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Expertenrunde sucht nach Fluchtweg

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Von: Christina Jachert-Maier

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Der Psallierchor war einst Teil der Kirche St. Quirinus. Der Raum kann derzeit wegen des fehlenden Fluchtwegs nicht genutzt werden.
Der Psallierchor war einst Teil der Kirche St. Quirinus. Der Raum kann derzeit wegen des fehlenden Fluchtwegs nicht genutzt werden. © Thomas Plettenberg

Es geht um den Pasallierchor und Kunstschätze, gotische Sakristeien und die Angst vor dem Feuer. Der Brandschutz in der ehemaligen Tegernseer Klosteranlage erweist sich als zäh zu lösendes Problem. Am 9. August ist wieder ein Expertentermin vor Ort angesetzt.

Tegernsee – Schon 2017 hatte das Erzbischöfliche Ordinariat den Brandschutz für die ehemalige Klosterkirche St. Quirinus auf der Prioritätenliste zu erledigender Maßnahmen ganz nach oben geschoben. Gleiches gilt für die beiden gotischen Sakristeien, die mit ihren feinen Gewölben und der seltenen Grau-in-Grau-Malerei eine kunsthistorische Kostbarkeit darstellen. Ihre eigentliche Funktion haben die gotischen Schwestern schon vor 300 Jahren verloren, für den Kirchenalltag gibt’s eine barocke Sakristei. Und dann ist da noch der angrenzende Psallierchor, der in die Schlagzeilen geraten ist, weil die Kreissparkasse Miesbach unter ihrem damaligen Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme 2010 1,5 Millionen Euro für ein immerwährendes Nutzungsrecht bezahlt hat. So verschachtelt das Gebäude ist, so verfahren sind die Verhandlungen zwischen den verschiedenen Eigentümern. Das Hauptproblem ist allerdings ein gemeinsames: der Brandschutz. Um es endlich zu lösen, kommen am Dienstag, 9. August, Vertreter des Erzbischöflichen Ordinariats, des Landratsamtes und der Kreissparkasse mit Architekten und Brandschutz-Experten zusammen.

Im Mittelpunkt steht das Ziel, einen zweiten Fluchtweg für den Psallierchor zu schaffen. Der 150 Quadratmeter große Raum soll für Veranstaltungen genutzt werden, was aber derzeit wegen des Brandschutzes nicht möglich ist. Kreisbaumeister Christian Boiger hat vor Kurzem Bewegung in die Sache gebracht und die Regie in die Hand genommen. Nach seiner Einschätzung könnte ein Fluchtweg durch die obere der beiden gotischen Sakristeien über ein bestehendes Treppenhaus in den Innenhof des Schlosses führen.

Psallierchor Tegernsee: Architekten planen den Fluchtweg

Denkbar wäre in Kombination auch ein Fluchtweg für den Kirchenraum. Ein Architekturbüro arbeitet sowohl im Auftrag der Kreissparkasse als auch der Kirche an der Planung. Die Kreissparkasse hat sich bereit erklärt, einen Bauantrag für den Psallierchor-Fluchtweg zu stellen.

Von dem Termin in kleiner Runde erhofft sich Alexander Königer als Sprecher der Kreissparkasse noch nicht den Durchbruch. „Aber wir werden das weitere Vorgehen besprechen.“ Eine Entscheidung könnte bei einem Folgetermin im größeren Kreis am 15. September fallen. Insgesamt geht es nicht nur um den Fluchtweg und dessen Finanzierung, sondern auch um den Unterhalt des Psallierchors, in dem es bisher weder Strom noch Wasser gibt.

Psallierchor in der ehemaligen Klosteranlage Tegernsee: Derzeit nur übers Gymnasium zu erreichen

Die Verhandlungen sind in vielen Jahren nicht vorangekommen, auf Nachfrage bekundet das Erzbischöfliche Ordinariat jetzt aber Interesse an der sakralen Verwendung des Psallierchors. Eine teilweise Nutzung in der Schulpastoral wäre denkbar, teilt Pressesprecher Hendrik Steffens mit. Der Psallierchor war einst Teil der Klosterkirche und ist derzeit nur vom Gymnasium aus zu erreichen.

Sehr zurückhaltend äußert sich das Erzbischöfliche Ordinariat zur Realisierung des Fluchtwegs für die Kirche selbst. Die Kirche befinde sich in Staatslast, die Maßnahme werde vom Staatlichen Bauamt Rosenheim durchgeführt, heißt es nur. Um die Kostenverteilung zwischen Staat und Kirche geht es übrigens auch bei der überfälligen Restaurierung der gotischen Sakristeien. Die Pläne für die Restaurierung seien erstellt, lässt das Ordinariat wissen. Nun fänden Abstimmungen statt mit dem Ziel, „in naher Zukunft“ mit den Baumaßnahmen zu beginnen.

Dann kehrt vielleicht auch das in ein Kunstdepot ausgelagerte Inventar an den Tegernsee zurück. Neben Leuchtern, Figuren und allerlei Skurrilitäten gehören dazu auch Reliquien wie die Rippe des Heiligen Korbinian.

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jm

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