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Den Staffelstab hatte der frühere Tourismus-Chef (v.l.) Georg Overs zum Jahreswechsel an Stephan Köhl überreicht. Der hat nun schon wieder hingeworfen.

"Menschlich nicht gepasst"

Warum TTT-Chef Stephan Köhl gehen musste

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Tegernseer Tal - Nach nur drei Monaten ist Stephan Köhl (51) als neuer TTT-Chef gescheitert. Köhl selbst taucht ab, ist nicht zu sprechen. Aber langsam kristallisieren sich die Gründe heraus. 

Mancher glaubte gestern an einen Aprilscherz. Die knappe Nachricht: Nach drei Monaten verlässt Stephan Köhl, erst seit dem 1. Januar im Amt, die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) wieder. Damit ist er in der Reihe der TTT-Chefs, die schnell das Handtuch werfen mussten, trauriger Rekordhalter. Was nicht gepasst hat, war das Zwischenmenschliche im 48 Mitarbeiter starken TTT-Team, wie der Wiesseer Bürgermeister Peter Höß durchblicken ließ. 

Offensichtlich kam der forsche neue Chef beim Team im Haus des Gastes nicht an. „Und wenn das Menschliche nicht passt, kann man sich halt nicht so auf die Arbeit konzentrieren“, meinte Höß. Letzlich habe man mit Köhl vereinbart, sich im gegenseitigen Einvernehmen zu trennen. In der Pressemitteilung liest sich die Begründung so: „Es gab unterschiedliche Ansichten über die strategische Ausrichtung.“

Hinter den Kulissen hat es wohl schon seit dem Amtsantritt Köhls gekracht. „Wir beschäftigen uns nicht erst seit gestern mit dem Thema“, räumt Höß ein. Offensichtlich passten die Arbeitsweise von Köhl, der seit 2009 Geschäftsführer der Berchtesgadener Tourismus GmbH gewesen war, und die seiner neuen Mitarbeiter nicht zusammen. Die Probleme bekamen Höß und auch seine Bürgermeisterkollegen immer wieder zu hören. 

Tourismus-Beirat wusste von nichts

Schließlich entschieden die Rathaus-Chefs, dass an einer Trennung kein Weg vorbeiführt. Es war ein Entschluss, der ohne das Wissen des Beirats fiel. Also ohne die Vertreter von Gastgeberverbänden und Leistungsträgern, die nach der früheren Satzung als private Gesellschafter auch Stimmrecht hatten. Eigentlich war zugesichert, dass die Beiräte auch künftig mitreden dürfen. 

„Aber in diesem Fall ging es ja um eine Personalie“, meint Höß. Da müssten die Gesellschafter den Beirat nicht hinzuziehen. „Das haben wir prüfen lassen.“ Bernhard Kaiser, Hotelier in Bad Wiessee und Vorsitzender des Beirats, wurde also erst gestern mit der Nachricht überrascht. Da hatte Stephan Köhl seinen Chefsessel geräumt. „Das war doch ein fähiger Mann“, wundert sich Kaiser. Er bedaure seinen Weggang sehr. „Jetzt fängt ja alles wieder von vorne an“, schüttelt er den Kopf. 

Auch Höß ist nicht glücklich. Er hätte schon gerne gesehen, wenn es einen nahtlosen Übergang zwischen Overs und Köhl gegeben hätte, macht er deutlich. Jetzt steht tatsächlich wieder alles auf Anfang. Prokurist Christian Kausch, der seit dem Weggang von Overs im Herbst 2016 bis zum Beginn dieses Jahres übergangsweise die Führung übernommen hatte, wird wieder Interims-Chef. 

Der Nachfolger? Bürgermeister haben keine Eile

Mit der Suche nach einem neuen ersten Mann wollen sich die Bürgermeister offensichtlich Zeit lassen. Die Stelle wird vorerst noch nicht neu ausgeschrieben. Klar ist: Die Suche wird nicht leicht. „Jemand, der unseren Ansprüchen genügt, ist auf dem Markt kaum zu finden“, hat Höß erkannt. Am TTT-Team zweifelt er nicht. „Wir haben eine von Georg Overs geformte Mannschaft, die gut funktioniert.“ 

Tatsächlich sei die Situation in Tegernsee ganz außergewöhnlich. Nämlich die, dass die Tourist-Infos in den Gemeinden und die Zentrale im Haus des Gastes organisatorisch unter einem Dach zusammengefasst seien. „Das haben wir erfolgreich umgesetzt, und das soll auch so bleiben.“ Das gute Team solle sich jetzt wieder nachhaltig auf die eigentliche Arbeit am Gast und im Marketing konzentrieren. 

Was Stephan Köhl dazu sagt, war gestern nicht herauszufinden. Köhl gehe heute nicht ans Telefon, ließ TTT-Pressesprecherin Claudia Mach wissen. Bekannt ist, dass Köhl erst im Dezember eine Wohnung in Finsterwald bezogen hat, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, die nach München pendelt. Der begeisterte Wassersportler hatte sich auf seine neue Aufgabe gefreut und von der Landschaft geschwärmt: „Der Tegernsee, das ist der Sonnensee in den Bergen.“

Zezulle, Schwendinger, Overs und jetzt Köhl – viele Abschiede seit 2001

Nach der Gründung der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) am 16. November 2001 war der aus Niedersachsen stammende Michael Zezulle der erste Geschäftsführer. Er trat sein Amt im Mai 2002 an. Er konnte sich nicht lange auf dem Posten halten: Schon im Dezember 2003 verließ er das Tegernseer Tal wieder. Übergangsweise übernahm der frühere Tegernseer Bürgermeister Gotthard Luschner die Geschäfte. Luschner vertrat zu diesem Zeitpunkt die Gewerbeverbände des Tals in der Gesellschafterversammlung der TTT. Der nächste offizielle TTT-Chef war der Österreicher Heinz Peter Schwendinger. Er wechselte von der Tourismus-Region Obertauern an den Tegernsee, blieb dort aber auch nur zwei Jahre. Mitte 2006 nahm er seinen Hut, und wieder rückte Luschner übergangsweise an seine Stelle. 

Im November 2006 schließlich konnten die Verantwortlichen im Tal Georg Overs, der bis dahin in Bad Tölz tätig war, als TTT-Geschäftsführer gewinnen. Unter der Regie von Overs gelang die bis dahin immer gescheiterte Fusion der Tourist-Infos. Damit ist der gesamte Bereich Tourismus im Tal unter einem Dach. Nach neun Jahren verabschiedete sich Overs vergangenen Herbst in Richtung Kärnten. Zuvor hatte er sich vor allem wegen der neuen TTT-Satzung viel Kritik anhören müssen. Und jetzt Stefan Köhl, der nur drei Monate blieb.

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