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Klötzchen für den Wohntrakt auf dem Feuerwehrhaus. Auf Basis dieses Modell wird weitergeplant. 

Debatte um die Pläne fürs Feuerwehrhaus

Wohnungen ja, aber „nicht um jeden Preis“

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Wohnungen ja, aber in welcher Form und wie viele? Mit kleinen Schritten kommt der Stadtrat mit der Planung für das neue Feuerwehrhaus voran. Die Devise lautet: Alle Vorschläge müssen auf den Tisch.

Tegernsee - „Wir trauen uns Ihnen was zu zeigen, was wir bisher nicht gezeigt haben“, sagte die Münchner Architektin Claudia Schreiber, die jetzt wieder einmal zur Stadtratssitzung gekommen war, um die Planungen für das neue Feuerwehrhaus voranzubringen. Ob sie dabei den Mitgliedern am Ratstisch nicht etwas zu viel zumutete? Nach ausführlichem Durchspielen und Darstellen erneuter Varianten für den Bau von Wohnungen auf dem bereits beschlossenen L-förmigen Feuerwehrhaus – teils mit Klötzchen auf dem Ratstisch, teils mit Computeranimationen an der Leinwand – war der Stadtrat kurz davor, eine weitere Entscheidung zu verschieben. Er machte dann doch einen Schritt, wenn auch einen kleinen.

Bei einer Sondersitzung im März hatte Schreiber den Auftrag bekommen, sich weitere Gedanken für die Wohnungen zu machen. Jetzt zeigte sie wieder verschiedene Versionen – von ein- bis zweigeschossig, mal mit einem rechteckigen Riegel in Nord-Süd-Achse auf dem kurzen Teil der Feuerwehrgarage; mal zurückgesprungen; mal in einer Linie mit dem Sockel. „Über Dachformen und Fassade entscheiden wir später“, sagte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). „Es muss alles auf den Tisch“, begründete er die Flut an Vorschlägen.

Wohnungen fürs Feuerwehrhaus: Eine Flut von innovativen Ideen

Die Stadträte bekamen einen Vorgeschmack auf Machbares. Sie sahen begrünte Flachdächer, mal rund, mal eckig, eingeformt in die Landschaft. Bei einem zweigeschossigen Aufbau mit Wohnungen habe sie aus städtebaulichen Gründen aber Bauchweh, meinte Schreiber. Abgesehen davon, dass man mehr Stellplätze, eventuell ein zweites Treppenhaus und sogar einen Spielplatz brauche. Von Kosten in Höhe von 10 Millionen Euro war ohnehin schon die Rede. Ein L-förmiger Aufbau würde weitere 810 000 Euro verschlingen, über zwei Stockwerke gar zusätzliche 1,7 Millionen Euro.

Die Feuerwehr Kreuth war schwer im Einsatz.

Hagn versuchte die Debatte über innovative Bauformen in Bahnen zu lenken. Florian Kohler (Bürgerliste) konnte sich mit dem Gezeigten nicht anfreunden: „Das passt eher in ein Industriegebiet“, kritisierte er. „Wir sprechen vom Ersatz für ein altehrwürdiges Hauses und Sie zeigen uns grüne Dächer mit Öko-Touch.“ Kohler fragte sich, warum kein traditionelles Dach, wie in Tegernsee üblich, machbar wäre. „Wir predigen ständig, Satteldächer zu verwenden und dann verlassen wir mit Brachialgewalt unseren Stil.“ Hagn erinnerte daran, dass ein Satteldach schon allein wegen der Höhe nicht machbar sei. Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) kam das Gezeigte „wie ein Parkhaus“ vor, ihr fehle die Fantasie, sich etwas Schönes darunter vorzustellen. Auch Peter Friedrich Sieben (FWG) fand keinen Gefallen an den gezeigten Grün-Dach-Bauten. Schreiber warnte vor einer Stilmischung: „Dann bekommen Sie ein Haus, das aussieht wie ein Aldi-Markt.“

Auch interessant: Das ist im Kurgarten geplant.

Bei der Debatte um die Zahl der Wohnungen kristallisierte sich heraus, dass vier bis sieben Wohnungen vorstellbar wären. „Natürlich ist auch mehr mit aller Gewalt machbar“, sagte Schreiber, „aber damit wäre der Schwerpunkt des Hauses verschoben.“ Und der liegt bei einem Feuerwehrhaus. Zudem, so Hagn, kämen Probleme bei der Statik, bei der Erschließung, bei den Parkplätzen und weitere Kosten dazu.

Debatte um Wohnungen fürs Feuerwehrhaus: Mancher fühlte sich überfordert

„Ich fühle mich überfordert“, formulierte Thomas Mandl (SPD) und sah sich angesichts einer „Lawine von Eindrücken und dem Fehlen einer 3-D-Animation eigentlich nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. „Wir verzetteln uns“, befürchtete Bernhard Mayer (CSU) und bedauerte, nicht vorab mit ausreichenden Unterlagen versorgt worden zu sein. Zum Bau von Wohnungen „um jeden Preis“ war er jedenfalls nicht bereit. „Wir müssen weiterkommen“, mahnte Peter Schiffmann (SPD) dann aber, auch Markus Schertler (CSU) forderte, „Nägel mit Köpfen zu machen“. Andreas Obermüller (FWG) verlangte ein Schaugerüst, um sich die Höhenentwicklung an der Hochfeldstraße vorstellen zu können.

Am Ende rang sich der Stadtrat mit einer Gegenstimme (Heino von Hammerstein, Bürgerliste) zu einem Beschluss auf Basis des, so Mandl, kleinsten gemeinsamen Nenners durch: Schreiber soll Vorschläge für einen zweigeschossigen , rechteckigen Wohnungstrakt auf der Nord-Süd-Achse des kleinen Garagenteils machen. Möglichst vorstellbar.

gr

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