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„Talbewohner ist bedrohte Art“: Nico Schifferer als Bruder Barnabas.

Kritik und die besten Zitate

Ein nachdenklicher Bruder Barnabas: Das war die Fastenpredigt im Bräustüberl

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„Quo vadis Tegernseer Tal?“ Beim zehnten Starkbierfest im Tegernseer Bräustüberl las ein extrem nachdenklicher und besorgter Nico Schifferer in seiner Rolle als Bruder Barnabas die Leviten.

Tegernsee – Seit einem Jahrzehnt lädt Wirt Peter Hubert eine illustre Gästeschar ins Bräustüberl, allen voran die „Hausherrin“, Herzogin Anna in Bayern und ihre Schwester Helene. Immer teilt Fastenprediger Nico Schifferer dabei kräftig aus, watscht jeden schonungslos ab, der es verdient hat und würzt seine Predigt mit frotzelnden und lustigen Anekdoten. Zur Jubiläums-Predigt erlebten die Gäste aber einen extrem besorgten und weniger nach Lachern heischenden, sondern fingerzeigenden Fastenprediger, zu dessen Besänftigung allenfalls seine beiden Lieblingsbedienungen Schanni und Erika mit etlichen Halben Starkbier beitragen können.

Ein paar feierliche Einlagen kamen dazu: Peter Hubert wurde für seinen bevorstehenden 50. Geburtstag und seinen Erfolg hochgelobt, und der scheidende Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing („Der Lotse geht von Bord“) bekam einen kommunalpolitischen Oscar, den Ehrenbuzi, der ihn auch über den Verlust seines Lieblingsfeindes Peter Höß hinwegtrösten soll. Amts-Nachfolger Alfons Besel nahm Schifferer offiziell in den Kreis der Derbleckten auf, bat ihn schon jetzt um ein paar markige Sprüche und gab ihm den Rat, sich mit seinem Politstil unbedingt an Leuten wie Franz Josef Strauß oder Paul Krones zu orientieren, nicht aber am Tegernseer Kollegen Hans Hagn, der für Fastenprediger wie das reinste Glyphosat wirke: „Zwar erlaubt, aber aufkeimen tut nix.“

Zitate

„Am Nockherberg hört de Kinseher wegam Stress auf. Unseroans muas auf de Blosn vom Landrat Rücksicht nehma“ (über das häufige Austreten von Wolfgang Rzehak)

„Wenn ein Vorstand geht, fängt man ihn in der Wirtschaft mit einem Bonus. In Miesbach nennt man das brommieren.“

„Allen Respekt, wie du im Fernsehen den 42.Platz so verkauft hast, dass der Zuschauer meinte, es wäre eine Medaille.“ (zu Olympia-Kommentator Peter Schlickenrieder)

„Des musst du erst einmal zammbringa, dass du nach innen überlegst: was kann ich dera Schnepfn antun. Und nach außen sagst: horch, die beste Red, die sie je g’haldn hat.“ (über Markaus Söder nach dem Nockherberg)

Dann ist Schifferer schon mittendrin im Gefrotzel, das nicht einmal Halt vor königlichen Hoheiten macht. Er sinniert über Zeiten, in denen Presserummel und Hubschrauberlärm das Berg- und Schlafdorf Kreuth noch aus der Bedeutungslosigkeit holten. Und heute? „Da ist die Schlagzeile jene, dass sich ein Hirschbullengreis zum Sterben vor die Fütterung geworfen hat.“ Helenes Pläne für ein Sanatorium - „aber für Hirsche und Rehe!“ – ließen ihn zweifeln, weil man mit Hirschen und Investoren schon beim Bauern in der Au kein Glück gehabt habe. 

Lesen Sie auch: Hinter den Kulissen, Fastenprediger Nico Schifferer verrät seine Geheimnisse im Interview

Schluss mit Geheimniskrämerei, fordert Schifferer, „der gemeine Talbürger ist schon neugierig, ob er die Wege am Wildbad endgültig von seinem Wanderplan streichen muss.“ Natürlich könne er verstehen, dass Kreuth auch so ein „Nichtrealisierungsprojekt mit baulicher Degeneration“ haben wolle wie das Maximilian. „Aber mit der May-Klinik ist man auf einem guten Weg, dass das klappt.“

Starkbierfest im Tegernseer Bräustüberl 2018 - die Bilder

Korbinian Kohler und die Umbenennung des Wiesseer Kirchenwirts in Hotel „Bussi Baby“ sind ein gefundenes Fressen. Allerdings findet Schifferer „den talweiten, aufrichtigen Aufruhr gegen marketingtechnisch geschmacklose Ausfallerscheinungen einfach herzerfrischend“. Immerhin: Für Fremde, die nun die Golf-Driving-Range suchen, werde es allerdings einfacher: „Richtung Weissach, gleich neben dem Puff.“

Die Zukunft des Tals und die Bauwut treiben ihn um. Warum rate man Investoren nicht: „Geh’ halt woanders hin, wo du groß bauen kannst“? Er wähnt den Tal-Bewohner schon auf der Liste der bedrohten Arten und frägt resignierend: „Wohin auch mit einem parasitär finanzschwachen Einwohner und womöglich drei schreienden Schrazen?“ Die letzten Exemplare sieht er schon ausgestopft im Gmunder Jagerhaus. Und irgendwie erinnert ihn die „ganze Luxusgeschichte hier im Gei“ an das finale Rom.

Zitate

„Da geben’s dem Herbergsbetrieb den Namen eines Puffs und bauen keins hinein.“ (über den künftigen Namen ‚Bussi Baby’ für den ehemaligen Wiesseer Kirchenwirt)

„Peter Hubert muss einen winzigen Giebel wieder wegreißen und 300 Meter Luftlinie weiter baut man ein Giganto-Projekt, dass einem die Augen tropfen.“ (zur Bautätigkeit in Rottach-Egern)

„Früher wurde der Tegernsee gerne als ‚Lago di Bonzo’ bezeichnet. Jetzt muss er umgetauft werden in ‚See des Betons’.“ (über die Bauwut am Tegernsee)

„Besuchen Sie doch mal beim nächsten Betriebsausflug die von Ihnen begangenen Bausünden. Da müssten Sie dann allerdings so ein, zwei Tage dranhängen.“ (Appell an das Landratsamt)

„Professor Grzimek hat geschrieben: Serengeti darf nicht sterben. Heute steht der Talbürger auf der Liste der bedrohten Arten.“

„Die können ein Lied singen von me-too-Gästen mit Krakenarmen und sich automatisch öffnenden Lederhosen.“ (über Bräustüberl-Bedienungen und die me-too-Debatte)

Dann zerlegt er noch die Tal-Touristiker und deren Homepage, watscht die „Anonymgscheidhaferl“ im Internet, die Bundes-SPD und die Elektro-Auto-Industrie ab, um bei seinem Rundumschlag inklusive Bedeutung der „me-too“-Debatte für eine ganz normale Bräustüberl-Bedienung doch noch ein paar freudige Dinge zu entdecken: „Das Maximilian hat wieder eröffnet, der Haselberger gibt weiter das Phantom, die Feuerwehr Tegernsee kriegt eine Elbphilharmonie, Asylanten ein Bridgehotel mit Badestrand, Kreuth ungezählte Bergsteiger mit Hirsch statt Führerhund, Preysing wird Berater des Wiesseer Bürgermeisters, und wer zur Reha muss, kann sitzenbleiben, weil die nächste Klinik eh nie weiter weg als 286 Meter ist.“

gr

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