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Mönchskutte und erhobener Zeigefinger: Seit neun Jahren liest Nico Schifferer den Lokalpolitikern beim Starkbierfest im Bräustüberl die Leviten.

„Offiziell beleidigt war mir noch niemand“

Bräustüberl: Interview mit Fastenprediger Nico Schifferer

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Zum neunten Mal wird Ende März beim Starkbierfest im Bräustüberl die Tal-Prominenz derbleckt. In die Rolle des Fastenpredigers schlüpft auch diesmal Nico Schifferer (64). Er stand uns Rede und Antwort. 

Tegernsee - Wie kommt man zu der Rolle des Bruder Barnabas im Tegernseer Bräustüberl? Woher nimmt ein Fastenprediger seine Ideen? Und: Welche der fünf Tal-Gemeinden liefert den meisten Stoff fürs Derbleckn? Wir haben bei Nico Schifferer (64) nachgefragt. Zum neunten Mal streift er sich am 29. und 30. März die Mönchskutte über, um im Bräustüberl als Bruder Barnabas der Tal-Prominenz die Leviten zu lesen.

Noch eine Woche bis zum Starkbierfest in Tegernsee. Haben Sie Ihre Rede schon in der Tasche, Herr Schifferer?

Nico Schifferer: Ja, und das muss auch so sein. Denn so eine Rede macht unglaublich viel Arbeit, ungezählte Stunden gehen da für Recherche und Formulierung drauf. Da kann man nicht drei Tage vorher anfangen. Allerdings ist es nur das Grobgerüst, das ich fertig in der Tasche habe. Weil immer wieder etwas Neues passiert, wird bis zur letzten Sekunde an der Fastenpredigt geschraubt. So ist am 29. März(dem Tag des ersten Starkbierfest-Termins in Tegernsee, Anm.d.Red.) beispielsweise noch ein Termin vor dem Verwaltungsgericht wegen der Spielbank-Abgabe.

Sie schreiben Ihre Reden ja ausschließlich selbst. Wie muss man sich diese Arbeit vorstellen?

Nico Schifferer: Die Recherche- und Archivarbeit läuft praktisch das ganze Jahr über. Ich lese dazu ständig die Zeitung, verfolge das Geschehen. Oft kommt es aber vor, dass ich Texte dann wieder verwerfe, schlicht weil sich eine Sachlage geklärt hat, der Sachverhalt nicht mehr stimmt oder ein neues, stärkeres Thema aufkommt. Dann muss ich mich von manchen Ideen verabschieden.

Apropos Ideen – welche Gemeinde im Tegernseer Tal liefert denn den meisten Stoff und ist damit Ihre Lieblingsgemeinde?

Nico Schifferer: (Lacht) Da lass ich über Bad Wiessee nix kommen. Das ist ein toller Themen-Lieferant. Ich sag immer: Wenn die Fastenprediger Bad Wiessee nicht hätten, dann könnten sie zusperren. Müssten wir ausschließlich über Kreuth und Herrn Bierschneider schreiben, dann würden wir alt aussehen.

Und welche Gemeinde kommt auf Platz zwei?

Nico Schifferer: Früher, zu Zeiten von Peter Janssen, war das eindeutig Tegernsee. Aber jetzt haben wir hier in Tegernsee ja einen Kuschelbürgermeister. Ich bin schon ein bisserl sauer auf den Herrn Hagn, weil er im Vergleich zu seinem Vorgänger für den Fastenprediger ein Totalausfall ist.

Ihre Kommentare über die Lokalpolitiker und Prominenten im Tal sind ja oft sehr gesalzen. War Ihnen nach Ihrer Rede eigentlich schon mal jemand so richtig beleidigt?

Nico Schifferer: Natürlich sind manche Herrschaften „not amused“. Offiziell beleidigt war mir aber noch niemand. Zumindest hat mich noch nie jemand deshalb zur Rede gestellt. Ich achte aber auch darauf, nicht unter die Gürtellinie zu gehen – wie es zum Beispiel Kabarettisten laufend mit Politikern der ersten Linie tun. Das finde ich nicht gut. Wenn jemand etwas geliefert hat, hat er sich das Recht erworben, in meiner Rede erwähnt zu werden, persönlich beleidigt wird aber niemand.

