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Friseurmeisterin aus Tegernsee im Corona-Interview: „Wir hatten Absagen ohne Ende“

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Von: Gabi Werner

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Manuela Krones, Friseurmeisterin aus Tegernsee
Manuela Krones betreibt in Tegernsee den Salon „Haargenau“. © privat

Für die Friseure werden die Corona-Regeln wieder verschärft. Im Interview erklärt Friseurmeisterin Manuela Krones (52) aus Tegernsee, wie es ihr zuletzt ergangen ist und welche Befürchtungen sie hat.

Tegernsee – Manuela Krones ist Friseurmeisterin mit Leib und Seele. Seit bald 20 Jahren betreibt sie an der Tegernseer Hauptstraße ihren Salon „Haargenau“. Die Corona-Krise und die damit verbundenen Auflagen haben die 52-Jährige vor große Herausforderungen gestellt. Jetzt drohen neue Verschärfungen für ihre Branche – falls die Inzidenz auf über 1000 steigt, muss sie ihren Betrieb nach den derzeitigen Plänen der Staatsregierung sogar komplett wieder schließen. Im Interview berichtet Krones, wie es ihr mit der Situation geht.

Erst 3G plus, ab Mittwoch 2G, bei einer Inzidenz über 1000 die Komplett-Schließung. Kennen Sie sich noch aus, Frau Krones?

Manuela Krones: Ja, aber nur deshalb, weil ich immer die aktuellen Nachrichten verfolge und mich aktiv darüber informiere, welche Verordnungen gerade wo gelten. Aber das Ganze ist natürlich schon irritierend und manches ist auch nicht ganz nachvollziehbar.

Zum Beispiel?

Manuela Krones: Die 3G-Regelung habe ich als sehr gut empfunden. Da haben wir mit den meisten Kunden eine Lösung gefunden, auch wenn manche Angst vor den herkömmlichen Tests hatten. Für die haben wir Spucktests ermöglicht. Dann aber kam die 3G plus-Regel – durch die haben wir etliche Kunden verloren. Denn kein Mensch macht für einen Friseurbesuch einen PCR-Test für 80 Euro.

Das heißt, die für Mittwoch (24. November) geplante Einführung von 2G in den Friseur-Salons macht für Sie gar keinen Unterschied mehr?

Manuela Krones: Tatsächlich stört mich das nicht. 3G plus oder 2G – das läuft im Prinzip auf das Gleiche hinaus.

Wie sehr fürchten Sie die 1000er-Inzidenz und die damit verbundene Komplett-Schließung Ihres Salons?

Manuela Krones: Natürlich habe ich diese Sorge immer im Hinterkopf. Ich weiß ja auch gar nicht, wie die Gesetzeslage dann ausschaut: Kann ich meine Leute wieder in Kurzarbeit schicken oder nicht? Wenn ja, müssen meine Mitarbeiterinnen erst einmal ihren Urlaub aufbrauchen. Das alles ist schon eine große Belastung.

Man kann also durchaus von Existenzängsten sprechen?

Manuela Krones: Die hat man schon, ja. Seit fast zwei Jahren arbeiten wir fast immer am Limit. Durch den dreimonatigen Lockdown sind uns zahlreiche Kunden auf Dauer verloren gegangen. Denn die Schwarzarbeit hat während dieser Zeit geboomt, viele haben sich unter der Hand die Haare schneiden lassen. Da habe ich wahnsinnige Sachen erlebt. Und das wird wieder so sein, wenn die strenge Regelung mit 3G plus oder 2G bleibt oder wir ganz schließen müssen.

Ihr Terminkalender hat sich zuletzt also arg ausgedünnt?

Manuela Krones: Ja, wir hatten Absagen ohne Ende. Das lag zum einen an 3G plus, zum anderen aber auch an der hohen Inzidenz. Gerade viele ältere Menschen hatten Angst, zu uns zu kommen, weil sie noch nicht geboostert sind. Dabei halten wir uns strikt an alle Hygieneregeln und machen sogar noch mehr, um niemanden zu gefährden: Wir tragen alle FFP2-Masken, halten den Abstand von 1,50 Metern ein und desinfizieren nach jedem Kunden den kompletten Platz. Ich habe mich sogar schon auslachen lassen müssen dafür, dass wir es mit den Vorsichtsmaßnahmen so genau nehmen.

Sie haben aber ja auch eine große Verantwortung in diesen Zeiten.

Manuela Krones: So ist es. Ich möchte einfach ein reines Gewissen haben, dass ich alles gemacht habe, um niemanden zu gefährden.

Wurmt es Sie manchmal, dass ausgerechnet Ihrer Branche jetzt schon wieder harte Maßnahmen ins Haus stehen?

Manuela Krones: Ich bin niemand, der sagt: Jetzt trifft es schon wieder uns! Ich kann das für die Gemeinschaft schon mittragen. Was ich allerdings nicht nachvollziehen könnte, wäre, wenn irgendwann die 2G plus-Regel für uns kommt: Die Kunden sind geimpft, tragen Maske und müssten dann noch einen Test machen – das wäre für mich nicht mehr nachvollziehbar.

Was wünschen Sie sich persönlich von Ihren Mitmenschen und Kunden, damit es nicht zu weiteren Maßnahmen wie einer Komplettschließung kommen muss?

Manuela Krones: Ich wünsche mir, dass wir Erwachsenen uns zusammenreißen, damit wir unseren Kindern wieder ein normales Leben ermöglichen können. Die persönliche Freiheit hört für mich da auf, wo ich andere gefährde. Wenn ich zum Beispiel höre, dass es Leute gibt, die Corona-Partys feiern, dann ist das in meinen Augen ein Unding. Diese Leute laufen dann munter drauf los und stecken wieder andere an – derart verantwortungslos durchs Leben zu gehen, das geht überhaupt nicht.

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