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Konzentriert und mit viel Herzblut: Chor und Orchester der Kantorei sowie der Palestrina Motettenchor und Solisten setzten Händels „Messiah“ im englischen Original in Szene. Bis auf Weiteres das letzte Konzert dieser Art in der Tegernseer Pfarrkirche. 

Kantorei Tegernsee setzt „Messiah“ in Szene

Furioses Finale für Konzertreihe in der Kirche

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Es war ein Ausrufezeichen zum Schluss: Chor und Orchester der Kantorei Tegernsee haben zusammen mit dem Palestrina Motettenchor und Soplisten Händels „Messiah“ eindrucksvoll auf die Bühne gebracht - letztmals in dieser Form in der früheren Klosterkirche in Tegernsee.

Tegernsee – Händels „Messiah“ in der Tegernseer Schlosskirche an Hochneujahr war der grandiose, emotional mitreißende, fulminante Höhe- und Schlusspunkt des Weihnachtsfestes 2018. Und gleichzeitig das schmerzhafte Ende einer ebensolchen Weihnachts-Tradition – aus Brandschutzgründen.

Georg Friedrich Händels „Messiah“ in englischer Originalsprache, der zu den weltweit bekanntesten Werken der sakralen Musik zählt, war nach Bachs Weihnachtsoratorium, Haydns Schöpfung und Verdis Requiem eine logische Fortsetzung im Programm, mit dem Kantor Sebastian Schober die jeweils zwei Weihnachtskonzerte pro Saison zu einer sehr besonderen Tradition gedeihen ließ – sowohl für die Klassikfans und Gäste des Tegernseer Tals, als auch für Kenner aus der Landeshauptstadt, die zunehmend für das wahre Weihnachtsgefühl nach Tegernsee pilgerten. Schober mit seinem Kantorei-Chor, ein ums andere Mal verstärkt durch den Palestrina Motettenchor, und dem Kantorei-Orchester haben sich über Jahre mutig großen und anspruchsvollen Werken gestellt, Chorgesang und Spiel auf höchstem Niveau geliefert und sich dadurch einen Namen gemacht. Der „Messiah“ am Samstag machte da keine Ausnahme. Höchstens vielleicht, dass die Barockmusik Händels besonders gut in die barocke Kirche passte und Kirchenraum und Komposition geradezu zu einem physischen Erlebnis und Glaubensbekenntnis verschmolzen.

Das dreiteilige Werk umfasst die christliche Heilsgeschichte, beginnend mit den alttestamentlichen Prophezeiungen, über das Leben Jesu von seiner Geburt bis zu seinem Tod am Kreuz, und das Versprechen seiner Auferstehung und die damit einhergehenden Erlösung. Per se ist das Werk schon sehr emotional und mit seinen vier Solisten opernhaft angelegt. Es verlangt den Sängern mit seinen Koloraturen, Modulationen, Legati und Verzierungen großes Können ab. Was Rita Kapfhammer (Alt), Andrew Lepri Meyer (Tenor), Thomas Hamberger (Bass) und Katja Stuber (Sopran) darüber hinaus boten, war zum Niederknien schön, berührend.

Die Prophezeiung geriet durch Meyer sanft, aber eindringlich. Stubers Sopran-Arie „Rejoice greatly“ entwickelte sich von einem hellen, kapriolenhaften, nach oben gerichteten Ausdruck der Freude zu einer beschwörenden Aufforderung zum Frieden. Der Chor konterte dialoghaft mit einem vielstimmigen Klangkörper, den er mal emporsteigen, mal durch den Kirchenraum branden ließ. Schon dem „Lift up your heads“, bei dem Dirigent Schober das Können der Sänger mit einladender Geste einforderte und bis zum „Glory“ zuspitzte, konnte sich keiner entziehen. Höhepunkt war freilich das mächtige, berühmte „Halleluja“, das mit den Bläsern etwas Himmlisches, Hin- und Mitreißendes hatte und beim „He shall reign for ever and ever. King of Kings and Lord of Lords“ unweigerlich Gänsehaut hervorrief. Ebenso wie das Versprechen im dritten Teil, das der Kantorei Chor über das Lob der „Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Segen“ nach oben schraubte, um den Klang dann regelrecht über den Anwesenden auszuschütten – bis das Werk im „Amen“ verebbte. Minutenlanger Applaus huldigte diese grandiose Leistung und entließ ein schier fassungsloses Publikum.

Historiker und Chormitglied Roland Götz hatte die Besucher zuvor schon aufgeklärt, dass es sich aus Brandschutzgründen um das zunächst letzte Konzert dieser Art handele. Nicht wenigen war die Frage auf die Stirn geschrieben, wer sich denn künftig um diesen Brandschutz für die Seele kümmern wird, wie ihn ein solches Konzert fraglos darstellt. 

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