Visualisierung Feuerwehrhaus Tegernsee
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So könnte das Feuerwehrhaus Tegernsee nach einem ersten Entwurf aussehen.

Sitzung des Stadtrats Tegernsee

Feuerwehrhaus: Grüne scheitern mit Antrag auf Umplanung

Mit ihrem Antrag, die Planung des Feuerwehrhauses zu überarbeiten und damit Kosten zu sparen, ist die Grünen-Fraktion im Stadtrat gescheitert. Erstmals gab's eine Visualisierung zu sehen.

  • Sitzung des Stadtrats Tegernsee
  • Grünen-Fraktion scheitert mit Antrag auf Umplanung
  • Weitere Planungsschritte beschlossen

Tegernsee – Es war erneut eine Mammut-Sitzung zum Thema Feuerwehrhaus. Doch diesmal ging es um einen Meilenstein, den die Grünen-Fraktion mit Ursula Janssen und Marcus Staudacher setzen wollte: die Überarbeitung der Planung mit dem Ziel einer erheblichen Kosteneinsparung und einer harmonischen Gesamtgestaltung.

Ursula Janssen begründete den Antrag ausführlich und betonte eingangs, dass es nicht um Verhinderungspolitik gehe und dass sie größten Respekt vor dem Engagement der Feuerwehr habe. Sie argumentierte mit der Kostenentwicklung von 6,2 Millionen Euro zu Beginn der Planung 2015 bis zu rund 13 Millionen Euro, die aktuell für das Feuerwehrhaus mit zehn Toren und sechs Wohnungen im Raum stehen. Dass es 15 Millionen werden könnten, hielt sie für „durchaus realistisch“. Eine Zahl, zu der später die Architektin Stellung bezog: Sie habe nicht beschönigen, sondern die Kosten nach einer qualifizierten Schätzung auf den Tisch legen wollen.

Vor allem fragen wir uns, warum wir als kleinste Tal-Gemeinde das größte und teuerste Feuerwehrhaus bauen müssen.

Ursula Janssen (Grüne)

Auch wenn Stadt-Kämmerer Jürgen Mienert das Projekt aufgrund der vorhandenen Überschüsse für finanzierbar hält, so sehen die Grünen eine Finanzierungslücke von fünf bis sechs Millionen Euro. „Vor allem fragen wir uns“, so Janssen, die einen Vergleich mit anderen Feuerwehrhäusern zog, „warum wir als kleinste Tal-Gemeinde das größte und teuerste Feuerwehrhaus bauen müssen.“ Eine erhebliche Einsparung sei nur möglich, wenn die Kubatur um zwei Hallensegmente mit Keller an der Westseite verkleinert werde. In Hinblick auf die benachbarte Grundschule und den Kindergarten entschärfe dies zudem eine Gefahrenstelle. Weil die Zukunft nicht im Wettrüsten der Feuerwehren liegen dürfe, regte Marcus Staudacher zudem eine intensivere Zusammenarbeit mit den Nachbarwehren, etwa in Form eines Zweckverbands an.

Erster Entwurf für das Feuerwehrhaus Tegernsee.

„Der Antrag ist sehr hart an der Schmerzgrenze“, reagierte Rudolf Gritsch (CSU), der seine Antwort schriftlich vorbereitet hatte und die Grünen-Kritik („Planungsdauer bislang fünf Jahre, leider ohne ausreichenden Blick auf ein stimmiges Gesamtkonzept und die Kosten“) als „Ignoranz“ und „Unverschämtheit“ bezeichnete – einen Vorwurf, den Janssen zurückwies. Gritsch rechtfertigte die „sehr sorgfältige“, „transparente“ und „nahezu lehrbuchmäßige“ bisherige Planungsarbeit und appellierte an die Kollege, den Weg für das Feuerwehrhaus freizugeben.

