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So soll der künftige Westerhof, ein Fünf-Sterne-Hotel, aussehen.

Einwände beschäftigten Stadt Tegernsee vier Jahre lang

Westerhof: Das Hotel der vielen Gutachten

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Die Erweiterung des Westerhofs ist ein Mammut-Projekt. Gewaltig sind aber auch die Einwände dagegen. Bei seiner Sitzung befasste sich der Stadtrat jetzt ausführlich damit.

Tegernsee – Seit acht Jahren hält Besitzer Andreas Greither Stadt und Behörden, Nachbarn und Gerichte mit seinem Masterplan für den Westerhof auf Trab. Immer wieder wurde umgeplant, zuletzt in enger Abstimmung mit Kreisbaumeister Werner Pawlovsky. Inzwischen liegt ein überarbeiteter, vorhabenbezogener Bebauungsplan vor, der am Dienstagabend im Stadtrat mit der Mehrheit von 12:4 Stimmen in die nächste öffentliche Auslegungsrunde geschickt wurde.

19 Seiten Stellungnahmen

Vier Jahre lang hat die Stadt das Projekt bearbeitet. Jede Menge Gutachten und Gegengutachten, betreffend Verkehr, Lärm oder Artenschutz mussten berücksichtigt, die Bedenken von 26 Nachbarn abgewogen werden. Das Ergebnis ist ein 19-seitiges Schriftstück, das Bauamtsleiterin Bettina Koch und der Jurist der Stadt, Dr. Gerhard Spieß, teilweise im Wortlaut zitierten. Dass sich die Stellungnahmen freilich auf die inzwischen überholte und teils reduzierte Planung bezogen, spielte kaum eine Rolle. Die grundsätzlichen Bedenken vor allem der Nachbarn bleiben bestehen. In ihren Abwägungen berücksichtigte die Stadt aber die neueste Planung, die im vorhabenbezogenen Bebauungsplan Berücksichtigung findet.

Aus Garni-Haus wird Fünf-Sterne-Hotel

Das ist der aktuelle Wunsch des Besitzers: Aus dem Garni-Hotel mit 90 Betten soll ein luxuriöses Fünf-Sterne-Hotel mit 134 Zimmern werden. Das Hotel könne ein Leuchtturmprojekt und eine wichtige Ergänzung für den Tourismus werden, heißt es in der Abwägung der Stadt. Gleichzeitig sei man sich bewusst, dass es sich um eine große Baumasse handle, die einen erheblichen Eingriff in die Natur und Landschaft darstelle. Die ortstypische Architektur, die sich am geschichtsträchtigen Westerhof, dem einstigen Lehen des Klosters, orientiert, minimiere aber die Eingriffe.

Verkehr die größte Sorge

Die Verkehrssituation macht den Anwohnern am meisten Sorge. Die Erschließung allein über die Olaf-Gulbransson-Straße sei ein Sicherheitsrisiko. Die Straße sei schon jetzt überlastet und viel zu eng. Auch die Neureuthstraße sei nicht geeignet, noch mehr Verkehr aufzunehmen. Grundsätzlich zweifeln sie die Gutachten an. Die Stadt räumt zwar ein, dass die Erschließung nicht ideal sei und sich die Situation für die Anwohner auch verschlechtern werde. Sie hält die Erschließung aber für machbar und hat dies durch weitere Gutachten und sogar eine erneute Überprüfung dieser Gutachten belegen lassen. Dass auf eine öffentliche Nutzung von Restaurant und Wellness-Bereich verzichtet werden soll, trage zudem zur Verkehrsreduzierung bei. In jedem Fall seien Ausbaumaßnahmen für die Olaf-Gulbransson-Straße vorgesehen, um die künftig 109 Autos pro Stunde schlucken zu können. Was den Baustellenverkehr betrifft, so müsse der Bauherr für eine reibungslose Abwicklung sorgen.

„Bebauung ist mir zu massiv“

„Schnaufen wir mal tief durch“, merkte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) an, nachdem das Verlesen geschafft war. Er selbst hält die Schaffung von Hotelbetten für wichtig, auch wenn der Westerhof allein den Bettenschwund der letzten 15 Jahren nicht ausgleichen könne. „Es wird keine verträumte, sondern eine große Anlage“, räumte Hagn ein. Nach jahrelangem Eingehen auf Einwände müsse jetzt ein Schlussstrich gezogen werden. „Das Hotel“, war er sich sicher, „wird Tegernsee gut tun.“ Die SPD-Fraktion sieht dies anders und stimmte am Ende dagegen. Ebenso Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste). Ihr ist die Bebauung nach wie vor zu massiv.

Andreas Greither ist zuversichtlich, dass sein Projekt auf die Zielgerade einbiegt. Er werde jetzt den konkreten Bauantrag vorbereiten, sagt er auf Nachfrage. Was weitere, laufende Berufungsprozesse betrifft, so ist er der Überzeugung, dass diese den Bauplan nicht verhindern werden. „Alle Gutachten haben Bestand. Alles, was jetzt folgt, sind Emotionen“, so Greither.

gr

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