Zahlreiche Familien tummelten sich auch am Samstag auf dem neuen Spielplatz im Tegernseer Kurgarten. Kinderarzt Dr. Andreas Busse kritisiert, dass dabei nur selten auf die nötigen Abstände geachtet wurde.
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Zahlreiche Familien tummelten sich auch am Samstag auf dem neuen Spielplatz im Tegernseer Kurgarten. Kinderarzt Dr. Andreas Busse kritisiert, dass dabei nur selten auf die nötigen Abstände geachtet wurde.

Spieleparadies sorgt für Ärger

Nach Spielplatz-Eröffnung: Kinderarzt befürchtet neuen Corona-Hotspot - Bürgermeister reagiert auf Vorwürfe

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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  • Gabi Werner
    Gabi Werner
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Kaum eröffnet, sorgt der neue Spielplatz in Tegernsee schon für Ärger. Ein Kinderarzt ist empört über die Menschen-Ansammlungen und spricht von einem „Corona-Hotspot“. Nun reagiert die Stadt auf die Vorwürfe.

  • Nach monatelanger Bauzeit hat im Tegernseer Kurgarten der neue Spielplatz eröffnet.
  • Viele Familien stürmen mit ihren Kindern am Wochenende das neue Gelände - ein Kinderarzt ist entsetzt.
  • Jetzt bezieht der Bürgermeister Stellung - und kündigt erste Maßnahmen an.
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Update vom Dienstag, 17. November:  Der Andrang war groß, als nach mehrmonatiger Bauzeit der neue Spielplatz im Kurpark die Pforten öffnete. Zum Entsetzen des Tegernseer Kinder- und Jugendarztes Dr. Andreas Busse und anderer Eltern: Sie fürchten, der Spielplatz könne zu einem Corona-Hotspot werden (wir berichteten). Busse hat bereits an Bürgermeister Johannes Hagn geschrieben und diesen aufgefordert, „die Situation zu ändern“.

Neuer Spielplatz in Tegernsee: Arzt befürchtet neuen Corona-Hotspot - Bürgermeister reagiert

Jetzt äußerte sich der Rathauschef„Wir werden Schilder aufstellen und die Situation beobachten.“ Will heißen: Auch wenn die Corona-Verhaltensregeln inzwischen allgemein bekannt sein dürften, werden Eltern nun sichtbar und deutlich aufgefordert, möglichst den Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten und Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Auch sollten die Eltern darauf achten, so Hagn, „dass die Kinder beim Spielen möglichst nicht aufeinander hocken“.

Ich werde die Eltern notfalls auch ansprechen.

Bürgermeister Johannes Hagn

Nicht nur Mitarbeiter des Bauhofs, auch er selbst werde nun regelmäßig die Runde im Kurpark drehen, um die Situation zu beobachten. „Ich werde die Eltern notfalls auch ansprechen“, sagt Hagn. „Wenn nötig, werden wir auch die Polizei bitten, dort einzuschreiten.“

Corona in Tegernsee: Stadt beobachtet Situation am Spielplatz genau - stellt Hinweisschilder auf

Verboten ist der Aufenthalt am Spielplatz – im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr – grundsätzlich nicht. Allerdings dürfen Kinder nur in Begleitung Erwachsener dort spielen. Die Eltern sind zudem angehalten, Ansammlungen zu vermeiden und möglichst auf ausreichenden Abstand der Kinder zu achten.

„Wir nehmen das Thema in Tegernsee sehr, sehr ernst“, erklärt Bürgermeister Hagn und verweist beispielsweise darauf, dass am Volkstrauertag auf die üblichen Gedenkfeiern verzichtet wurde. Zudem hat der Stadtrat, wie berichtet, ein Alkoholverbot für den Kurpark erlassen.

(ger)

Ursprünglicher Artikel vom Montag, 16. November:

Tegernsee – Endlich wurde die Fahne am Piratenschiff gehisst: Am Freitag hat die Stadt Tegernsee den neuen Spielplatz im Kurgarten nach mehreren Monaten Bauzeit für die Öffentlichkeit freigegeben – und prompt gibt es Ärger um die neue Attraktion. Weil viele Familien neugierig waren auf das Spieleparadies und sich zudem das Wetter von seiner schönsten Seite zeigte, tummelten sich zahlreiche Eltern und Kinder am Wochenende gleichzeitig auf dem Gelände.

Corona-Hotspot in Tegernsee? Eltern und Kinder strömen am Wochenende auf neuen Spielplatz

Dr. Andreas Busse, Kinder- und Jugendarzt in Tegernsee, ist entsetzt: Er spricht von einem „Corona-Hotspot“ und fordert Bürgermeister Johannes Hagn in einem Schreiben dringend dazu auf, „die Situation zu ändern“. Auch ein Vater aus Tegernsee schrieb an unsere Zeitung: „Man hat sich heute schon gefragt, ob Corona auf einem Spielplatz nicht existiert.“

Man hat sich heute schon gefragt, ob Corona auf einem Spielplatz nicht existiert.

Vater aus Tegernsee

Busse zufolge hätten sich bereits am Freitag „Trauben von Kindern und Familien“ auf dem Spielplatz gedrängt – eng beieinander, ohne Abstand, ohne Mund-Nasen-Schutz. An die Stadt Tegernsee gerichtet, stellt der Mediziner die Frage: „Wie um alles in der Welt kommt man auf die Idee, mitten im neuen Lockdown einen neuen Spielplatz zu öffnen?“

Tegernsee: Familien drängen sich auf Spielplatz - ohne Abstand und ohne Mundschutz

Erlaubt ist das allemal. Im Gegensatz zum ersten Lockdown dürfen Spielplätze unter freiem Himmel geöffnet bleiben. Allerdings, so zitiert Dr. Busse das Innenministerium, dürften Kinder die Plätze nur in Begleitung Erwachsener betreten – und diese seien gehalten, „jede Ansammlung zu vermeiden und wo immer möglich auf ausreichenden Abstand der Kinder zu achten“.

Dies, so stellt der Kinderarzt klar, sei in Tegernsee nicht der Fall gewesen. Der Vater aus Tegernsee, der sich ebenfalls per Mail an unsere Zeitung wandte, erklärte: „Ich bin mit meinem Kind sicherheitshalber nicht hingegangen.“

Zweiter Lockdown in Bayern: Eltern müssen auf Spielplätzen bei den Kindern für Abstand sorgen

Ob sich die Stadt Tegernsee aufgrund der Beschwerden zum Handeln veranlasst sieht, blieb am Sonntag offen. Bürgermeister Johannes Hagn war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Fest steht: Die Stadt ist im Kampf gegen Corona durchaus darum bemüht, Menschenansammlungen zu vermeiden: Erst in der jüngsten Stadtratssitzung wurde ein Alkoholverbot für den Kurgarten erlassen.

(gab)

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