Brandbrief vom Tegernsee zu Münchner-Ausflüglern: „Liebe Ilse, das ist eine Katastrophe“
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So voll wie auf diesem Archivbild vom Seeufer in Tegernsee ist es aktuell nicht mehr. Trotzdem kommen immer noch viele Münchner.

“Wissen nicht, wer den Dreck wegräumen soll“

Tegernsee-Bürgermeister wollen Münchnern Ausflüge verbieten - Münchnerin vor Supermarkt beschimpft - quer berichtet

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Johannes Hagn, Bürgermeister in Tegernsee, schreibt einen Brandbrief an Ilse Aigner. Der Tegernsee könne den Ansturm aus München während der Coronavirus-Krise nicht verkraften. Die Debatte, die damit ausgelöst wurde, hat nun einen neuen Höhepunkt erreicht.

  • Die Tal-Bürgermeister schlagen Alarm. Die Ausgangsbeschränkungen in Bayern aufgrund der Coronavirus-Krise reichten nicht aus.
  • Tegernsees Bürgermeister hat jetzt einen Brandbrief nach München geschickt.
  • Er wisse nicht, „wer hinter den „Münchnern“ den Dreck wegräumen soll“...
  • Alle Neuigkeiten und Informationen zum Coronavirus im Landkreis Miesbach in unserem Live-Ticker.

Neue Eskalation in Ausflugsdebatte am Tegernsee: Münchnerin mit Rottacher Wohnung wüst beschimpft

Update vom 26. März: Die Auseinandersetzung zwischen Tal-Bewohnern am Tegernsee und Münchnern hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach dem Brandbrief von Tegernsees Bürgermeister Hagn an Ilse Aigner mit deutlicher Wortwahl (lesen Sie den Brief in voller Länge weiter unten), in dem die Tal-Bürgermeister den Münchnern die Anfahrt an den Tegernsee verbieten wollen, gibt es mehrere Meldungen über Anfeindungen gegen Menschen mit Münchner Kennzeichen. Eine Zweitwohnsitzlerin in Rottach-Egern berichtet, dass sie vor einem Supermarkt wüst beschimpft wurde - wegen ihres Kennzeichens. Im Text bleibt sie anonym - aus Angst vor weiteren Anfeindungen. Hagn verurteilt die verbale Attacke aufs Schärfste.

Coronavirus-Ausflugs-Debatte am Tegernsee: quer berichtet im BR am Donnerstag (26. März)

Indessen hat sich, wie so oft bei aufsehenerregenden Geschichten unserer Redaktion aus dem Tal, ein Kamerateam der BR-Sendung quer an den Tegernsee aufgemacht. Am heute Abend (26. März) läuft der quer-Beitrag im BR um 20.15 Uhr.

Lesen Sie dazu auch: Nach der hitzigen Debatte um Münchner Ausflügler am Tegernsee zu Beginn der Corona-Krise, setzt Hotelier Korbinian Kohler ein Zeichen in Corona-Zeiten - mit einer pro-Münchner Banner-Aktion.

Update vom 24. März: Die Debatte um ein Ausflugsverbot an den Tegernsee für Münchner schlägt hohe Wellen. Wir kommentieren die Forderung in beide Richtungen. 

Update vom 24. März, 19.50 Uhr: Hilfe, die Münchner parken unsere Gemeinden zu und hinterlassen ihren Dreck, und das trotz Corona! Mit einem Brandbrief an seine Stimmkreisabgeordnete und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) wollte der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) erreichen, dass Bürger in Zeiten der Corona-Beschränkungen nicht mehr über Landkreisgrenzen hinweg Spaziergänge unternehmen dürfen. Aigner unterstützte den Vorstoß. Doch bei Ministerpräsident Markus Söder (CSU) blitzten Hagn und Aigner ab.

Man werde jetzt keine weiteren Einschränkungen machen, sagte Söder gestern nach einer Kabinettssitzung. „Das wäre jetzt das falsche Signal“, betonte er. Erlaubt seien Aufenthalte an der frischen Luft, und das gelte „natürlich auch für einen Ausflug, wenn man den machen sollte“, so der Regierungschef. Söder appellierte aber an alle, das in „vernünftiger Form“ zu machen. Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) rief die Menschen zur Vernunft auf. „Es ist sicherlich nicht der Sinn der Sache, dass ich jetzt 50 Kilometer mit dem Auto fahre, um dann zehn Minuten spazieren zu gehen“, sagte er dem Radiosender Antenne Bayern unter Verweis auf die geltenden Ausgangsbeschränkungen.

Tegernsees Bürgermeister Hagn hatte amnach dem Brandbrief vom Montag zahllose Presseanfragen, Mails und Anrufe zu beantworten. Die Reaktionen sind zwiespältig. „Ich höre gerade von Einheimischen, dass es absolut richtig sei, dies zu fordern“, so Hagn. In Kommentaren drohen Touristen andererseits an, dem Tegernseer Tal künftig den Rücken zuzukehren.

