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Der Zugang zur Baustelle am Breitenbach in Bad Wiessee ist bereits abgeriegelt.

Wird an Land gebaut

Umstrittenes Polizei-Bootshaus am Tegernsee: Freistaat wirft Plan über Bord

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Ein schwimmendes Bootshaus, um jedem Hochwasser problemlos zu trotzen – das war der Plan. Doch es kommt anders: Das Bootshaus für die Polizei Bad Wiessee wird nun großteils an Land gebaut.

Bad Wiessee/Tegernsee – Im Oktober zog ein Bagger nördlich der Breitenbachmündung in Bad Wiessee schon mal einen Graben für Rohre und Leitungen. Der Freistaat Bayern stellte seine Bautafel auf. Ab Mitte 2018, so hieß es, soll das neue Haus für das Wiesseer Polizeiboot stehen. Den Grund dafür, den bisher der Yachtclub Bad Wiessee gepachtet hatte, stellt Herzog Max in Bayern zur Verfügung. Dann kam der Winter – und mit ihm die Einsicht, die Pläne zu überarbeiten.

So soll das neue Bootshaus für das Polizeiboot vom Süden her aussehen. Grafik: Staatliches Bauamt Rosenheim

Die Stadt Tegernsee, zuständig für alles, was sich am See und seinem Ufer abspielt, hat die neuen Pläne inzwischen auf dem Tisch. Bei seiner jüngsten Sitzung musste sich der Bauausschuss damit befassen. Und siehe da: Der Freistaat hat seine Pläne für eine schwimmende Version des Bootshauses über Bord geworfen. Wie ein Katamaran sollte die Konstruktion aus Eisen und Stahlblech im Tegernsee schwimmen, um sich damit jedem Wasserstand anpassen zu können. Zwei sogenannte Dalben, an den Längsseiten in den Boden gerammte Pfähle, hätten die Hütte tragen sollen. „Man ist zu der Überzeugung gekommen, dass diese Planung zu aufwendig wäre“, informierte Bauamtsleiterin Bettina Koch die Mitglieder am Ratstisch.

Geplant ist nun ein „festes Haus“, das zur Hälfte am Ufer, also auf festem Boden stehen soll. „Auf Schwemmland“, ergänzte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), der damit die Frage von Florian Widmann (CSU) beantwortete, warum dann immer noch die Stadt Tegernsee und nicht die Gemeinde Bad Wiessee dafür zuständig sei. Auch Schwemmland falle in den Zuständigkeitsbereich der Stadt, erklärte Hagn. Allerdings, so der Rathauschef, würde sich Bad Wiessee parallel mit den Plänen befassen.

Was ändert sich sonst an den Plänen? Laut Koch werde sich die Wandhöhe um einen halben Meter auf 4,60 Meter erhöhen. An den Ausmaßen des Bootshauses mit einer Länge von 15,50 Metern und einer Breite von 7,60 Metern wird sich nichts ändern. Die Holzfassade wird von fünf Fenstern an beiden Längsseiten unterbrochen. Das Haus bekommt einen festen Holzsteg, an dem das Boot bei höherem Wasserstand festgemacht wird. „Ein schwimmender Steg wäre nicht zielführend“, erklärt Doris Lackerbauer, Leiterin des Staatlichen Bauamts auf Nachfrage. Im Falle eines Hochwassers würde nämlich auch der Zugang zum Steg unter Wasser stehen. Das Boot könne bis zu einem Wasserstand von Meldestufe 3 in der Garage bleiben, „bei höherem Wasserstand wird es am Steg festgemacht.“ Eine Spundwandkonstruktion mit Holzpfählen und eine Stahlbeton-Bodenplatte werden dem Haus den nötigen Stand geben.

Wie viel Geld sich der Freistaat durch die neue Planung spart, das will das Staatliche Bauamt Rosenheim noch nicht sagen. „Fest steht, dass erhebliche Kosten eingespart werden“, so Lackerbauer. Verlässliche Angaben könnten erst nach der detaillierten Planung angegeben werden. Bislang war von 450 000 Euro die Rede.

Im Bauausschuss war die neue Version schnell durch. Lediglich Peter Hollerauer (FWG) hakte ein: „Ich war schon immer gegen das Vorhaben“, gestand er. „Es widerstrebt mir einfach, dass für ein Polizeiboot so ein großes Haus gebaut wird.“ Hagn ließ eine neuerliche Diskussion aber gar nicht aufkommen: „Die möchte ich jetzt nicht mehr führen.“

Tatsächlich war in der Vergangenheit heftig am Ratstisch und auch in der Öffentlichkeit debattiert worden. Über Sinn und Zweck des Bootshauses grundsätzlich, aber auch über die Gestaltung. Der Freistaat hätte sich sogar an eine extravagante Gestaltung getraut – erntete dafür aber im Stadtrat vernichtende Kritik - und verwarf die Ideen.

 Jetzt ist eine solide Lösung mit festem Boden unter den Füßen tatsächlich greifbar nahe, denn der Bauausschuss segnete den Plan mit einer Gegenstimme ab. Er fügte dem Beschluss aber hinzu, dass das Bootshaus wieder entfernt werden müsse, wenn kein Polizeiboot mehr im Einsatz ist.

Wann das Bootshaus tatsächlich steht, ist noch offen. Dann finden die Polizisten, die das 2016 eingeweihte, 60 000 Euro teure Boot steuern, aber auch wesentlich bessere Bedingungen vor als bisher. Die alte Bootshütte liegt am Schorn in Rottach-Egern, die neue Hütte nur rund 600 Meter Luftlinie von der Polizei-Dienststelle entfernt.

gr

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