Einen Ehren-Buzi bekam Maria Heiß 2014.
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Einen Ehren-Buzi bekam Maria Heiß 2014.

Ehemalige Zweite Bürgermeisterin von Tegernsee mit 97 Jahren verstorben

Maria Heiß verstorben: Sie hat ein Leben lang aufrecht gekämpft

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Sie hat fast ein ganzes Jahrhundert lang am Tegernsee gelebt, den Krieg überlebt und stets aufrecht für ihre Ziele gekämpft. Jetzt ist Maria Heiß im stolzen Alter von 97 Jahren verstorben.

Tegernsee – Es gab kaum einen Tag, an dem sie nicht in der Stadt unterwegs war, zu Fuß oder in ihrem Mercedes. Stets fesch in Trachtenjacke gekleidet und akkurat frisiert, saß sie in nahezu jeder öffentlichen Sitzung des Bauausschusses und des Stadtrats. Maria Heiß wusste über alles und jeden Bescheid – was kein Wunder war, denn sie lebte nahezu ein ganzes Jahrhundert am Tegernsee.

Für ihre fünf Enkel schrieb sie 2006 ihre Lebens-Geschichte nieder. Die begann mit der Geburt an Heiligabend 1923 in Altenmarkt an der Alz und führte sie schon zwei Jahre später nach Tegernsee, wo die Eltern eine Metzgerei eröffneten. Vor allem der Zweite Weltkrieg prägte Maria, die hier ihren Mann Franz kennen lernte. Ihm und Dr. Friedrich Scheid sowie Dr. Paul Winter wird die kampflose Übergabe des Tals im Mai 1945 zugeschrieben, Gedenktafeln erinnert daran.

Großer Kampfgeist und eine stets aufrechte Haltung zogen sich durch ihr ganzes Leben. Nicht nur im Privaten, wo es Maria und ihrem Mann gelang, einen Gemüseladen in Tegernsee und später in Rottach-Egern aufzubauen, ein Gästehaus zu kaufen und ein Haus in der Rosenstraße zu bauen. Vor allem die politische Maria Heiß machte von sich reden. Dass ihr Vater Max Hagg senior in der NSDAP war, ist ein unrühmliches Kapitel Familiengeschichte. Von 1933 bis 1944 war er Bürgermeister in Tegernsee, doch auf seine „Verdienste,“ zu denen auch der Erwerb des E-Werks zählte, wies Tochter Maria immer wieder hin. 1972, zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, wurde sie für den „Bürgerverein Tegernsee“ in den Stadtrat gewählt, als damals einzige Frau in der Kommunalpolitik weit und breit. „Eine Handtasche ist in das Rathaus eingezogen“, titelte damals unsere Zeitung. Was tatsächlich darin steckte, bewies Maria Heiß 30 Jahre lang.

Nachruf auf Maria Heiß: Sie war 1972 die einzige Frau in der Kommunalpolitik am Tegernsee

Auf Anhieb wurde sie Zweite Bürgermeisterin, blieb es bis 1978 und wurde erneut von 1990 bis 2002 Stellvertreterin. „Es wäre schön, wenn sich mehr Menschen so für die Stadtpolitik interessieren würden“, würdigt Rathauschef Johannes Hagn (CSU) ihr Engagement und die Tatsache, dass Maria Heiß bis zu zuletzt eng mit der Stadtverwaltung verbunden war. Leidenschaftlich setzte sie sich für die Geschäftsleute ein, kommentierte, wenn es sein musste in bezahlten Anzeigen, als kommissarische Leiterin des Gewerbeverbands die Entscheidungen der Mandatsträger. Dass sie nicht immer richtig lag, etwa 2006 mit der Kritik am Seesauna-Bau („unverantwortlich, derartige Summen für Luxus zu investieren“), ließ sie nicht vom Weg abbringen. Sie kämpfte, wenn auch erfolglos, gegen Lidl, gegen den Steg-Bau und für mehr Betten, auch wenn sie nicht mehr am Ratstisch saß.

Tegernseer Urgestein Maria Heiß verstorben: Sie bekam im Bräustüberl einen Ehren-Buzi

Sogar mit Derblecken kam sie zurecht: Als das „bürgerlich-wandelnde Trachtenkostüm mit eingebautem Polit-Gewissen und angeborener Einzelhandelsschutzfunktion“ bekam sie 2014 beim Starkbierfest im Bräustüberl den „Ehren-Buzi“ überreicht.

Lag es an ihrer Vorsicht wegen Corona oder daran, dass sie seit Anfang des Jahres gesundheitliche Probleme hatte und deshalb nicht mehr zu den Sitzungen kam? Sie würde sich sehr freuen, wieder daran teilzunehmen, vertraute sie noch kürzlich einem Freund am Telefon vom Krankenbett in der Klinik Agatharied aus an. Ein Verlust, dass es dazu nicht mehr kommt.

Lesen Sie hier: Schulleiter lässt eigene Kinder befreien.

gr

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