Schön anzusehen, aber belastend für die Umwelt: Feuerwerke zu Silvester, hier überm Kurpark in Rottach-Egern, sind nach Ansicht der Bürgermeister im Tegernseer Tal nicht mehr zeitgemäß.
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Schön anzusehen, aber belastend für die Umwelt: Feuerwerke zu Silvester, hier überm Kurpark in Rottach-Egern, sind nach Ansicht der Bürgermeister im Tegernseer Tal nicht mehr zeitgemäß.

Blick geht bereits zur Silvesternacht

Tegernseer Tal erneuert seinen Feuerwerks-Appell: Bitte keine Böllerei!

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Party machen – das scheint derzeit in weiter Ferne. Trotzdem hat die Ferienregion Tegernsee Silvester bereits im Blick: Auch im Corona-Jahr 2020 appelliert sie, auf Feuerwerke zu verzichten.

  • Auch im Corona-Jahr 2020 ruft das Tegernseer Tal zum Verzicht auf Silvester-Feuerwerke auf
  • Tourismus-Chef betont: „Keine Bevormundung, sondern eine Bitte“
  • Tierschutzverein und Feuerwerks-Gegner begrüßen Appell

Tegernseer Tal – „Wir müssen dran bleiben bei diesem Thema“, findet Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Im September 2019 hatten sich die fünf Gemeinden rund um den Tegernsee erstmals darauf verständigt, einen gemeinsamen Aufruf zu verfassen: Bürger und auch Gäste der Ferienregion Tegernsee wurden gebeten, zum Jahreswechsel auf das Abfeuern von Silvesterraketen und Böllern zu verzichten. Ein Appell, den die Bürgermeister und der Tourismus-Chef jetzt erneuert haben. Dabei stellt Kausch eines ganz klar: „Das soll keine Bevormundung oder ein Verbot sein – das ist eine Bitte.“

Feinstaub und Lärm vermeiden, den Tieren etwas Gutes tun

Die Argumente sind die gleichen geblieben. Mit dem Verzicht auf Silvesterfeuerwerke wolle man der Umwelt und allen Tieren – den frei lebenden ebenso wie den Haustieren – etwas Gutes tun. „Zudem können wir dadurch unnötige Feinstaub- und erhebliche Lärmbelastungen vermeiden“, heißt es in einem Rundschreiben, das die TTT kürzlich im Namen aller Tal-Bürgermeister an die Gastgeber der Ferienregion gemailt hat.

Lesen Sie hier: Nach Appell für Verzicht auf Feuerwerk: So lief die Silvesternacht am Tegernsee

Kausch ist zuversichtlich, dass die Bitte auf fruchtbaren Boden fällt. Unabhängig davon, welche Vorschriften in der Silvesternacht 2020/2021 gelten werden, seien viele Menschen in Corona-Zeiten ohnehin darauf bedacht, nicht in allzu großer Runde zu feiern, glaubt der Tourismus-Chef. Im Dezember wolle man den Appell mit einem zweiten Rundschreiben noch einmal in Erinnerung rufen, sagt Kausch.

Tierschutzverein freut sich, dass Appell „keine Eintagsfliege“ war

Begrüßt wird der neuerliche Feuerwerks-Appell vom Tierschutzverein Tegernseer Tal. „Ich freue mich sehr, dass das keine Eintagsfliege war“, erklärt Vorsitzende Johanna Ecker-Schotte. Ob der Aufruf den gewünschten Effekt bringt oder die Menschen nach den coronabedingten Einschränkungen erst recht lautstark feiern möchten, lässt sich für alle Beteiligten nur schwer abschätzen. Doch Ecker-Schotte will positiv denken: „Ich hoffe sehr, dass in diesen Zeiten das Geballere keine Priorität hat, sondern dass sich die Menschen aufs Wesentliche besinnen.“ Tiere, Natur und viele ältere Menschen würden die Knallerei an Silvester nur schwer verkraften – „das ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, meint die Rottacherin, die im Namen des Tierschutzvereins für Anfang Dezember ebenfalls einen schriftlichen Appell in diese Richtung ankündigt.

Talschützerin fürchtet: „Frust wird sich durch Knallerei entladen“

Zu den hartnäckigen und langjährigen Kämpfern gegen private Feuerwerke zählt eine Initiative um Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT). Die Waakirchnerin hat sich bei Tourismus-Chef Kausch bereits für den talweiten Aufruf zum Verzicht bedankt. Auch die SGT-Vorsitzende würde sich wünschen, dass die Menschen – sensibilisiert durch die Krise – wieder mehr Respekt gegenüber der Natur walten lassen. Sie bleibt aber auch realistisch: Gerade an den Hotspots wie dem Gelände oberhalb von Kaltenbrunn werde sich die Knallerei wohl kaum eindämmen lassen. „Bei vielen Leuten“, so fürchtet Brogsitter-Finck, „muss sich im Corona-Jahr erst Recht der Frust durch die Knallerei entladen.“ Trotzdem werde auch ihre Initiative nochmals kräftig die Werbetrommel rühren: für ein Silvester ohne Böllerei.

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