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Markantes aus zehn Jahren: (von oben links im Uhrzeigersinn): das Bayern 3-Dorffest, die neue Realschule in Finsterwald, die Naturkäserei Kreuth, das Bergsteigerdorf Kreuth, Herzogin Anna eröffnet den Gasthof Maximilian in Gmund sowie Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Horst Seehofer bei der letzten Klausur in Wildbad Kreuth.

Zum Beginn der 2020er-Jahre

Ein Jahrzehnt im Zeitraffer: Unser großer Rückblick für das Tegernseer Tal

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  • Gabi Werner
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Mit der Silvesternacht beginnt auch ein neues Jahrzehnt. Wir nutzen das Ende der 2010er-Jahre für einen großen Rückblick. Wie hat sich das Tegernseer Tal verändert?

Tegernsee & Umgebung – Ehrgeizige Bauprojekte, aber auch Schicksalsschläge, die ihresgleichen suchen, erlebte das Tegernseer Tal in den 2010er-Jahren. Man denke nur an die Brandkatastrophe beim Rettungszentrum in Bad Wiessee. Zweifellos: Es war ein bewegtes Jahrzehnt.

Maximilian Gmund

Es gibt wohl kaum eine Bauruine im Tegernseer Tal, die die Redakteure der Tegernseer Zeitung so lange begleitet hat wie der Maximilian in Gmund. Über Jahrzehnte hinweg als „Schandfleck“ geschmäht, erlebt das Gasthaus seit März 2018 eine Renaissance. Nach aufwendiger Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes durch die neue Eigentümerin, die Herzogliche Brauerei Tegernsee, wird das alte, neue Schmuckstück endlich wieder eröffnet. Viele im Tal hatten schon nicht mehr daran geglaubt: Doch nun ist der Gasthof, in dem schon Kaiser und Könige speisten, endlich zurück.

Neue Zukunft für Kaltenbrunn

Für Gastronom Michael Käfer ist es ein „magischer Ort“. Einer, der eine höchst wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Im Juni 2015 wird Gut Kaltenbrunn unter der Regie des Münchner Feinkostkönigs nach Umbau und Neukonzeption neu eröffnet. Zuvor waren die früheren Pläne der Eigentümer-Familie Schörghuber gescheitert, hier – am Nordufer des Tegernsees – ein großes Fünf-Sterne-Hotel zu platzieren. Eine Popularklage von Talbürgern hatte die Pläne 2008 zu Fall gebracht.

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Bad Wiessee und das neue Badehaus

Den Jodschwefelquellen verdankt das Dorf Wiessee den begehrten Zusatz Bad. Ende 2011 gelang es den Wiesseern, den Erben des holländischen Quellen-Entdeckers Adrian Stoop das gesamte Areal mitsamt der Quellen abzukaufen. Das historische Bad wurde im Januar 2018 platt gemacht, damit das Schweizer Unternehmen Sports Medicine Excellence Group (SME) dort ein Luxus-Hotel mit Medizintempel hochziehen kann. SME kommt leider nicht in Schwung und beschert dem Ort seit diesem Sommer das größte denkbare Baustellen-Desaster. Unterdessen baut die Gemeinde für viel Geld ihr Badehaus, das kurz vor der Fertigstellung steht.

des Rettungszentrums

Am 13. Februar 2017 erlebt Bad Wiessee eine seiner schlimmsten Katastrophen: Das neue und mit so viel Stolz und Eigenleistung errichtete Rettungszentrum am Hüglweg geht in Flammen auf. Schweißarbeiten an einem Wasserwachtsboot hatten das Unglück ausgelöst, die Garage der BRK-Bereitschaft wird vollständig zerstört. Tragisch: Die beiden Männer, die an dem Boot gearbeitet hatten, erleiden schwere Brandverletzungen. Mittlerweile – und das erfüllt die Retter erneut mit Stolz – ist das Gebäude wieder komplett aufgebaut.

Bergsteigerdorf Kreuth

Kreuth ist nicht mehr nur Kreuth. Die südlichste Gemeinde am Tegernsee darf sich seit Juli 2018 auch Bergsteigerdorf nennen. Der Alpenverein hat dem Ort das Siegel verliehen und ihm damit auch ein Versprechen abgenommen: Kreuth setzt künftig auf nachhaltigen, sanften Tourismus. Damit einher geht auch ein Appell zum Jahreswechsel: Die Kreuther sollen – so wie alle anderen Talbürger und -gäste auch – künftig auf Silvester-Feuerwerke verzichten.

