Lesestoff zum Fest: Felix Hornstein hat gelungene Weihnachtsgeschichten nicht nur gesammelt, er liefert auch Interpretationen dazu. Foto: thomas plettenberg
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Lesestoff zum Fest: Felix Hornstein hat gelungene Weihnachtsgeschichten nicht nur gesammelt, er liefert auch Interpretationen dazu.

NEUERSCHEINUNG

Lehrer Felix Hornstein gibt Sammlung schöner Weihnachtsgeschichten heraus

Felix Hornstein, Lehrer für Religion, Geschichte und Latein am Gymnasium Tegernsee, hat ein Buch herausgebracht: „Die schönsten Weihnachtsgeschichten – neu gelesen und interpretiert“

Tegernsee – Plätzchen, Glühwein, Tannenduft – all das gehört traditionell zur Adventszeit und zu den Weihnachtstagen. Gerade bei Familien mit Kindern, aber auch bei Erwachsenen, mag das Lesen von Weihnachtsgeschichten ebenso zu einer besinnlichen Advents- und Weihnachtszeit gehören. Einen Beitrag dazu will Felix Hornstein, Lehrer für Religion, Geschichte und Latein am Gymnasium Tegernsee, mit seinem jetzt herausgekommenen Buch leisten. Unter dem Titel „Die schönsten Weihnachtsgeschichten – neu gelesen und interpretiert“ hat er eine Auswahl besonders gelungener Erzählungen gesammelt. Zusätzlich zum Originaltext bietet er in jedem Kapitel eine eingehende, gut lesbare Interpretation.

Seit Jahren liest Hornstein zuhause wie auch in der Schule Weihnachtsgeschichten und kennt dementsprechend viele. Es gebe zwar viele Weihnachtsgeschichten, aber wenig gute, lautet sein Fazit. „Die Gefahr der Sentimentalität ist einfach zu groß.“

Was macht eine wirklich gute Weihnachtsgeschichte aus?

So werde aus der Geburt Christi wahlweise eine gemütliche, nach Oberbayern oder Russland verlegte Idylle oder ein Märchen von heiler Welt und Menschlichkeit am bullernden Ofen. Andere Autoren wiederum betonten in wehmütiger Rückschau auf die eigene Kindheit den Fest-Charakter mit Christbaum, Glühwein und Gänsebraten: der Heilige Abend als „Schlaraffenland und Kerzenflitter“. Andere wiederum enthielten eine Überdosis Moralin. In modernen Weihnachtserzählungen werde das Fest dagegen oft verfremdet, als Betrug und kommerzielle Veranstaltung dargestellt, bei der letztlich jeder einsam bleibt.

Bei der Auswahl habe sich ihm daher die Frage gestellt: Was macht eine wirklich gute Weihnachtsgeschichte aus? „Es sind meines Erachtens diejenigen, die auch ganz ohne Weihnachten gute Geschichten wären, in denen aber Weihnachten eine ganz besondere Rolle zukommt“, sagt Hornstein. Geschichten von einem „existenziellen Ereignis oder Geschehen“, das in Verbindung mit Weihnachten eine besondere Wendung nimmt. Er wolle vor allem zeigen, wieviel existenzieller Ernst selbst in einer einfachen Weihnachtsgeschichte stecken kann, weit entfernt von bloßer Gefühlsduselei.

Fast vergessene Klassiker

Unter diesem Aspekt hat er bekannte Autoren in seine Sammlung aufgenommen, aber auch solche, die scheinbar bereits in Vergessenheit geraten sind. So finden sich Klassiker wie Hans Christian Andersens „Der Tannenbaum“ ebenso wie Karl Heinrich Waggerl mit „Räuber Horrificus“ und seiner wundersamen Begegnung mit Maria und dem Jesuskind. Daneben Nikolai Leskows Erzählung „Das Tier“ über einen Jungen, der erlebt, wie sein Onkel, ein tyrannischer Feudalherr, durch den Ausgang einer Bärenjagd gewandelt wird. Und in Felix Timmermans „Sankt Nikolaus in Not“ hat der Nikolaus ausgerechnet für das ärmste Kind der Stadt kein Geschenk – und muss sich etwas einfallen lassen. „Die Nacht des 24. Dezember“ des italienischen Journalisten und Schriftstellers Dino Buzzati führt wiederum vor, wie die Menschen sich an Heiligabend Gottes Gegenwart ersehnen, sie aber durch ihren eigenen Egoismus aufs Spiel setzen.

Und O. Henrys Kurzgeschichte vom „Geschenk der Weisen“ führt den Leser in die Armseligkeit eines New Yorker Appartments, wo ein Paar sich trotz seiner Armut gebührend beschenken möchte – was tragisch und zugleich komisch endet. Mit den beiden Autoren Paul Keller („Das Niklasschiff“) und Hans Lipinsky-Gottersdorf („Stern der Unglücklichen“) trägt das Buch auch zur „Wiederbelebung“ zweier Schriftsteller bei, die heute nur mehr wenigen bekannt sein dürften. Ans Ende seines Buches hat Hornstein schließlich Text und Interpretation des bekannten weihachtlichen Kirchenliedes „Maria durch ein Dornwald ging“ gestellt.

Das Buch

„Die schönsten Weihnachtsgeschichten“ ist im Patrimonium-Verlag erschienen und kostet 14,80 Euro.

Von Stefan Gernböck

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