Feuerwehrhaus Tegernsee: „Das wird kein Vereinsheim“

Dass Janssen und Staudacher alleine dastanden, wurde schnell klar. „Das wird kein Vereinsheim“, rechtfertigte Florian Widmann (CSU) die geplante Größe. Manuela Brandl (BürgerListe) betonte, dass sich ihre Fraktion lange gegen die Größe gewehrt, sich dann aber der Mehrheit gebeugt habe. Vize-Bürgermeister Michael Bourjau (FWG) war überzeugt, dass Tegernsee, „da sehr wohlhabend“, das Projekt stemmen könne. Er ärgerte sich dennoch, dass das unterlassene Anpacken schon in früheren Jahren nun rund sechs Millionen Euro koste.

Diesen Aspekt hob Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) unter anderem in der mit der Verwaltung vorbereiteten Stellungnahme hervor. Insbesondere in den letzten drei Jahren hätten die Preissteigerungen vier bis fünf Prozent betragen. Auch stellte Hagn klar, dass der Vergleich etwa mit Bad Wiessee hinke. Eine Tatsache, die der anwesende Kommandant Wolfgang Winkler, bekräftigte. Eine Umplanung, so Hagn, würde „zu erheblichen Zeitverzögerungen führen, die die unterstellten Kosteneinsparungen durch die zu erwartenden Baukostensteigerungen wieder aufheben“. In einer namentlichen Abstimmungen waren alle Stadträte, bis auf Janssen und Staudacher dann dafür, am eingeschlagenen Weg festzuhalten.

Wie der aussehen könnte, zeigte Architektin Claudia Schreiber dann erstmals mit einer anschaulichen Visualisierung. Die Reaktionen reichten von „angenehm überrascht“ (Manuela Brandl), über „ansprechende Variante“ (Carolin Machl, CSU), bis zu „ausgezeichnet“ (Gritsch) und der Formulierung: „wir nähern uns einer guten Lösung“ (Anton Lengmüller, FWG). Hagn fragte jeden Einzelnen nach seiner Meinung und gab der Architektin am Ende mit auf den Weg, dass der Sockel des Funktionsbaus auf Basis von Betonoptik und die beiden darüberliegenden Geschosse für die Feuerwehr und die Wohnungen mit Holzoptik weiterentwickelt werden sollen. Weil die Interimshalle gegenüber auf dem Schulhof schon im Herbst aufgestellt wird, die Stadt zugleich in die Genehmigungsplanung einsteigen muss und im Frühjahr das alte Haus abgerissen werden soll, wurde auch das Okay für den Start der Planer gegeben.

Feuerwehrhaus Tegernsee: Im Bebauungsplan wird auch an Fledermäuse gedacht

Die planungsrechtliche Grundlage für das Feuerwehrprojekt liefert der Bebauungsplan „Seminarhotel Tegernsee“. Gegen die Stimmen von Ursula Janssen und Marcus Staudacher (Grüne) wurden die Abwägungen verabschiedet, die die Verwaltung aufgrund von Behörden-Hinweisen formuliert hat.

Unter anderem wurde festgelegt, dass die Stellplätze auf dem Feuerwehr-Parkplatz mit einer Breite von 2,50 Metern und einer Länge von 5,50 Metern geplant werden. Der Parkplatz bekommt eine Schranke und steht nicht für die Öffentlichkeit zur Verfügung, Mietern wird ein Platz am Rand des Schulgeländes zugewiesen. Lärm, der durch Feuerwehreinsätze entsteht, muss von den Nachbarn geduldet werden, heißt es zudem vom Landratsamt. Auch müssen Übungen spätestens um 22 Uhr enden, Reparaturen dürfen nicht vor Ort, sondern müssen in Fachwerkstätten durchgeführt werden.

Für das Projekt hat eine artenschutzrechtliche Prüfung stattgefunden. In Hinblick auf Fledermäuse und gebäudebrütenden Vögel schlägt ein Gutachter vor, den Abriss des alten Feuerwehrhauses von einem Fledermausexperten begleiten zu lassen und am neuen Gebäude mindestens drei Fledermauskästen anzubringen. Einwände von Behörden liegen gegen das Vorhaben nicht vor, auch gibt es keine Stellungnahmen von Privatleuten.

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