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Dank Unterstützung haben Brigitte S. und ihr pflegebedürftiger Mann alle Krisen überstanden

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Von: Alexandra Korimorth

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Viel Unterstützung: Brigitte S. hat für ihren Mann Bett, Duschhocker und Treppenlift angeschafft. Dank Hilfen wie diesen kann er zuhause leben und sie hat Freiheiten für Erholungsphasen. „Leser helfen Lesern“ sammelt für Pflegende, die sich diesen Hilfen nicht leisten können und die Erholung brauchen.
Viel Unterstützung: Brigitte S. hat für ihren Mann Bett, Duschhocker und Treppenlift angeschafft. Dank Hilfen wie diesen kann er zuhause leben und sie hat Freiheiten für Erholungsphasen. „Leser helfen Lesern“ sammelt für Pflegende, die sich diesen Hilfen nicht leisten können und die Erholung brauchen. © Thomas Plettenberg

Seit zwei Jahren pflegt Brigitte S. ihren Mann Werner (71). Ein Vollzeitjob, den die 67-Jährige leisten kann, weil sie die eigenen Grenzen achtet - und Hilfen annimmt.

Landkreis – Seit zwei Jahren pflegt Brigitte S. ihren Mann Werner (71). Ein Vollzeitjob, den die 67-Jährige leisten kann, weil sie die eigenen Grenzen achtet. Und weil sie sich und ihrem Mann rechtzeitig Hilfe gesucht hat. Heuer haben Brigitte und Werner sogar eine Krise in der Krise gemeistert: Werner war an Corona erkrankt und musste beatmet werden.

Die Krankheit annehmen

Früher war Werner fit und aktiv, war Fußballtrainer und im Vorstand des FC Miesbach. Doch dann begann er oft zu stürzen. Die Brüche mussten versorgt werden, einem Arzt kam ein Verdacht: Wenig später erhielt Werner – 1,80 Meter groß und mitten im Leben – die Diagnose PSP. PSP-Patienten verlieren langsam die Fähigkeit, ihre Muskeln zu steuern. Irgendwann können sie die Augen nicht mehr bewegen; irgendwann setzt die Atmung aus. Dann ersticken sie.

Diese Diagnose erhält Werner im Jahr 2017. Damals ist er 67 Jahre alt. Obwohl die Ärzte ihm und Brigitte erklären, die Krankheit weder heilen noch aufhalten zu können, vermeidet das Paar Panik, erinnert sich Brigitte: „Dadurch hatten wir noch zwei gute Jahre.“ Sie nutzen die Zeit auch, um die Krankheit anzunehmen, ihre Folgen zu verstehen und die eigenen Grenzen festzulegen: Was kann Brigitte leisten und was nicht? Was will Werner?

Gegen die Krankheit kämpfen

2019 hat PLP Werners Muskeln soweit gelähmt, dass Brigitte und er ihr Leben umorganisieren. „Wir haben uns gegen ein Pflegeheim entschieden und versucht, meinem Mann das Leben zu Hause zu ermöglichen“, sagt Brigitte. Sie beginnt, Hilfsmittel zu organisieren: Rollator, Duschhocker und Badewannenlift, Treppenlift, Rollstuhl und Fahrrad-Ergometer, Thera-Trainer und Pflegebett. Sie besorgt Rampen und lässt ein behindertengerechtes Bad einbauen. „Es ist wichtig, jeden Tag das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Brigitte. „Für mich ist ein schöner Tag, wenn mein Mann einmal lacht.“

Damit das klappt und der Pflegende nicht auf der Strecke bleibt, sei es wichtig um Unterstützung zu bitten und Hilfe anzunehmen, sagt Brigitte. Wenn Werner zuhause Physiotherapie, Ergotherapie und Osteopathie erhält, befreit das Brigitte von der Verantwortung. Dann geht sie einkaufen oder mit Hündin Maggy spazieren.

Hilfen akzeptieren

Hilfe bekommen Werner und Brigitte von vielen Seiten: Ihr Sohn, der in Berlin lebt, unterstützt sie moralisch am Telefon, Geschwister und Nachbarn helfen praktisch und unumwunden. Caritas-Mitarbeiter unterstützen bei der Pflege und beim Baden. Eine Freundin, die Brigitte bei der Caritas kennenlernte, als der alte Freundeskreis wegen Berührungsängsten einschlief, übernimmt, wenn Brigitte selbst Termine hat: Sie und Werner machen Kreuzworträtsel, singen und musizieren. „Es ist wichtig, dass auch der Pflegende Freiräume hat“, sagt Brigitte. „Es bringt nichts, wenn man sich ins eigene Grab arbeitet.“

Die größte Hilfe für Werner und Brigitte ist die Tagespflege – zweimal die Woche besucht Werner die Mobi Cura-Tagespflege in Hausham. „Dort gefällt es ihm, weil er etwas anderes sieht als die eigenen vier Wände“, sagt Brigitte. Gymnastik, Singen, gemeinsames Kochen – wenn der Fahrdienst Werner nachmittags zurückbringt, sei dieser erschöpft, aber er fühle sich lebendig. Die Tagespflege sei das Werkzeug, das die häusliche Pflege ermöglicht.

