechte gewahrt werden.

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gr

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