Auch wenn aus dem Sperrbezirk Tegernsee für Auswärtige nichts wird, versuchen die lokalen Behörden andere Möglichkeiten auszureizen, um die Auswärtigen abzuschrecken: In Kreuth ordnete Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) schon am Freitag das Sperren der Wanderparkplätze an, „um den Tourismus in Coronazeiten zu unterbinden“.

gr/we

Tegernsee-Bürgermeister wollen Münchnern Ausflüge verbieten - Ilse Aigner bekommt Abfuhr vom Krisenstab

Update vom 24. März, 10.45 Uhr: In einem Brandbrief fordern die Bürgermeister am Tegernsee, dass Münchnern der Ausflug an den Tegernsee verboten wird (siehe Brief im Original weiter unten). Ilse Aigner hat die Bitte an den Krisenstab der Staatsregierung weitergeleitet. Aus Teilnehmerkreisen ist allerdings zu hören, dass die Forderung vom Tegernsee dort nicht so gut ankommt. Die Ausgangsbeschränkungen würden nicht erweitert werden.

Ilse Aigner reagiert auf Brandbrief vom Tegernsee

Update, 14.33 Uhr: Ilse Aigner hat umgehend auf das Schreiben vom Tegernsee reagiert:

Die Antwort aus Aigners Büro ließ nicht lange auf sich warten. Sie habe „absolut kein Verständnis für diese Art von Freizeitgestaltung“, heißt es. „Natürlich soll es den Menschen weiterhin möglich sein, vor die Tür zu gehen. Das darf aber nicht so verstanden werden, mit dem Auto Ausflüge in andere Landkreise zu unternehmen und den gleichen Bewegungsradius wie vorher zu haben. Damit würden Maßnahmen konterkariert.“ 

Video: Kontaktverbot wegen Corona - die wichtigsten Regeln

Staatskanzlei-Chef Florian Hermann, so hieß es in der Antwort-Mail an Hagn, werde das Thema im Krisenstab einbringen. „Wir gehen davon aus, dass entsprechende Regelungen getroffen werden. Denn offenbar können wir uns auf die Vernunft der Menschen nicht verlassen.“

Ursprüngliche Meldung, 23. März, 11.01 Uhr: Tegernseer Tal - Die aktuellen Ausgangsbeschränkungen in Bayern wegen des Coronavirus‘ erlauben allen Bayern nach wie vor, in die Natur zu gehen. Wo genau das stattfinden darf, ist in der Verfügung nicht geregelt. Die Ausflugsregion Tegernsee steht nun vor einem ernsten Problem. Menschen aus München und Umland gehen dort in die Berge.

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Bürgermeister am Tegernsee schreiben Brandbrief nach München: Ausgangsbeschränkungen in Bayern nachbessern!

Doch die Ehrenamtlichen und Gemeinden kommen mit diesem Ansturm laut den Tal-Bürgermeistern nicht zurecht. Die Bürgermeister fordern, dass die Ausgangsbeschränkungen deshalb deutlich verschärft werden.

Hier der Brief von Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn im Wortlaut:

„Liebe Ilse,

wir haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass es erlaubt ist, dass Menschen aus dem Großraum München auf die Berge und damit auch an die Seen fahren dürfen. Wir hatten am Wochenende bereits einige bei uns. Laut Auskunft Polizeiinspektion Wiessee wäre dies auch so zulässig, da die Allgemeinverfügung hier nicht konkret und einschränkend genug sei.

Das ist eine Katastrophe. Aktuell muss mein Bauhof aufgrund eines Corona Falles den Betrieb weitestgehend einstellen.

Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Verwaltungen auch in zwei Monaten noch arbeitsfähig sind. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer hinter den „Münchnern“ den Dreck wegräumen soll… Die Bergretter sind Ehrenamtliche, die woanders gebraucht werden.

Daher bitten wir aus dem Tegernseer Tal Dich dringend darauf einzuwirken, dass die Allgemeinverfügung dahingehend erweitert wird, dass sich die Leute nur in Ihren Landkreisen aufhalten dürfen. Insbesondere was Spazierengehen und Sport betrifft. Das ermöglicht der Polizei einfachere Kontrollen.

Wir alle wären Dir sehr dankbar, wenn Du Dich dafür einsetzen würdest.

Für alle Talbürgermeister

Johannes Hagn“

Mehr Lärm und eine hohe Verkehrsbelastung: Aktuell fahren vermehrt schwere Laster auf der B307 im Tegernseer Tal. Das hängt mit der Corona-Pandemie zusammen.

Ausflug an den Tegernsee mit ernsten Folgen: Ein Autofahrer verletzte die Corona-Ausgangsbeschränkungen - und machte sich noch aus anderem Grund strafbar.

Von wegen nur Solidarität: Ein Ehepaar aus Bad Wiessee, das aufgrund einer Coronavirus-Infektion seit 14 Tagen in Quarantäne lebt, macht schlimme Erfahrungen.

Ein 44-jähriger Ausflügler aus München hat in Iffeldorf einen Grundstücksbesitzer und dessen Frau angegriffen*. Tatwerkzeug war ein schwarzer Toyota.

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Die Walchensee-Ranger treten am kommenden Montag ihren Dienst an. Davon verspricht sich der Kochler Bürgermeister Thomas Holz viel. Eine andere Geschichte macht ihn ratlos.

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