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In Mönchskutte und mit erhobenem Zeigefinger las Nico Schifferer der Lokal-Prominenz die Leviten. 
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Die geladenen Gäste im Bräustüberl amüsierten sich prächtig. 
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Landrat Wolfgang Rzehak zapfte das erste Fass Bier an. Mit dabei: Brauhaus-Geschäftsführer Christian Wagner (r.).
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Anstoßen auf einen erfolgreichen Abend: (v.l.) Braumeister Norbert Stühmer, Landrat Wolfgang Rzehak, Bräustüberl-Wirt Peter Hubert und Brauhaus-Geschäftsführer Christian Wagner. 
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Vor vollem Haus hielt Bruder Barnabas seine Fastenpredigt.
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Der Fastenprediger in Aktion.
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Der Fastenprediger in Aktion.
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Der Fastenprediger in Aktion.

Viele Lacher beim Starkbieranstich in Tegernsee

Im Bräustüberl: Spott des Fastenpredigers trifft sogar die Gastgeber selbst

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Nico Schifferer hat wieder eingeschenkt. Zwei Stunden lang bei seiner Fastenpredigt im Tegernseer Bräustüberl, die manchem noch länger in den Ohren dröhnen dürfte. Auch den Gastgebern selbst.

Tegernsee – Rund 450 geladene Gäste, Doppelbock und Fastenpredigt. Jahr für Jahr bewirtet Pächter Peter Hubert im Bräustüberl, dem Herzstück des Herzoglichen Brauhauses, die Lokal-Prominenz. Traditionsgemäß ringen sich selbst schwer durch den Kakao gezogene Politiker ein Lächeln ab, wenn die Wortgewalt des Nico Schifferer über sie hereinbricht. Doch diesmal war es Christian Wagner, Geschäftsführer des Herzoglichen Brauhauses, den ein galant gesetzter Hieb traf – im eigenen Haus.

Und dies perfide als Geschenk getarnt. Wagner erhielt die „Ehren-Motorsäge am Bande für seine herausragende Leistung im Bereich der Holz- und Forstwirtschaft mit den dünnsten Ausreden, seit es Schokolade gibt“. Schifferer zielte damit auf eine Abholzaktion des Herzoglichen Hauses an der Point, die nun auch eine Strafanzeige nach sich gezogen hat.

Beißenden Spott hatte Schifferer auch für den LiL übrig, den „Landrat in Lauerstellung“. Gemeint war Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU), der derzeit konditionsstark durch den Landkreis tourt. Er wird als Kandidat für den Posten des Landrats gehandelt, die offizielle Nominierung steht noch aus. Im Bräustüberl pflegte der Holzkirchner fleißig Kontakte und saß mit Martin Pemler am Tisch, dem Verwaltungsleiter des Landratsamts. Auch Klaus Thurnhuber (FW), Bürgermeister von Warngau, gehörte zu der Runde.

Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) hatte seinen Part bei der Eröffnung des Festes nach nun fünfjähriger Amtszeit mit Bravour gemeistert. Zwei geübte Hiebe, dann war das Fass angezapft.

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Das bewahrte ihn nicht vor einer Watschn des Bruder Barnabas. „Ich hatte eigentlich erwartet, dass ein grüner Landrat, auf den das ganze Land schaut, mit dem grünen Donnerkeil der ökologischen Überzeugung so richtig dazwischen haut, mutig grüne Standards setzt und nicht quasi ununterscheidbar ist von anderen Parteien“, monierte der Fastenprediger. Doch es sei wohl schwer, als Verwaltungsfachwirt den Grün-Kreativen zu geben. „Dem Florian Silbereisen würde man den Rambo auch nicht abnehmen.“

Bei seinem üblichen Ritt rund um den See streifte Schifferer durch alle fünf Orte. So richtig hart ging Schifferer allerdings nur mit Bad Wiessee ins Gericht. Und da insbesondere mit dem amtierenden Bürgermeister Robert Huber (SPD), der den im Krankenstand befindlichen Peter Höß vertritt. Hubers Verhalten erinnere an einen Opernsänger, der als zweite Besetzung endlich auf die Bühne darf, ätzte Schifferer. „Da spürt die Vertretung: Das ist meine Stunde.“ Dass unter Hubers Regie die Kurtaxe flugs nach oben gesetzt wurde: „Da brauchst schon eine Extrawindung im Hirn.“ Angesichts der vielen Baustellen im Ort, sinnierte Schifferer, müsse Bad Wiessee eigentlich jedem Gast fünf Euro zahlen.

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Huber selbst hörte dies nicht. „Elfmal haben wir ihn schon eingeladen, und nicht ein einziges Mal ist er gekommen“, verriet Schifferer. Aber Peter Höß (Wiesseer Block) saß – wie alle Jahre – auf seinem Platz und durfte sich diesmal über ungewohnt herzliche Worte freuen. „Lieber Peter Höß. es wird Zeit, dass Du wieder gesund wirst“, legte Schifferer Wiessees Bürgermeister ans Herz. „Wenn wir schon derartig unkommunizierte Alleingänge bekommen, dann doch bitte das Original.“

jm

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