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Handschlag zum Ringschluss: Die Bürgermeister Georg von Preysing (l.) und Johannes Hagn (r.) freuen sich mit E-Werk-Direktor Norbert Kruschwitz über die erfolgreichen Verhandlungen zum Kauf des Gmunder Stromnetzes. Das Foto ist im Wiesseer Söllbachwerk entstanden.

Ringschluss geglückt: Kaufvertrag am Freitag unterschrieben

E-Werk kauft das Gmunder Stromnetz

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Tegernseer Tal - Ringschluss geglückt: Das E-Werk Tegernsee kauft der E.ON-Tochter Bayernwerk das Gmunder Stromnetz ab. Der Kaufvertrag wurde am Freitag unterschrieben.

Endlich ist der Ringschluss geglückt: Das E-Werk Tegernsee kauft der E.ON-Tochter Bayernwerk das Gmunder Stromnetz ab und hat damit rund um den See das gesamte Leitungsnetz in der Hand. Der Kaufvertrag wurde  am Freitag  unterschrieben. Für die Übernahme muss das E-Werk einige Millionen Euro berappen.

Ein gutes Jahrzehnt lang hat E-Werk-Direktor Norbert Kruschwitz für den Ringschluss gekämpft. „Ohne Gmund ist unser Netz doch amputiert“, sagt er. Gestern endlich konnte er gemeinsam mit dem Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn den Kaufvertrag für das Gmunder Netz unterzeichnen. Damit gehört das gesamte Stromnetz im Tegernseer Tal dem E-Werk. Wie hoch die Summe ist, die das E-Werk fürs Gmunder Netz an Bayernwerk zahlen muss, verrät Kruschwitz nicht. „Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart.“ Es handle sich aber um einige Millionen Euro. 

Die Übernahme des Netzes erfolgt ab 1. Januar 2017. Rund 4000 Anschlüsse aus dem Gemeindebereich Gmund gehen ans E-Werk Tegernsee. Für die Stromkunden ändert sich erst mal nichts. Schließlich kann jeder seinen Energieversorger frei wählen. Aber das Leitungsnetz, durch das der Strom für die Gmunder fließt, gehört jenicht mehr der Bayernwerk AG, sondern dem Tegernseer E-Werk. Die Versorgungssicherheit für die Talbewohner erhöhe sich durch den Ringschluss, versichert Kruschwitz. „Wir können künftig etwa bei Störungen von zwei Seiten rund um den See umleiten. Das kann Zeiten des Stromausfalls drastisch verkürzen.“ Und wenn Servicekräfte gebraucht werden, haben sie nach Gmund keine lange Anfahrtszeit: Sie sind in Weißach stationiert. 

Eben weil sich Gmund eine Verbesserung der Versorgungssicherheit verspricht, schloss die Gemeinde schon im Oktober 2009 einen Konzessionsvertrag mit dem E-Werk. Der gewährt das Recht, auf dem Gemeindegebiet Leitungen zum Zwecke der Stromversorgung zu betreiben. Dafür bekommt die Gemeinde Geld. E.ON hatte also den Konzessionsvertrag für Gmund verloren, besaß aber immer noch das Leitungsnetz. Über den Verkauf konnten sich E-Werk und E.ON damals nicht einigen. Das E-Werk klagte vor Gericht auf Herausgabe des Leitungsnetzes. Ohne Erfolg: Das Münchner Landgericht erklärte den neuen Konzessionsvertrag für nichtig. 

Daraufhin startete Gmund das Verfahren von vorn. Im Juni 2015 schloss die Gemeinde einen überarbeiteten Konzessionsvertrag mit dem E-Werk. Und diesmal einigten sich das E-Werk und die E.ON-Tochter ohne weiteren Rechtsstreit auf einen Preis, der aber geheim gehalten wird. In Nöte bringt er das Unternehmen offenbar nicht. Man sei auf die Zahlung vorbereitet, meint Kruschwitz, der die Verhandlungen mit Bayernwerk als „ausgesprochen partnerschaftlich und fair“ würdigt. Der Erwerb des Netzes sei für die Zukunft des E-Werks wichtig. Das Unternehmen erreiche damit eine „vernünftige Betriebsgröße“. 

Somit ist der Kauf ein Meilenstein, der für Kruschwitz auch persönlich gut gesetzt ist: Im Herbst geht er in den Ruhestand. Und: Demnächst feiert das E-Werk sein 120-jähriges Bestehen. Technisch erfordert die Übernahme der Gmunder Leitungen allerdings einigen Aufwand. So müssen die Netze von Bayernwerk und E-Werk entflochten werden. Vier Übergabe-Punkte sind umzurüsten. „Das sind die Schlagbäume zum Netz des Bayernwerks“, sagt Kruschwitz. Die Netz-Entflechtung ist nicht ganz billig: Eine runde Million Euro muss das E-Werk dafür aufwenden. 

Nach und nach sollen übrigens auch die Gmunder Freileitungen in die Erde gelegt werden, wie Frank Thinnes als Technischer Leiter des E-Werks erklärt. „Im Mittelspannungsnetz der übrigen Talgemeinden verlaufen bereits alle Leitungen unterirdisch.“ Dadurch seien sie weit weniger störanfällig. Der Netzkauf sei ein wichtiger Schritt für Gmund und das gesamte Tegernseer Tal, bilanzierte Bürgermeister Hagn. Lange habe man darauf hingearbeitet. Er sei dankbar, dass dieser Schritt nun vollzogen werde, und er danke der Gemeinde Gmund – für „die Geduld, die sie mit uns bewiesen hat“.

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