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Wildbad Kreuth

Wildbad Kreuth und die CSU – das gehört zusammen wie Max und Moritz, wie Ägypten und seine Sphinx. So dachte man. Doch seit 2016 ist es mit dieser Symbiose vorbei. Damals im Januar tagte die CSU letztmals in dem historischen Gemäuer, nachdem die Hanns-Seidel-Stiftung den Pachtvertrag mit den Wittelsbachern gekündigt hatte. Seither wartet Wildbad Kreuth unter der Regie von Herzogin Helene in Bayern auf seine neue Bestimmung. Im Oktober 2019 hat die Gemeinde Pläne für ein Resort-hotel genehmigt.

Lanserhof Waakirchen

Der umtriebige Tiroler Christian Harisch musste kämpfen, um den Waakirchnern seinen Plan schmackhaft zu machen, auf den Steinberg einen Lanserhof zu setzen. Dass eine Kur bei trockenen Semmeln und Tee die Superreichen entzückt, konnten sich viele absolut nicht vorstellen. Sie irrten sich. Seit der Eröffnung 2014 heimst der Lanserhof als luxuriöser Gesundheitstempel einen Award nach dem andern ein. Und Harisch kämpft weiter – auf Sylt, wo der nächste Lanserhof entsteht.

Bayern 3-Dorffest

Im September 2012 verwandelt sich das sonst so beschauliche Westufer am Tegernsee in eine gewaltige Partymeile: Mit dem Bayern 3-Dorffest steigt in Bad Wiessee die Sause des Jahrzehnts mit rund 45 000 Besuchern. Am Ende sagt der damalige Rathaus-Geschäftsleiter Michael Herrmann: „Das war eine Ausnahmesituation für uns alle.“

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Kampf gegen die Zweitwohnsitze

Als Einheimischer eine bezahlbare Wohnung am Tegernsee finden? Fast unmöglich! Die Kommunen rund um den Luxus-See – und auch andere Gemeinden im Landkreis – werden daher immer erfinderischer, wenn es darum geht, Wohnraum zu sichern. Mittels erhöhter Zweitwohnungssteuer und einer neuartigen Anti-Zweitwohnungs-Satzung versucht man, die vielen Zweitwohnsitzler zurückzudrängen. Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn macht in diesem Zusammenhang eine viel zitierte Aussage: „Wir wollen keine Syltisierung.“

Naturkäserei Kreuth

Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie aus der Idee einiger weniger Visionäre ein Erfolgsmodell werden kann: Im September 2010 eröffnet in Kreuth die Naturkäserei Tegernseer Land. Der Heumilch-Käse der Genossenschaft ist bei den Kunden beliebt und mittlerweile preisgekrönt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten schreibt die Käserei inzwischen auch schwarze Zahlen.

Realschule Tegernseer Tal

Die Zeiten im Übergangsquartier in Bad Wiessee sind endgültig vorbei: In Gmund-Finsterwald wird im März 2014 nach nur 19-monatiger Bauzeit der Schulbetrieb in der neuen Realschule Tegernseer Tal aufgenommen. Damals ahnte sicher noch niemand, dass die nagelneue Schule bald schon wieder zu klein werden würde. Der Zulauf der Schüler ist riesig, derzeit plant der Landkreis schon eine Erweiterung.

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Urteil im Badewannen-Mord

Vor ziemlich genau zehn Jahren, im Mai 2010, wird der Rottacher Manfred Genditzki in einem spektakulären Indizienprozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Er soll aus Habgier eine alte Dame in ihrer Badewanne ertränkt haben. Er selbst bestreitet die Tat. Die Verurteilung lässt das Tegernseer Tal bis heute nicht ruhen: Mittlerweile wurde auf Initiative von Tegernsees Altbürgermeister Peter Janssen sogar eine Petition gestartet. Ihr Ziel: Das Verfahren soll neu aufgerollt werden.

Tödliches Unglück

Der Tod einer 17-jährigen Kreutherin löst im August 2019 tiefe Bestürzung am Tegernsee und weit darüber hinaus aus. Das Mädchen hatte ein Waldfest in Rottach-Egern besucht, war ins Taxi gestiegen und nie zuhause angekommen. Mit voller Wucht erlebten hier Internet-Nutzer und auch die Redakteure unserer Zeitung, in welch rasender Geschwindigkeit und mit welcher Rücksichtslosigkeit gegenüber den Angehörigen Nachrichten über soziale Netzwerke hinaus posaunt werden: Noch bevor der Tod des jungen Mädchens offiziell bestätigt war, wurde das tragische Ende der Vermisstensuche via Internet verbreitet.

Gute Nachrichten für Neureuth-Wirt Thomas Gigl und alle Wanderer: Nachdem der Gasthof zunächst wegen eines drohenden Erdrutsches geschlossen wurde, gibt es nun Neuigkeiten.

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