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Die Pächter des Bastenhauses, Alexandra Hollweck und Rudi Ammer, schließen das Hotel am Sonntag. Der Besitzer hat das Haus an den Freistaat vermietet.

Regierung dreht Geldhahn zu

Aus fürs Flüchtlingsheim Bastenhaus?

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Tegernsee - Dieses Wochenende noch, dann ist im Tegernseer Hotel Bastenhaus Schluss. Ab 1. Juni ist der Freistaat Mieter. Doch als Flüchtlingsunterkunft wird das Hotel nun doch nicht gebraucht. 

Elf Jahre lang waren Rudi Ammer und Alexandra Hollweck Pächter des Hotels Bastenhauses. Am Sonntag müssen sie dicht machen. Ab 1. Juni ist der Freistaat Mieter, der Vertrag gilt zehn Jahre lang. Eigentlich sollten Flüchtlinge in das Haus einziehen. Doch für die nötigen Umbauten gibt’s kein Geld mehr. 

Alexandra Hollweck hatte  am Freitag alle Hände voll zu tun.  Am Samstag noch ist das Hotel in Betrieb, am Sonntag reisen die letzten Gäste ab. „Ab Montag ist zu“, sagt Hollweck. Elf Jahre lang hat sie mit Lebenspartner Rudi Ammer das Bastenhaus als Pächter geführt. Doch ab 1. Juni hat der Eigentümer das Haus an den Freistaat vermietet, zur Nutzung als Flüchtlingsunterkunft. Die Frage, ob das Pächterpaar das Hotel gern weiterbetrieben hätte, lässt Hollweck unbeantwortet: „Dazu sagen wir nichts.“

Glücklich ist man über die Situation auch am Miesbacher Landratsamt nicht. Dabei schien es eine gute Idee zu sein, das Drei-Sterne-Hotel direkt am Tegernsee anzumieten. Wie berichtet, sollten dort 60 Asylbewerber einziehen. Die Hotel Bastenhaus GbR als Eigentümerin hatte das Haus dem Freistaat als Flüchtlingsunterkunft angeboten. Das Landratsamt, in diesem Fall als verlängerter Arm der Regierung von Oberbayern tätig, schloss einen Mietvertrag ab. Der gilt zehn Jahre lang, wie Gerhard Brandl als Sprecher des Landratsamts erklärt. 

Die Unterschrift war kaum trocken, als der Flüchtlingsstrom nach Bayern abebbte und der Freistaat die Order ausgab, keine neuen Objekte für Flüchtlinge zu bauen oder anzumieten. Der Mietvertrag fürs Bastenhaus war da schon gültig. „Aber es dürfen keine weiteren Kosten entstehen“, erklärt Brandl. Im Hotel am See wären aber kleine Umbauten nötig, um Flüchtlinge einzuquartieren. So müsste die Küche so umgerüstet werden, dass kleinere Kochstellen entstehen. Zudem besteht schlicht kein Bedarf mehr für die Schaffung neuer Flüchtlingsunterkünfte. 

Was jetzt mit dem Hotel passieren soll, ist offen. „Wir hängen total in der Luft“, sagt Brandl. „Das ist wirklich ungut.“ Denkbar wäre, dass sich die Regierung von Oberbayern mit den Eigentümern über eine Auflösung des Mietvertrags einigt oder das Haus ohne Umbauten für Flüchtlinge nutzt. Noch ist nichts entschieden. Das Bastenhaus sei eines von vielen Objekten in Bayern, über deren künftige Nutzung man nachdenken müsse, berichtet Martin Nell, Sprecher der Regierung von Oberbayern. „Wir suchen nach der wirtschaftlichsten Lösung.“ 

Unterdessen fürchtet Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn nichts mehr als noch ein leer stehendes Hotel an der Hauptstraße. „Das Guggemos ist ja inzwischen eine Ruine“, seufzt der Bürgermeister. Er werde das Gespräch mit den Eigentümern des Bastenhauses suchen. Sie sind nicht im Tegernseer Tal ansässig – mehr sagt Hagn nicht zu den Personen hinter der Bastenhaus GbR. „Mein größter Wunsch wäre, dass da wieder ein Hotel eröffnet“, erklärt Hagn. 

Sehr deutlich hat der Stadtrat gemacht, was er nicht will: Die Umwandlung des Hotels in Eigentumswohnungen. Eben dies hatte die Bastenhaus GbR schon beantragt. Den Wunsch auf Nutzungsänderung in ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen lehnte der Stadtrat im April ab. Zudem verhängte das Gremium eine Veränderungssperre. Dass über die Hintertür Flüchtlingsheim eine Eigentumswohnanlage geschaffen werden kann, will Hagn unbedingt verhindern. Aber auch die Unterbringung von anerkannten Asylbewerbern ist nicht sein Ziel. Denn dafür wäre dann nicht der Landkreis, sondern die Stadt zuständig. Eine solche Last, macht Hagn klar, wolle er dem Stadt-Haushalt nicht aufbürden.

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