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Es ist stiller geworden am Gymnasium Tegernsee: Derzeit gibt es nur zwei fünfte Klassen. Um wieder mehr Schüler anzulocken, hat die Schule eine Informationsoffensive gestartet.

Gymnasium Tegernsee

Existenz trotz Schülerschwund gesichert 

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Tegernsee - Um den Schülerschwund am Gymnasium zu stoppen, rühren Direktor Werner Oberholzner und sein Team die Werbetrommel. Unterdessen versichert das Kultusministerium, der Bestand sei gesichert.

In guten Zeiten waren es fünf fünfte Klassen, aktuell sind es nur zwei. 56 Anmeldungen verzeichnete das Gymnasium Tegernsee für den Schuljahresstart 2014. Ein Schock. Das Kollegium hatte zwar damit gerechnet, dass sich die Eröffnung des Holzkirchner Gymnasiums stark bemerkbar machen wird. Unterschätzt wurde die Zugkraft der ebenfalls neu eröffneten Gmunder Realschule. Viele Eltern von Kinder mit gymnasialer Eignung meldeten den Nachwuchs lieber dort an. Und so reichte die Zahl der Anmeldungen fürs ehrwürdige Gymnasium am See nicht mehr aus, um die erwarteten drei Eingangsklassen zu bilden.

„Es müssen wieder mehr Schüler werden“, sagt Direktor Werner Oberholzner. Um das zu erreichen, haben er und das Kollegium, aber auch der Elternbeirat in den vergangenen Monaten einiges getan. An zwei Terminen kurz vor Weihnachten lud die Schule alle Viertklässler aus dem Tegernseer Tal und Waakirchen ein. „Dafür haben wir viele Rückmeldungen von den Kindern und auch von den Lehrern bekommen“, berichtet Oberholzner. Die Viertklässler durften in Kleingruppen den Unterricht im Gymnasium erleben und bei einer Aufführung mitwirken. „Uns ging es darum, den Kindern die Anfangsangst vor dem Gymnasium zu nehmen“, erklärt Oberholzner.

Um mehr Nähe herzustellen, gibt es auch gegenseitige Hospitationen von Grundschul- und Gymnasiallehrern. Allerdings, räumt Oberholzner ein, seien die zeitlichen Möglichkeiten vor allem der Grundschullehrer zu begrenzt, um dies in größerem Umfang zu erlauben. Ein ganz neues Konzept hat sich eine eigens gebildete Arbeitsgruppe für die Gestaltung des Schul-Info-Tags überlegt. In früheren Jahren gab's zwei Termine: eine Schulpräsentation im Barocksaal für die Eltern, später eine Führung für die ganze Familie. Heuer ist nur ein Termin angesetzt, der aber umso mehr bieten soll. „Weniger verbal, mehr aktiv“, wie Oberholzner sagt. Am Samstag, 7. März, präsentiert sich die Schule Eltern und Kindern. Der theoretische Teil wird kürzer sein, die Vorstellung des Schullebens bunter.

Oberholzner hofft, dass die Werbung Wirkung zeigt. Den ganz großen Sprung im Vergleich zum Vorjahr erwartet er dennoch nicht. Denn klar ist: Nachdem es nun in Holzkirchen ein Gymnasium gibt, werden die Holzkirchner Kinder zumindest zum allergrößten Teil auch dorthin gehen. Das Tegernseer Gymmnasium muss sich in erster Linie mit dem Nachwuchs aus dem Tal füllen. 2015 gibt es – Waakirchen eingerechnet – 190 Vierklässler. Die Übertrittsquote ans Gymnasium beträgt in der Regel 35 bis 40 Prozent. Das 2014 ausgerufene Ziel von 80 Anmeldungen für die fünfte Klasse dürfte somit schwer zu erreichen sein. „80 würden mich unglaublich freuen. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass es so viele werden“, sagt Oberholzner. Er glaube fest an die Zukunft des Tegernseer Gymnasiums. Aber es werde noch etliche Gespräche zur künftigen Ausrichtung geben müssen: „Man wird eine zusätzliche Lösung finden müssen.“

Im Kultusministerium betrachtet man die Situation gelassen. Dass ein Gymnasium zweizügig sei, bedeute nicht, dass dessen Bestand in Gefahr sei, sagt Sprecherin Julia Lindner. Es gebe in Bayern etliche kleine Gymnasien. Zum Beispiel in Gemünden. Dort werden aktuell 540 Schüler unterrichtet, in Tegernsee 840. „Es muss schon viel passieren, dass ein Gymnasium geschlossen wird“, sagt Lindner. Im Übrigen rechne das Ministerium damit, dass sich die Schülerzahlen auf einem stabilen Niveau einpendeln. Dann nämlich, wenn die Zugwirkung der jüngst eröffneten Schulen nachlässt. „Neu ist halt immer toll“, meint Lindner. Dies werde sich aber im Lauf der Jahre relativieren.

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