Die Ranger und ihre Helfer sind in den bekannten Wander- und Skitourengebieten des Landkreises Miesbach unterwegs und verteilen dort auch Hinweisschilder.
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Die Ranger und ihre Helfer sind in den bekannten Wander- und Skitourengebieten des Landkreises Miesbach unterwegs und verteilen dort auch Hinweisschilder.

Die meisten Sportler und Ausflügler reagieren positiv

Ranger-Trupp ist regelmäßig in Tegernseer Bergen unterwegs - So sind die Erfahrungen

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Der Druck auf die Natur ist im Corona-Winter enorm. Um den Strom der Bergsportler und Ausflügler zu lenken, hat die ATS heuer einen Tross an Rangern eingesetzt. Ein erster Erfahrungsbericht fällt positiv aus.

  • Um Ausflügler zu lenken und die Natur zu schonen, setzt die ATS in diesem Winter Ranger ein
  • Die meisten Wanderer und Tourengeher reagieren positiv auf die Naturschützer
  • Ein Ranger aus Rottach-Egern berichtet von seinen Erfahrungen

Tegernseer Tal – Fast jedes Wochenende ist Hermann Ulbricht (56) derzeit in den winterlichen Bergen rund um den Tegernsee unterwegs. Im Gepäck hat er nicht nur das eine oder andere Hinweisschild, sondern vor allem eine Botschaft: Als Ranger klärt er im Auftrag der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) Skitourengeher und Wanderer unter anderem über schützenswerte Bereiche und Schongebiete seiner Heimat auf.

Viele Ausflügler informieren sich nur über Apps oder das Internet

„90 Prozent der Leute informieren sich vor ihrer Tour nicht richtig und sind ahnungslos“, berichtet der Rottacher, der auch für die FWG im Gemeinderat sitzt. Einschlägige Touren-Apps oder das Internet seien eben nur bedingt geeignet, um gerade im Winter die richtigen und naturschonenden Pfade zu finden. Auf seine Hinweise und Tipps würden die allermeisten Bergsportler daher „sehr positiv“ reagieren, sagt Ulbricht. Auf die richtige Wortwahl komme es an. „Wir stehen ja nicht da, um zu schimpfen“, betont der Ranger. Stattdessen versuche er, an den neuralgischen Punkten die Leute gezielt anzusprechen und – bei Bedarf – auf alternative Routen zu lenken. So wie kürzlich an einem Schönwetter-Samstag am Hirschberg: Allein dort kam der Rottacher mit rund 150 Wanderern und Tourengehern ins Gespräch.

Alpenregion hat 30 freiberufliche Ranger ausgebildet

Ulbricht ist einer von insgesamt 30 freiberuflichen Rangern, die auf Initiative des Kommunalunternehmens ATS und des Landkreises Miesbach im Herbst ausgebildet und sodann den ganzen Winter über zu Einsätzen geschickt wurden. Vor allem an den Wochenenden und vor allem in den bekannten Hotspots der Ausflugsregion sollen Ulbricht & Co. für eine gewisse Besucherlenkung und damit eine Entlastung der Schongebiete sorgen. „Wir beschränken uns da nicht nur auf bekannte Gebiete wie die Rotwand, sondern versuchen auch, in die Fläche zu gehen“, macht Tim Coldewey, zuständiger ATS-Mitarbeiter, deutlich. Im Vordergrund steht der Naturschutz, aber auch zu sicherheitsrelevanten Themen und in Sachen Bergsportkompetenz wurden die Ranger geschult.

Outdoor-Sport boomt schon länger - Corona hat den Trend aber noch verstärkt

Nötig sind sie allemal, sagt Coldewey, der selbst öfter mit auf Tour geht und die Ranger begleitet. „Wir erleben ja schon länger, dass der Outdoor-Sport boomt“, erklärt der 34-Jährige. Doch die Corona-Krise habe den Trend noch deutlich verstärkt. Ganz nach dem Motto: Hat das Fitness-Studio geschlossen, gehe ich eben zum Wandern. Dass es die Leute in die Natur dränge, „kann man ihnen nicht verübeln“, findet Coldewey. Doch viele Sportler seien uninformiert und wüssten nicht, was sie am Berg dürfen und was nicht – „genau hier setzen unsere Ranger an“.

Coldewey wertet das Projekt schon jetzt als Erfolg. „Die positiven Rückmeldungen der Ranger überwiegen definitiv“, sagt er. Abgesehen von ein paar Uneinsichtigen, die sich nicht belehren lassen wollen, hätten sich die meisten Ausflügler aufgeschlossen gezeigt. Mehr noch: Vor allem auswärtige Bergfreunde seien oft dankbar, wenn sie nützliche Hinweise bekommen. Am Ende zahle sich das Engagement der Ranger für alle Beteiligten aus, meint Coldewey: „Wenn die Leute die Schutzgebiete respektieren, müssen die Wege und Gebiete nicht weiter sanktioniert werden.“

Unbekannte zerstörten nach wie vor Hinweisschilder in Schutzgebieten

Ein „negatives Highlight“ gibt es in diesem Winter aber doch. Unbekannte haben schon mehrfach die Arbeit der Naturschützer im Landkreis Miesbach torpediert, indem sie die Hinweisschilder auf die Schutzzonen zerstörten, entwendeten oder so an anderer Stelle platzierten, dass die Ausflügler bewusst in die verkehrte Richtung geleitet wurden. Das Problem, sagt Coldewey, besteht nach wie vor: „Da weiß jemand ganz genau, wo wir am Wochenende unsere Schilder aufgestellt haben – am Montag oder Dienstag ist dann die ganze Arbeit zunichte gemacht.“ Die Schilder-Vandalen sind dabei im ganzen Gebiet – vom Breitenstein bis hin zum Ross- und Buchstein – unterwegs. „Wir vermuten, da stecken Leute dahinter, die sich nicht so gerne dreinreden lassen“, meint der ATS-Mitarbeiter und schüttelt den Kopf: „Das hat schon eine spezielle Dimension.“

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