Corona/Tegernsee: Biergarten-Saison startet - Ein Tag bereitet Bräustüberl-Wirt Bauchschmerzen
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Der Abstand ist gewahrt: Der Tegernseer Bräustüberl-Wirt Peter Hubert hat die Anzahl der Tische in seinem Biergarten deutlich reduziert, um den Corona-Vorgaben gerecht zu werden.

Nach komplettem Corona-Lockdown

Biergarten-Saison am Tegernsee startet - Ein bestimmter Tag bereitet Bräustüberl-Wirt Bauchschmerzen

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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  • Christian Masengarb
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Für die Gastronomie beginnt der Weg aus dem Lockdown: Ab Montag dürfen Wirtschaften ihre Gast- und Biergärten öffnen. Im Landkreis Miesbach tun sie das mit gemischten Gefühlen.

  • Nach dem kompletten Corona-Lockdown dürfen Wirtschaften Gast- und Biergärten wieder eröffnen. 
  • Wirte im Landkreis Miesbach haben dabei jedoch gemischte Gefühle. 
  • Der Wirt des Tegernseer Bräustüberls freut sich auf die Öffnung - doch ein Tag bereitet ihm Bauchschmerzen.

Landkreis – Auch für die Gastronomie beginnt der Weg aus dem Lockdown: Ab Montag, 18. Mai, dürfen Wirtschaften zumindest ihre Gast- und Biergärten wieder öffnen. Im Landkreis Miesbach sieht man dieser ersten Phase mit gemischten Gefühlen entgegen.

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Biergarten-Saison nach Coronavirus-Lockdown: Wirt des Tegernseer Bräustüberls ist vorbereitet 

Bei allem Vorbereitungsstress: Peter Hubert (52), Wirt des Tegernseer Bräustüberls, freut sich auf den Tag X. Pünktlich zu Beginn kommender Woche wird er unter freiem Himmel wieder Gäste bewirten – wenn auch in deutlich reduzierter Form. Um die Abstandsregel wahren zu können, habe man 30 Tische aus dem Biergarten entnommen, berichtet der Betreiber der wohl bekanntesten Wirtschaft am Tegernsee. „Wir haben derzeit auch nur die kleinen Biertische, lange Tafeln gibt es nicht.“ Konkret bedeutet das: Hubert kann nach dieser ersten Corona-Lockerung nur gut 300 Außenplätze bieten, normalerweise sind es 760. Das schmerzt den Wirt natürlich – zumal Hubert damit rechnet, dass „der Drang der Leute in die Biergärten groß ist“.

Für den Betrieb zu Corona-Zeiten will Hubert bestmöglich gerüstet sein. Um die Daten seiner Gäste notieren zu können, hat er eigens Formulare anfertigen lassen, seine Mitarbeiter hat er gar zum freiwilligen Corona- und Antikörper-Test geladen. Dass der schon wenige Tage später überholt sein könnte, ist Hubert bewusst. Er wolle aber „die größtmögliche Sicherheit“ bieten, sagt er.

Ein wenig Bauchschmerzen bereitet Hubert die Aussicht auf den Vatertag. In vielen Köpfen sei verankert, dass man an diesem Tag in ganzen Gruppen ausrücke. „Wir stellen schon bei der Reservierung am Telefon klar, dass dies derzeit nicht möglich ist“, sagt Hubert. Laut Vorschrift dürfen nur Verwandte oder Familien aus höchstens zwei Hausständen am selben Tisch Platz nehmen. Damit eine Schunkel-Mentalität gar nicht erst aufkommt, verzichtet Hubert heuer in seinem Bräustüberl auf eine Vatertagsfeier mit Musik.

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Coronavirus im Landkreis Miesbach: Freude und Skepsis beim Café Winklstüberl 

Bei Sophia Mairhofer mischen sich Freude und Skepsis. „Wir sind froh, wieder aufmachen zu dürfen“, sagt die 25-jährige Junior-Chefin des Café Winklstüberl in Fischbachau. Die Abstandsregeln seien für sie kein Problem. „Wir haben eine große Fläche, wir können die Tische gut verteilen.“ Sie schätzt, rund vier Fünftel der üblichen Plätze anbieten zu können. Gerade an Wochenenden und Feiertagen rechnet sie auch mit einem ordentlichen Andrang. „Es haben schon die Ersten nach Reservierungen gefragt.“

Genau das könnte aber zum Problem werden, fürchtet Mairhofer: „Schwer wird es, jeden Gast zu dokumentieren.“ Viele Menschen kämen nach einer Wanderung kurz im Winklstüberl vorbei. Der Durchlauf sei hoch, alle Gäste zu erfassen entsprechend aufwendig. Ihre Angestellten werden daher schon bei der Platzzuweisung auf die Formulare hinweisen. „Wir freuen uns auf unsere Gäste. Aber das wird schon ein Aufwand.“

Der Herausforderung begegnet Mairhofer mit detaillierter Planung. Besteck und Servietten stecken in Einweg-Papiertaschen statt im Krug, den jeder anfasst. Die Stifte für die Formulare werden nach jedem Gast desinfiziert. Die Servicekräfte gehen durch den Lieferanteneingang, um Abstand zu den Gästen zu halten. „Man muss sich schon reindenken“, sagt Mairhofer. Trotzdem bleiben Fragen: „Wie halten sich die Leute daran? Wer setzt sich an einen Tisch?“

Nach Corona-Lockdown: Biergarten-Saison startet - Freude bei Betreiber vom  Bräustüberl Valley

Im Bräustüberl Valley überwiegt bei Betreiber Marco Krentzien die Freude darüber, dass es wieder losgeht. Er startet mit voller Küche und allen Getränken – aber, wegen der Abstandsregeln, nur mit rund einem Drittel der Gäste. Höchstens zwei Haushalte pro Tisch, zwischen den Tischen 1,50 Meter Abstand – „bis wir wieder Gewinn machen, wird es Monate dauern“. Dank Maibock und guter Wetterprognose glaubt er, die verbleibenden Plätze füllen zu können.

„Der Montag wird für Gastronomen eine Herausforderung“, glaubt Krentzien. Die Regeln, die er kenne, habe er eingeplant. Das seien aber wenige – Abstand halten, Desinfektionsmittel einsetzen, Mundschutz für die Bedienung beispielsweise. Zu weiteren Auflagen hatte er, Stand gestern, noch keine Aussagen. Erfahrungen aus anderen Bundesländern, in denen die Gastronomen früher öffnen durften, hätten gezeigt, dass Regeln auch kurzfristig kommen können. Am Montag, so befürchtet Krentzien, werde er kurzfristig Material beschaffen müssen.

Bei seinen Angestellten seien die Gefühle nach der langen Corona- Zwangspause gemischt. „Von guter Laune bis depressiv.“ Es überwiege aber die Freude, wieder raus und an die Arbeit zu dürfen. „Wir sind alle gesund. Das ist das Wichtigste.“

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