Mit neuen Strategien befassen sich Tourismus-Chef Christian Kausch (l.) und Michael Götz.
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An kühlen Tagen haben für gewöhnlich die Tagungen am Tegernsee Hauptsaison. Doch die sind 2020 weitgehend abgesagt. Mit neuen Strategien befassen sich Tourismus-Chef Christian Kausch (l.) und Michael Götz.

Tagungsgäste fehlen

Corona-Winter erfordert neue Strategien

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Wenn die Sommerurlauber das Tegernseer Tal verlassen haben, kommen die Tagungsgäste – in Jahren ohne Pandemie. In diesem Herbst ist alles ganz anders.

Tegernseer Tal – Zu Beginn des Lockdowns im März hatten Tourismus-Chef Christian Kausch und sein Team ausgerechnet, wie groß das Loch sein würde, das Corona reißt. Keine Busreisen, keine Tagungen, keine ausländischen Gäste: Kausch kam – übers ganze Jahr gesehen – auf eine Verlust-Erwartung von 40 Prozent. Doch der Corona-Sommer am Tegernsee lief überraschend gut. Es gab zwar viele Stornierungen, aber noch mehr Buchungsanfragen. Viele, die für gewöhnlich weit weg Urlaub machen, reisten an den Tegernsee. „Es kamen viele jüngere Gäste“, meint Kausch. Sie blieben oft auch länger, als es am Tegernsee üblich ist. Eine längere Verweildauer bedeutet mehr Übernachtungen.

Im Oktober beginnt die Hauptsaison für Tagungsgäste

„Wir hoffen, dass wir die Saison noch ein bisschen in die Länge ziehen können“, sagt Kausch. Ob das möglich ist, hängt sehr vom Wetter ab. Für gewöhnlich beginnt ab Oktober die Zeit der Tagungsgäste. „In der Nebensaison machen sie ungefähr 20 bis 30 Prozent des Gesamtaufkommens aus“, erklärt der Tourismuschef. Auch im Herbst 2020 waren viele große Tagungen mit teils internationalen Besuchern vorgesehen. „Die mussten abgesagt werden“, weiß Kausch. Zudem sind Planungen für größere Tagungen im Jahr 2021 aktuell kaum möglich.

Von dieser Entwicklung betroffen sind nicht nur die großen Hotels wie Überfahrt, Bachmair Weissach, Egerner Höfe und Das Tegernsee, sondern auch viele kleinere Betriebe rund um den See. Com Team in Gmund zum Beispiel betreibt ein reines Tagungshotel. Einige Hotels, wie zum Beispiel das Hotel Rex in Bad Wiessee, sind auf Busreisen eingestellt.

Umstellung auf Individualtourismus erfordert viel Flexibilität

Aus dem Stand auf Individualtourismus umzustellen und eine neue Gästeklientel zu bedienen, erfordert viel Flexibilität. Die haben viele Gastgeber im Sommer bewiesen. Die Frage ist, wie sich in den kommenden Monaten das Gästeaufkommen insgesamt entwickelt. Kausch wagt keine Prognose. „Da bräuchte man schon eine Glaskugel“, seufzt er. Doch auch wenn der Trend zum Urlaub in Deutschland anhält: Der Wegfall der Tagungsgäste dürfte den Tourismus am Tegernsee schwer treffen.

„Aber im Incentive-Bereich geht schon wieder viel“, erklärt Michael Götz, der bei der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) für den Bereich Tagungstourismus tätig ist. Kleinere Workshops finden statt. „Und Team-Building ist gerade in Zeiten von Homeoffice sehr wichtig“, glaubt Götz. Vor allem Unternehmen aus dem Münchner Raum nutzten dafür gerne die Möglichkeiten am Tegernsee. Götz ist auch überzeugt: „Die großen Tagungen kommen wieder, wenn es gesundheitlich möglich ist.“

Wegfall der Adventsmärkte trifft Tourismus

Das wird im kommenden Winter allerdings kaum der Fall sein. Sorgen bereitet auch der Wegfall der Adventsmärkte. Ihrer Attraktivität sei es zu verdanken, dass der Dezember inzwischen zur Hauptsaison zähle, meint Kausch. Das neue Konzept Winterzauber bietet zwar etwas Adventsstimmung, kann den Verlust der Märkte aber nicht auffangen. „Für die gibt es keinen Ersatz“, weiß der Tourismus-Chef. Es sei aber schlichtweg nicht möglich, die Adventsmärkte so zu gestalten, dass das Abstandsgebot eingehalten wird.

Nicht selbst zum Risikogebiet zu werden, ist das Wichtigste in dieser Zeit – auch für den Tourismus. Als Tirol vor Kurzem zu einem solchen erklärt wurde, schossen die Buchungsanfragen am Tegernsee noch einmal in die Höhe. Von all diesen Unwägbarkeiten hänge es ab, ob das Tegernseer Tal die Ausfälle durch den Wegfall der Tagungen kompensieren könne, macht Kausch deutlich. Wichtig sei vor allem, für den kurzfristigen Bucher im Internet sichtbar zu sein: „Das geht alles online und nicht auf dem Papier.“

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