Der Bahnsteig (l.) in Tegernsee ist so alt wie das historische Empfangsgebäude selbst. Jetzt soll er mit finanzieller Hilfe des Freistaats barrierefrei ausgebaut werden.
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Der Bahnsteig (l.) in Tegernsee ist so alt wie das historische Empfangsgebäude selbst. Jetzt soll er mit finanzieller Hilfe des Freistaats barrierefrei ausgebaut werden.

Freistaat sichert 2,4 Millionen Euro zu

Finanzspritze für den Bahnsteig in Tegernsee

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Die Tegernsee Bahn Betriebsgesellschaft mbH (TBG) kann den lange geplanten und dringend nötigen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Tegernsee anpacken. Möglich macht’s eine Finanzspritze des Freistaats Bayern über 2,4 Millionen Euro.

Tegernsee – Der Bahnhof Tegernsee ist etwas ganz Besonderes: Nicht nur, weil er eine lange Tradition hat und das 1902 errichtete Empfangsgebäude heute unter Denkmalschutz steht. Auch der Bahnsteig zwischen Gleis 1 und 2 stammt immer noch aus dieser Zeit. Damals wie heute liegt er 38 Zentimeter über der Schienenoberkante. Die Anpassung der Bahnsteighöhe soll sich nun ändern, eine längst fällige Maßnahme in Zeiten, in denen möglichst viele Menschen zum bequemen Umsteigen auf den ÖPNV bewegt werden sollen.

„Jetzt wird’s Zeit“, stellt Heino Seeger, Geschäftsführer der TBG fest. Er liefert zugleich die Erklärung, warum die überfällige Maßnahme bisher nicht verwirklicht wurde. Spätestens 1998, als die TBG im Zuge der Übergabe des Schienenverkehrs an den Konkurrenzanbieter Oberlandbahn den Betrieb einstellte, hätten die Bahnsteige angepasst werden sollen, berichtet Seeger. „Offiziell wurden Gründe des Denkmalschutzes vorgeschoben.“ Inoffiziell spricht er von wirtschaftlichen Interessen des früheren Mutterkonzerns der TBG, der börsennotierten TAG Immobilien-Aktiengesellschaft, die die gewinnbringende Bebauung von Bahnflächen im Sinn hatte. Seit 2013 sind die Weichen neu gestellt, denn die Stadt Tegernsee, die Gemeinde Gmund und der Landkreis sind Gesellschafter der TBG.

Nach dem Bau des Bahnhalts Finsterwald packt die TBG nun die nächste große Maßnahme an: die Bahnsteigerhöhung. Auf eine Bahnsteiglänge von 120 Metern sollen die zwei Bahnsteigkanten erneuert und von 38 auf 76 Zentimeter erhöht werden – ein Standard, den alle Stationen im Netz der Oberlandbahn bereits haben.

Neuer Bahnsteig in Tegernsee: Maßnahme kostet 3,7 Millionen Euro

Finanziert wird die Maßnahme überwiegend vom Freistaat, wie das Büro der Stimmkreisabgeordneten und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) jetzt mitteilt. 2,4 Millionen Euro wird der Freistaat demnach für die auf 3,7 Millionen Euro geschätzte Maßnahme übernehmen. „Obwohl der Ausbau nicht in die Zuständigkeit des Freistaats fällt, engagiert er sich hier“, betont Aigner. „Das ist wichtig und richtig, damit wir hinsichtlich der Barrierefreiheit im Bahnverkehr schneller vorankommen.“ Bei Stationen der Deutschen Bahn seien eigentlich Bund und Bahn für die Finanzierung verantwortlich, bei Stationen von nicht bundeseigenen Eisenbahn-Infrastrukturen diese selbst. Den verbleibenden Eigenanteil könne die TBG für eine Erhöhung des Stationspreises geltend machen, so dass dieser indirekt ebenfalls vom Freistaat finanziert werde. Im Klartext: Die TBG könnte als Infrastrukturgeber ihre Gebühren für Benutzung der Trassen und Stationen erhöhen.

Baumaßnahme am Bahnsteig: Bürgermeister spricht von „erstem Dominostein“

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) bezeichnet die Maßnahme als „ersten Dominostein“. Im Gespräch sei auch die Überdachung des Bahnsteigs sowie über die Erneuerung der Signaltechnik. Wenn alles geschafft sei, dann werde die Stadt auch Gedanken zur Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und zur Nutzung der alten Güterhalle machen.

Zum Zeitplan: „Das Plan-Genehmigungsverfahren läuft bereits“, sagt Seeger. Hier arbeite die TBG mit einem Ingenieurbüro zusammen. 2022 wird als Baubeginn angepeilt, 2023 soll die Maßnahme geschafft sein.

Ausbau des Bahnsteigs in Tegernsee: Zustiegsproblem in Lint bleibt

Wer jetzt glaubt, die Bahnsteigerhöhung beseitige das Zustiegsproblem bei den neuen Lint-Zügen, den muss Seeger enttäuschen: . „Menschen mit Behinderung werden weiter ein Problem haben, mit eigener Kraft in den Lint einzusteigen.“

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