Nach Nachricht von Netto-Schließung

Einkaufen im Ort: Wie entwickelt sich Tegernsee?

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Tegernsee - Was ist nur los in Tegernsee? Mit der Schließung des Netto-Marktes am Bräustüberl verliert die Stadt wieder eine wichtige Einkaufsmöglichkeit. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Zu wenige Kunden – so hatte ein Unternehmenssprecher der Netto Marken-Discount AG die Schließung des Standorts Tegernsee an der Seestraße zum Frühjahr begründet. Eine Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter, die bis vor kurzem noch nichts von der Schließung wussten. Und eine erneut schlimme Nachricht für die Tegernseer, die in jüngster Vergangenheit schon einige Ladenschließungen verkraften mussten – zuletzt die Aufgabe der HypoVereinsbank-Filiale an der Ortsdurchfahrt oder die Ludwig-Thoma-Buchhandlung in der Rosenstraße.

Seit April 1980 befand sich in dem zentral gelegenen Gebäude an der Bundesstraße ein Supermarkt, zunächst Plus, dann Netto. Droht nun ein weiterer Leerstand im Zentrum der Stadt? Offenbar nicht: „Wir sind bereits im Gespräch mit Nachmietern“, erklärt Arnold Niedermeier vom Herzoglichen Brauhaus, dem Besitzer des Gebäudes. Ob es erneut einen einzigen Laden geben wird oder die 509 Quadratmeter Verkaufsfläche und knapp 400 Quadratmeter Lagerfläche in zwei Einheiten geteilt werden, stehe laut Niedermeier noch nicht fest.

Im Fall der seit Jahresanfang leer stehenden Ludwig-Thoma-Buchhandlung stellte der Bauausschuss am Montagabend die Weichen neu. Einstimmig genehmigte er die Nutzungsänderung von einem Laden in eine Kleintierpraxis. Besser so eine Nutzung als gar keine, lautete die einhellige Meinung. Da half auch der Brief von FWG-Stadtrat Peter Friedrich Sieben, zugleich Vorsitzender der Vereinigung der Tegernseer Geschäftsleute, nichts. Sieben hält die Eröffnung einer solchen Praxis für „kontraproduktiv“, um die Attraktivität der Rosenstraße zu steigern. „Das bringt den anderen Geschäften nichts“, hieß es in dem Schreiben.

„Dem kann ich nicht folgen“, sagte Thomas Maban (SPD/Parteifrei) angesichts einiger Leerstände in der Stadt. Rudolf Gritsch (CSU) verwies auf die Hoheit der Hauseigentümer und auf die Tatsache, dass es in Tegernsee bisher keine Kleintierpraxis gibt. Mit der Schließung des Netto-Marktes wird die Diskussion um den Zustand der Stadt als Einkaufsstandort erneut entfacht. „Schuld an der Misere hat auch der Steg“, ist die Tegernseerin Maria Heiß überzeugt, die in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Gewerbeverbandes am Dienstag wieder einmal einen dicken Brief an Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) ins Rathaus trug. „Der Steg lässt Haupt- und Rosenstraße veröden“, glaubt Heiß.

Fordern Offenheit und bessere Zusammenarbeit zwischen den Tegernseer Geschäftsleuten: Jürgen (l.) und Claus-Dieter Kaul mit Mitarbeiterin Simone Wiedergrün von „Useful Things“ in der Rosenstraße.

Anton Lengmüller, Inhaber des gleichnamigen Cafés an der Hauptstraße und zugleich FWG-Stadtrat, pflichtet bei: „Die Laufkundschaft wurde weniger, das stimmt.“ Der Steg sei aber nun mal da, „wir sollten das Beste daraus machen.“ Eine schöne Beschilderung, um die Spaziergänger zu den Geschäften zu lenken, sei eine mögliche Maßnahme, glaubt Lengmüller. „Das sollten wir bald umsetzen.“

Unterdessen gibt es in der Rosenstraße auch positive Beispiele. Seit vier Monaten betreiben Jürgen und Claus-Dieter Kaul mit ihrer Mitarbeiterin Simone Wiedergrün erfolgreich ihr Ladenlokal „Useful Things“. „Es muss Schluss sein mit dem Gejammere und schlechter Laune“, finden die Inhaber. Es sei nicht richtig, alles auf die Rosenstraße zu schieben. Geschäftsleute sollten vielmehr besser zusammenarbeiten, Spaß an der Arbeit und außergewöhnliche Ideen entwickeln. „Dann kommen auch wieder mehr Leute.“

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