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Ist viel auf Facebook unterwegs: Toni Langwieser (57) aus Warngau.

Unser User Toni Langwieser im Porträt

Warum ich es liebe, auf Facebook zu kommentieren

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Tegernsee - Täglich kommentieren hunderte Nutzer auf der Facebook-Seite der Tegernseer Zeitung. Wir haben einen unserer fleißigsten Kommentatoren - analog - besucht. Wir wollten wissen, was ihn antreibt. 

Nein, Toni Langwieser sitzt in keinem dunklen Kellerloch, nur erleuchtet von neonweißen flimmernden Bildschirmen. Sein Lebensinhalt besteht auch nicht aus dem pausenlosen Stakkato-Hämmern in die Tastatur. Und auch sein Selbstwertgefühl wird nicht durch eine Anzahl von Likes definiert. Überhaupt wirkt Langwieser gar nicht so, wie man sich vielleicht einen Dauer-Kommentator auf Facebook vorstellt.

Ein echter Wargauer und Oberlandler

Toni Langwieser ist 57 Jahre alt, wohnt mit seiner Familie in einem hellen, historischen Bauernhof in Warngau und kommt durch seine Arbeit als selbstständiger IT-Fachmann viel vor die Tür. Und wenn er mal richtig viel Luft braucht, lässt er seinen Modellhubschrauber steigen. Man könnte sagen, Toni Langwieser ist ein ganz normaler Warngauer und ein richtiger Oberlandler.

"Wenn ich etwas Unrechtes sehe, fühle ich mich angesprochen"

Aber Langwieser hat auch etwas zu sagen. "Wenn etwas passiert, das nicht gerecht ist, fühle ich mich angesprochen", beschreibt er diesen Drang. "Das berührt mich." Und dann muss Langwieser etwas unternehmen. Früher hätte Langwieser seine Sorgen und Ideen vielleicht regelmäßig beim Stammtisch rausgelassen. Und wenn sein Verlangen, Probleme anzusprechen, damit immer noch nicht befriedigt gewesen wäre, Langwieser hätte wohl in eine Partei gehen müssen, sich vielleicht sogar in den Gemeinderat wählen lassen.

"Versuche, meinungsbildend zu wirken"

Langwieser ist kein Einzelgänger, er gehört zum Schützenverein. Aber zum Reden braucht er den Verein nicht. Dafür hat er Facebook. Das langt ihm, mehr noch: Für Langwieser ist Facebook das Medium. "Ich weiß, was Facebook bewirken kann. Dort kann ich die Leute erreichen und versuchen, meinungsbildend zu wirken." 

Dass Leute mit falschem Namen kommentieren, findet Langwieser feige

Was der Warngauer gar nicht mag: "Wenn die Leute nicht mit ihrem Klarnamen kommentieren." Also wenn Facebooknutzer politische Meinungen abgeben, ohne ihren waren Namen dabei zu nennen. Toni Langwieser findet das feige. "Ich habe es nicht nötig, mit einem falschen Namen ins Internet zu gehen. Ich stehe zu dem, was ich schreibe."

Und dann sind da noch die Pöbler, die Trolle, wie man sie auch nennt. Menschen, die tagein, tagaus im Netz unterwegs sind, nur um zu attackieren oder Stimmung zu machen - zum Beispiel in Form von rechten Parolen. Langwieser stellt klar: "Ich habe etwas gegen Extremisten jeder Art."

Egal, was - Toni Langwieser ist dabei

Täglich ist er in dem sozialen Netzwerk unterwegs. Vor allem auf der Seite der Tegernseer Zeitung. "Das Tal liegt mir gefühlsmäßig näher. Ich bin dort aufgewachsen", sagt Langwieser. "Und ihr habt oft die für mich interessanteren Themen." Egal, ob die Tal-Bürgermeister einen Tourismus-Chef feuern, eine Gmunder Wiese langsam verwildert oder fiese Netz-Bewertungen über Rottacher Restaurants auftauchen - Toni Langwieser ist dabei.

Und wenn Langwiesers Meinung nicht einfach so im Äther verhallt, wenn er Reaktionen bekommt, manchmal sogar mit Inhalt, dann freut er sich. "Am schönsten ist es, wenn sich eine Diskussion entwickelt." Zum Beispiel hat er mit einem Arbeitskollegen wochenlang über die Flüchtlingsproblematik diskutiert, öffentlich über die Facebook-Kommentarfunktion. Der Kollege war ein "glühender Merkelverfechter", sagt Langwieser. 

"Ich bin nicht rechts und auch nicht links"

Er selber ist kein Merkelverfechter, so ganz und gar nicht, vor allem, wenn's um die Flüchtlingspolitik geht. "Ich bin nicht rechts und auch nicht links", sagt er. Und gleichzeitig fühle er sich in keiner der etablierten politischen Parteien zu Hause. "Es gibt keine Partei, die meine Meinung spiegelt. Die sind alle so konturlos geworden." Deshalb liebäugelt Langwieser mit der AfD. "Auch wenn ich weiß, dass das eine Gratwanderung ist." 

Manchmal verliert Langwieser Facebook-Freunde

Lieber aber betreibt Langwieser selbst Meinungsbildung, über Posts, über Kommentare. Bei seinem Kollgen, dem Merkelverfechter, hat's funktioniert, sagt Langwieser. Bei anderen kommt das nicht so gut an. Ein guter Bekannter hat ihn auch schon mal von der Freundesliste gelöscht, weil Langwieser ein Video kommentierte, in dem der Sohn des Bekannten eine Drohne über einem Wohngebiet steuerte. Das fand Langwieser - der Modellflieger - grob fahrlässig und hat das auch geschrieben. 

Aber mit solchen "Lappalien" hält sich Langwieser nicht auf. Im Gegenteil: "Die Leute sagen immer, wir können nichts an der Politik ändern." Langwieser sagt: "Stimmt nicht. Wir können schon, wir müssen halt ein bisserl was dafür tun." Und der IT-Experte meint, dass der Druck aus den sozialen Netzwerken oben ankommt. "Da bewegt sich was." Und Langwieser bewegt mit. Nicht als Gemeinderat, nicht als Lokalpolitiker, nicht als Wortführer, sondern als Kommentator auf Facebook.

kmm

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