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„Im Glanz edler Steine“ hat Autor und Filmemacher Bernhard Graf recherchiert. 

Doku und Buch „Im Glanz edler Steine“

Was die Juwelen der Wittelsbacher erzählen

Sie sind mehr als nur teure Schmuckstücke: Was die Juwelen der Wittelsbacher zu erzählen haben und wie weit sie auf der Welt herumkamen, dem hat Autor Bernhard Graf nachgespürt und die Erkenntnisse im Buch „Im Glanz edler Steine“ zusammengefasst. Nun kommt eine Doku darüber ins Fernsehen.

Tegernsee– Zum dritten Mal in Folge hat der Münchner Autor und Filmemacher bei den Wittelsbachern im Hausarchiv recherchieren können, haben Franz von Bayern und Max in Bayern ihm Einblick in sonst nicht zugängliche Schatzkammern gewährt. Diesmal präsentiert Graf die Juwelen der Wittelsbacher. „Im Glanz edler Steine“ lautet der Titel des Bildbandes, der vorab im Stielerhaus am Tegernsee präsentiert wurde. Hofmaler Joseph Stieler hat wohl gesehen, was später niemand mehr zu sehen bekam: den blauen Diamanten der Wittelsbacher in der Königskrone.

Graf beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Mineralien aus geisteswissenschaftlicher Sicht, ist Kurator der „Munich Show – Mineralientage München“. Aus Buch und Ausstellungheraus entstand auch der Film. Die Dokumentation strahlt das Bayerische Fernsehen am Sonntag, 6. Januar 2019, um 15.15 Uhr aus.

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Die Geschichte der früheren bayerischen Herrscherfamilie anhand ihrer Kleinodien und Juwelen zu erzählen, ist ungewöhnlich. Berühmt sind die „Sisi-Sterne“ im Haar der österreichischen Kaiserin. Oder ihre Perlenkette. Dafür haben Verfilmungen wie „Sissi“ von Ernst Marischka mit Romy Schneider oder „Ludwig II.“ von Luchino Visconti gesorgt. Aber es gibt nicht nur diese „Superstars“ der Familie, und die Wittelsbacher sind auch nicht nur alter Adel, der im Tegernseer Tal noch daheim ist. Sie haben Europa mitgeprägt. Die Wenzels-Krone Böhmens oder die Stephans-Krone Ungarns trug schon einmal ein Wittelsbacher. Herzog Otto III. von Bayern wurde als erster Wittelsbacher unter dem Namen Béla V. zum König von Ungarn gekrönt – mit jener berühmten Stephans-Krone. Die soll er auf dem Weg von Bayern nach Ungarn kurzzeitig im Sumpf an der Donau nach einem frohen Gelage verloren haben, fand sie aber rechtzeitig wieder.

Die Frauenkrone: 1402 brachte Blanche of Lancaster sie als Morgengabe vom Hof des englischen Königs Heinrich IV. mit. 

Die Frauenkrone, die 1402 Blanche of Lancaster in ihrer Mitgift vom Hof Heinrichs IV. in England ins Haus Wittelbacher mitbrachte, erzählt Wirtschaftsgeschichte. Graf und sein Ausstellungsteam konnten durch mineralogische Analysen neue Erkenntnisse erarbeiten. Da gab es manche Überraschung. Die Edelsteine der Frauenkrone, Saphire, Ballas-Rubine, Smaragde, Diamanten und Perlen, stammen aus Indien, dem heutigen Tadschikistan und Myanmar. Entgegen der bisherigen Annahme, es sei im Mittelalter erst losgegangen mit der Entdeckung der Fernhandelsrouten, gab es zu jener Zeit also bereits Handel zwischen Europa und Fernost. Auf ausgeklügelten Transportwegen, inklusive Gefahren wie Piraterie, Wirtschaftsspionage oder Schnellreitern, die wichtige Importe vorab verrieten. Man kann auch eingrenzen, wo die Steine bearbeitet wurden. Den Cabochon-Schliff in Kastenfassung aus der Frauenkrone beherrschten in Europa nur die Edelsteinschleifer und Goldschmiede am Pariser Königshof.

Graf zeichnet nicht nur die Wege der Kronen und Reichsjuwelen nach, er zeigt auch die Einzelschicksale einiger Preziosen. So wurden Kleinodien einfach verschickt. Auch der „Blaue Wittelsbacher“, ein Diamant von 35,32 Karat, der im Toison des „Ordens vom Goldenen Vlies“ eingearbeitet war, wurde 1931 mit der Reichspost als Einschreibpaket zur Versteigerung nach London versandt.

Der „Blaue Wittelsbacher“ hat ein eigenes aufregendes Schicksal. Er schmückte einst die bayerische Königskrone. Als Stieler das Bildnis im Krönungsornat von König Max I. Joseph malte, war der Stein noch in der Krone. Stieler ist wohl der einzige Bürger, der ihn je zu Gesicht bekam. Später wurde der Krondiamant, vermutlich aus praktischen Gründen, gegen einen Saphir ausgetauscht. Der König trug ja nie die Krone, er trug aber den Orden.

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Der Weg des „Blauen Wittelsbacher“ nimmt im Zweiten Weltkrieg viele Irrungen und Wirrungen. Er wurde herausgebrochen und umgeschliffen. Heute soll er sich im Besitz der Musa von Katar befinden. Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani hat ihn wohl für mindestens 80 Millionen US-Dollar nach 2011 für seine Frau gekauft.

Das Buch „Im Glanz edler Steine. Die Wittelsbacher und ihre Juwelen“ ist im Allitera-Verlag erschienen und kostet 29,90 Euro. ISBN: 978-3-96233-049-1.

Sonja Still

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