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Ludwig Thomas Arbeitszimmer ist original erhalten. 

Zum Jahresende schließt sich die Tür

Ein Jahr Pause im Ludwig-Thoma-Haus: Stadt München plant aufwendige Renovierung 

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Fast 30 Jahre lang war Irene Hausperger (61) der gute Geist des Ludwig-Thoma-Hauses. Demnächst verabschiedet sie sich. Die Stadt München als Eigentümerin nimmt das zum Anlass, das Haus zu sanieren. 

TegernseeDer Abschied fällt Irene Hausperger nicht leicht. Das Ludwig-ThomaHaus ist nicht nur ihr Arbeitsplatz, sondern auch ihr Zuhause. 28 Jahre lang hat sie das Haus auf der Tuften, in dem der bayerische Dichter von Frühjahr 1908 bis zu seinem Tod am 26. August 1921 lebte, gepflegt. Das Arbeitszimmer mit Bibliothek, die „Kuchl“ und die gute Stube sind noch originalgetreu erhalten. 

Unzählige Male hat die Hausperger die Türen für Führungen geöffnet, die Räume für Veranstaltungen bereit gemacht. Zum Jahresende ist damit Schluss. Die Hausverwalterin verabschiedet sich in den Ruhestand.

„Es war eine schöne Zeit“, meint Hausperger. Seit fast 30 Jahren lebt sie mit ihrem Mann in einer Dienstwohnung, die zum Thoma-Haus gehört. Ihr Vertrag mit der Stadt München endet am 31. Mai. Bis dahin wird die Wohnung leer sein. Die Hauspergers ziehen nach Bad Wiessee.

Ludwig-Thoma-Haus in Tegernsee: Im Jahr 2020 finden keine Veranstaltungen statt

Im Thoma-Haus wird es danach lange Zeit sehr still sein. Die Stadt München nutzt den Abschied der langjährigen Hausbetreuerin, um das ganze Haus einer umfangreichen Renovierung zu unterziehen. Im gesamten Jahr 2020 bleiben die Türen des Hauses für die Öffentlichkeit geschlossen. Wieder eröffnet wird es voraussichtlich Anfang 2021. „Dann geht es dort wieder genauso weiter wie bisher“, erklärt eine Sprecherin des Direktoriums der Stadt München. Am Konzept werde die Stadt nichts ändern. Es biete sich an, den Wechsel der Hausverwalterin für anstehende Renovierungsmaßnahmen zu nutzen.

1908 hatte Ludwig Thoma das Haus auf der Tuften-Höhe nach seinen Vorstellungen und den Plänen seines Freundes, des berühmten Dachauer Bildhauers Ignaz Taschner, errichten lassen. Es sollte das Nest für seine künftige Familie werden. Doch die Ehe mit seiner Frau Marion blieb kinderlos und scheiterte. Das Haus auf der Tuften wurde Thomas Schreibstätte. Dort entstanden viele literarische Werke. Bekannt sind unter anderem das Lustspiel „Moral“, die Dorfgeschichte „Der Wittiber“, das Volksstück „Magdalena“, der Roman „Der Ruepp“, die Erzählung „Die heilige Nacht“ und seine Erinnerungen. Thoma war einer der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit, zudem leitender Redakteur der Satire-Zeitschrift „Simplicissimus“, aber zuletzt ein verbitterter Nationalist. Am Ende seines Lebens trat er als übler Hetzer auf.

Ludwig Thoma Haus am Tegernsee wird als teilmuseale Stiftung durch die Landeshauptstadt München verwaltet

Sein Haus auf der Tuften und die Rechte an seinem Werk erbte Maidi von Liebermann. In den 1960er-Jahren vereinbarte sie mit Hans-Jochen Vogel, damals Oberbürgermeister von München, die Errichtung einer Stiftung. 1971 übernahm die Stadt nach Liebermanns Tod das Thoma-Haus und den schriftlichen Nachlass seines Erbauers. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des literarischen Ortes in Tegernsee in allen Facetten, auch den dunklen, zu erforschen. „So bleibt das Kulturerbe des Dichterhauses, in dem der widersprüchliche Oberbayer Kreativität und Kraft schöpfte, ein dauerhafter Gewinn für die Stadt München“, schreibt Oberbürgermeister Dieter Reiter in seinem Vorwort zur Biographie des Dichterhauses.

Bis zum Jahresende 2019 ist Ludwig Thoma Haus in Tegernsee noch zugänglich

Dem letzten Hoagascht vor der Sanierung gestalten am Samstag, 23. November, ab 15 Uhr die Röpfl Geigenmusi, der Röpfl Familiengsang und Lisi Röpfl an der Solo-Harfe. Am 30. November findet ein Volksmusiknachmittag mit Sepp Eibl statt, am 6. Dezember liest Klaus Wittmann Thomas Kurzgeschichte „Der heilige Hies“. Danach schließen sich die Türen ein Jahr lang – damit das Haus auf Dauer erhalten werden kann, wie das Münchner Direktorium klar macht: „Es soll der Öffentlichkeit unbedingt weiter zugänglich bleiben.“

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Zum 150. Geburtstag: Ludwig Thoma und die Frauen

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