Verraten Sie uns, wer heuer im Bräustüberl von den Lokalpolitikern und Promis besonders aufs Korn genommen wird?

Nico Schifferer: Da will ich nicht zu viel verraten. Aber es wird einige dominante Protagonisten geben – zum Beispiel kommt der Haslberger dran(Großgrundbesitzer und Unternehmer Franz Haslberger, Anm.d.Red.). Und auch einige Institutionen und Verwaltungen sind dabei.

Die Lokalzeitung ist das eine. Aber Sie haben doch sicher noch andere Informationsquellen.

Nico Schifferer: Ich rede mit Gemeinderäten aus den jeweiligen Orten, mit den Protagonisten selber, und ich gehe auch zu vielen Stammtischen. Da hört man am besten, was über die Leute so geredet wird. Die Recherchen im Vorfeld sind sehr umfangreich. Manchmal rufen auch Leute von sich aus mit einem Thema bei mir an und fragen: Ist das nicht was für den Fastenprediger? Diese Themen zerschlagen sich aber meistens. Das ist häufig nur Haustür-Politik. Am wichtigsten sind die Zuträger, die direkten Zugang zu den Themen haben. So wie eben Gemeinderats-Mitglieder.

Ehe Sie selbst am Rednerpult stehen, besuchen Sie ja immer das Starkbierfest beim Gasthof Köck in Gmund.

Nico Schifferer: Ja, das ist für mich ein freudiger Muss-Termin. Ich bin ein absoluter Fan vom Flickä (der Gmunder Fastenprediger Florian „Flickä“ Oberlechner, Anm.d.Red.). Und ich bin jedes Jahr wieder überrascht, wie wenig Überschneidungen es bei unseren Themen gibt. In den beiden Predigten gibt es unglaublich wenig Berührungspunkte. Das ist erfreulich, denn wahnsinnig viele Leute gehen ja zu beiden Starkbierfesten. Und ein jeder von uns hat seinen eigenen Stil.

Kam es schon mal vor, dass Sie nach dem Besuch des Gmunder Starkbierfestes die eigene Rede überarbeitet haben?

Nico Schifferer: Sicherlich hat mich der Flickä schon mal auf das eine oder andere Thema gestoßen, das ich übersehen oder dessen Wichtigkeit ich unterschätzt hatte.

Sie machen den Job als Bruder Barnabas im Tegernseer Bräustüberl nun schon zum neunten Mal. Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen?

Nico Schifferer: Der Bräustüberl-Wirt Peter Hubert wollte damals ein Starkbierfest ähnlich wie das beim Köck in Gmund etablieren. Der damalige Gmunder Fastenprediger Bruno „Pez“ Erdmann hatte aber nach 23 Jahren gerade aufgehört und wollte es nicht mehr machen. Stattdessen hat er mich empfohlen. Und nach ein wenig Bedenkzeit hab ich zugesagt.

Sie wohnen zwar mittlerweile im Chiemgau, haben Ihre Wurzeln aber im Tegernseer Tal und kennen sich daher ja bestens aus.

Nico Schifferer: So ist es. Ich bin in Gmund zur Grundschule und in Tegernsee aufs Gymnasium gegangen. Später habe ich dann in Rottach-Egern und Bad Wiessee gewohnt. Und in der Tat gehen die Wurzeln weit zurück: Mein Ururgroßvater Franz Anton Schifferer war Braumeister im herzoglichen Brauhaus in Tegernsee – und heute stehe ich als Fastenprediger in diesen heiligen Hallen.

Die Termine des Starkbierfestes

Eintrittskarten für das Starkbierfest in Tegernsee am Donnerstag, 30. März, gibt es direkt beim Bräustüberl. Der erste Starkbierfest-Termin mit Fastenprediger Nico Schifferer am 29. März ist traditionell geladenen Gästen vorbehalten.

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