Die Corona-Erkrankung

Im November bricht dieses System dennoch beinahe zusammen: Werner und Brigitte erkranken trotz doppelter Impfung an Corona. Werner muss ins Krankenhaus, darf wegen seiner PSP-Erkrankung aber nicht intubiert werden. Verliert er einmal die Kontrolle über seine Atemmuskulatur, erlangt er sie nie wieder zurück. Also kämpft er zehn Tage lang nur mit Atemmaske gegen das Virus und eine Lungenentzündung. Psychisch und körperlich sei das ein Rückschlag für ihn gewesen, sagt Brigitte. Auch sie bringt Corona an die Grenze, an der die häusliche Pflege ihre Kraft beinahe übersteigt.

Trotzdem zieht Werner nach der Erkrankung zurück nach Hause. „Ich habe uns vorher all die verschiedenen Hilfen als Sicherheitsnetzwerk organisiert“, sagt Brigitte. „Man braucht für die häusliche Pflege keine 100 Leute, aber einen festen Stamm, auf den man sich felsenfest verlassen kann und zu dem auch Profis gehören sollten.“

Die eigenen Grenzen achten

Trotz aller Hilfe, sagt Brigitte, fehlt ihr ein normales Leben. Vor allem vermisst sie den Austausch mit ihrem Partner, der durch seine Erkrankung kein Partner mehr sein kann. Manchmal fühle sie sich eingesperrt, manchmal auch sehr einsam.

„Ja, es gibt diese Grenzen“, sagt Brigitte. „Man muss wissen, was noch geht und was man leisten kann.“ Und man solle sich trauen, auf Hilfen, Freude und Familie zu bauen. „Ich weiß, dass ich nicht mehr machen kann, als das, was ich jetzt tue.“

Vorsorglich lässt Brigitte Werner nach der Corona-Krise auf die Wartelisten eines ambulanten Pflegedienstes und des AWO Pflegeheims in Miesbach setzen. Noch ist das Paar nicht soweit, diese Angebote nutzen zu wollen. Aber der Schritt ist vorbereitet, wenn es zu Hause nicht länger geht. „Das ist so mit meinem Mann abgesprochen.“

Die Spendenaktion „Leser helfen Lesern“ im Überblick

Begünstigte

Begünstigte der Aktion „Leser helfen Lesern“ sind heuer pflegende Landkreisbürger und deren pflegebedürftige Angehörige. Sie sollen die Möglichkeit zu einer gemeinsamen Auszeit in einer geeigneten Unterkunft im Landkreis erhalten – bei Bedarf inklusive Betreuung. Die Auswahl der Begünstigten erfolgt nach strengen Kriterien unter Federführung des Fachbereichs Senioren am Landratsamt.

Spendenkonto 13 300

Spenden können auf das Konto 13 300 bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee (BLZ 711 525 70), IBAN DE04 7115 2570 0000 0133 00, eingezahlt werden – persönlich oder per Überweisung. Vorgedruckte Überweisungsträger liegen in den Sparkassen im Landkreis aus. Aus technischen Gründen können wir unseren Ausgaben heuer leider keine Überweisungsträger beilegen. Als Ersatz erleichtert der hier abgedruckte QR-Code die Überweisung per App auf dem Handy.

Spendenquittungen

Der Einzahlungsbeleg wird bei Spenden bis zu einem Betrag von 200 Euro vom Finanzamt als Zuwendungsbestätigung anerkannt. Für Spenden über 200 Euro stellt das Landratsamt die Spendenquittungen aus. Um Rückfragen zu vermeiden, werden die Spender gebeten, ihre vollständige Anschrift auf der Überweisung anzugeben.

Namensnennung

Wer „Leser helfen Lesern“ mit mindestens fünf Euro unterstützt, wird als Spender in der Zeitung genannt. Wer ungenannt bleiben möchte, möge dies auf der Überweisung vermerken.

Keine Aktionen

Weil coronabedingt alle Veranstaltungen ausfallen, bei denen traditionell für die Aktion gesammelt wird, kommt es auch in dieser Vorweihnachtszeit wieder auf jede einzelne Spende an. Wir danken allen Leserinnen und Lesern für ihre Unterstützung.

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