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Gegen Seefest-Feuerwerke wie hier in Tegernsee haben die Gegner nichts. Ihnen geht es um die privaten.

Hochzeits-Geböller sorgt für Ärger

Am Tegernsee kracht's: Gruppe fordert Feuerwerk-Verbot

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Tegernseer Tal – Die Brautpaare schießen wieder. Anwohner kriegen wegen der vielen Feuerwerke die Krise, Tiere geraten in Panik – aber Touristiker wiegeln ab. Doch jetzt regt sich Widerstand.

Von rechts schießt’s, von links ballert’s, die Wolken am Himmel reflektieren die bunten Farben der Explosionen. Allein am Wochenende des 1. und 2. August knallte es drei Mal in Tegernsee, zwei Feuerwerke fanden hintereinander am Samstagabend statt. Klar, jedes Spektakel steht für zwei Menschen, die gerade den Bund der Ehe eingegangen sind, und das der Welt – oder zumindest dem ganzen Tal – mitteilen wollen. Aber auch mit dem Gedanken wird die Knallerei kaum erträglicher.

Für Wildtiere lebensgefährlich

Anlieger reißt es aus dem Schlaf. Den Vögeln geht es da schlechter, weiß Werner Fees, ehemaliger Landkreis-Chef des Bund Naturschutz. „Vogelschwärme kommen nach einem Feuerwerk nicht mehr zur Ruhe.“ Erschöpfungszustände sind die Folge, die lebensbedrohlich werden können. Andere Wild- und Haustiere reagieren ebenfalls panisch auf das Geballer. Von der Umweltbelastung durch Rauch und Schießpulver ganz zu schweigen.

Das Tegernsee-Marketing-Chef: "Können Feuerwerke kaum verbieten"

Das Thema ist beileibe nicht neu – die gefühlte Belastung bei vielen Anwohnern im Tal dafür hochaktuell. Die Seefest-Feuerwerke stören kaum jemanden. Dagegen besonders im Fokus: Die Feuerwerke bei den großen Luxushotels, in denen die Reichen und Schönen ihre Verbindungen feiern.

Thomas Baumgartner, Marketing-Chef des Hotels Das Tegernsee, stellt auf Anfrage klar: „Wir bewerben Feuerwerke in keiner Weise.“ Im Gegenteil: „Wir weisen unsere Gäste drauf hin, dass Feuerwerke meldepflichtig sind und sie sich um eine Genehmigung kümmern müssen.“ Genug geballert wird trotzdem an der Klosterwachtstraße. Baumgartner: „Wir können unseren Hochzeitsgesellschaften Feuerwerke kaum verbieten, wenn sie grundsätzlich erlaubt sind.“

TTT: "Begrenzung kaum realisierbar"

Auch Peter Rie, Veranstaltungsmanager bei der Tegernseer Tal Tourismus GmbH, hält wenig von einem Verbot. „In einer Ferienregion müssen Gäste und Anwohner mit Feuerwerken rechnen“, sagt er und verweist gleichzeitig auf eine freiwillige Vereinbarung von 2012. Darin verpflichten sich die großen Hotels, Feuerwerke immer öffentlich in den Medien anzukündigen, auf besonders laute Knaller zu verzichten und nie länger als bis 22.30 Uhr zu schießen. Vielleicht, überlegt Rie, müsse man an diese Vereinbarung wieder erinnern. Von einer Mengenbegrenzung steht darin allerdings nichts. So etwas ist laut Rie „kaum realisierbar“.

Video: Feuerwerk beim Seefest in Tegernsee 2015

Stadt: Bund ist verantwortlich

Auch Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) reagierte skeptisch auf die Anfrage einiger Stadträte. Feuerwerke unterliegen dem Sprengstoffgesetz. „Das ist Bundesgesetz. Die zuständige Behörde ist die Regierung von Oberbayern.“ Die Kommune habe hier wenig Handhabe.

Einigen Stadträten platzte daraufhin der Kragen: „Es ist ja schön, wenn Leute so viel Geld haben, dass sie es in die Luft ballern können“, sagte Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste). „Aber das ist eine Belästigung der Allgemeinheit.“ Rudolf Gritsch (CSU) wurde noch deutlicher: „Wer so großen Wert auf den Radau legt, soll seine Hochzeit woanders feiern.“ Die Verhältnismäßigkeit sei nicht mehr gegeben: Ein Brautpaar freue sich, das ganzes Tal leide. Ein generelles Verbot für private Feuerwerke müsse her. Die Stadtverwaltung prüft jetzt, ob man mit einer Verordnung dem Krach eindämmen könnte. Sie tut gut daran.

Gruppe sagt Feuerwerken den Kampf an

Denn aktuell formiert sich ein breiter Widerstand außerhalb der Ratsgremien. Am Freitag haben sich 13 hochrangige Vertreter mehrerer Schutzverbände im Boarhof in Holz getroffen. Angela Brogsitter-Finck von der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal war dabei, Werner Fees vom Bund Naturschutz und Christine Miller, Publizistin und Gründungsmitglied der neuen Naturschutzorganisation „Wildes Bayern“ – um nur einige Namen zu nennen. Was daraus wird, Aktionsbündnis oder Bürgerinitiative, lassen sie noch offen.

Aber ihr Ziel ist klar: Gemeinsam wollen sie den privaten Feuerwerken im Tal den Kampf ansagen. Sie fordern Gemeindeverordnungen und Umweltschutzzonen, wollen Ministerien und Tal-Gemeinden unter Druck setzen – und sie rechnen sich gute Chancen aus. Werner Fees weiß: „Im Schlierachtal sind wir schon viel weiter.“ Schliersee behandle Feuerwerke wesentlich restriktiver. Dasselbe fordern sie jetzt auch Tegernsee. Brogsitter-Finck: „Die Grenze ist überschritten.“

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