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Neues Leben für den Sylvensteinspeicher: Die Simpert Ernst (l.) und Christoph von Preysing beim Einsetzen der Seeforellen in den See.

Fischerei Tegernsee: 6000 Seeforellen für die Nachbarn

Warum Preysing den Sylvensteinspeicher besetzt

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Tegernsee – Die Fischerei Tegernsee hilft dabei, dass sich der Fischbestand im Sylvensteinspeichers wieder erholt - und verschenkt 6000 Seeforellen aus dem Fischbruthaus Bad Wiessee.

Die Besatzaktion fand am Zulauf des Sylvensteinspeichers statt. Ausgestattet mit großen Bottichen, wasserdichten Schuhen und Hosen machten sich Fischerei-Chef Christoph von Preysing und sein Kollege, der Fischereimeister Simpert Ernst, ans Werk. Per Hand und geradezu liebevoll schöpften sie die nur wenige Zentimeter kleine Seeforellen aus den Eimern und übergaben 6000 Exemplare ihrer neuen Heimat: dem hellgrünen Wasser des Sylvensteinspeichers.

Durchgeführt wurde die Besatzaktion in Zusammenarbeit mit der Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern, dem Fischereiverein Lenggries und dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim. „Etwa 10 000 kleine Seeforellen wurden eingesetzt“, weiß Bernhard Gum, stellvertretender Leiter der Fischerei-Fachberatung im Bezirk Oberbayern. Weitere Besatzaktionen sollen folgen – mit Sandfelchen (Renken) und Seesaiblingen.

Damit zieht neues Leben ein im Sylvenstein, dessen Fischbestand nach der extremen Absenkung ab November 2015 wegen des Einbaus eines sogenannten Revisionsschützes – einer Art Badewannenstöpsel am Ablass des Sees – arg gelitten hatte. Zwar seien viele Fische herausgefischt worden, erklärt Gum, aber unzählige Fische hatten den monatelangen Niedrigpegel nicht überlebt. Dazu kam, dass sich der Wiederaufstau verzögerte – „eine Katastrophe“ klagten Fischer, da die Baustelle mit der Laichzeit der verbleibenden Fische nicht beendet war.

Doch nun soll sich die Situation normalisieren. Die Seeforellen haben ihre Kinderstube verlassen, die im aktuellen Fall zum Großteil im 1998 eröffneten Fischbruthaus des Bezirks Oberbayern in Bad Wiessee lag. Hier werden früher stark bestandsgefährdete Arten wie Seeforellen, Sandfelchen und Seesaiblinge herangezüchtet. Dafür wird Ende November und Anfang Dezember das Eimaterial der Salmoniden gewonnen – dann wird gebrütet. „Im März schlüpfen die Fische, dann bleiben sie, bis sie eine Größe von fünf bis zehn Zentimeter erreicht haben“, beschreibt Bernhard Gumb den Vorgang. Ein Teil wird in den Zuflüssen des Tegernsees wie Söllbach und Weißach ausgesetzt, ein weiterer Teil weiter aufgepäppelt, bis die Fische etwa 20 Zentimeter erreicht haben. „Das erhöht die Überlebenschancen“, sagt Gumb.

Abgesehen von der Beseitigung von Hochwasser-Schäden im Juni 2013, wurde das Bruthaus im vergangenen Winter erstmals seit der Gründung umgebaut. Bisher wurden die Brutbecken ausschließlich mit Grundwasser gespeist, nun ist der Betrieb auf Seewasser umgestellt. Auch wurde das Bruthaus mit sogenannten Langstromrinnen ausgestattet. „Darin können die mit den Fischeiern gefüllten Brutkästen besser umspült werden“, erklärt der Fischerei-Experte. Etwa 20 000 Euro wurden investiert.

Das Programm der Fischerei Tegernsee und der Fischereifachberatung zeigt Erfolg: Durch die jährliche Besatzmenge zwischen 50 000 und 100 000 bei der Forellenbrut und etwa 50 000 Stück beim Seesaibling ist der Bestandstrend inzwischen wieder leicht positiv.

Und wie sich im Fall des Sylvensteinspeichers zeigt, können die Tegernseer damit auch aushelfen, wenn Not am Mann, beziehungsweise am Fisch ist. Simpert Ernst und Christoph von Preysing macht die Aktion auch stolz: Sie haben ihren Einsatz auf der Facebook-Seite der Fischerei gepostet und mit einem glücklichen Smiley versehen: „Wir hoffen damit, einen natürlichen Seeforellenbestand zu fördern“, schreiben sie dazu. „Super!“, „Saucool“, „Toll!“ lauten die anerkennenden Kommentare dazu.

gr

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