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Walburga Vervier (l.) nimmt das Poesiealbum ihrer verstorbenen Schulkameradin Erika Mayer (r.) aus Tegernsee als Erinnerungsstück entgegen.

Schulfreundin nimmt es in Empfang

Geheimnisvolle Reise von Tegernseer Poesiealbum findet Ende

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Tegernsee – Die geheimnisvolle Reise eines Poesiealbums bewegt unsere Leser, seitdem wir am 22. August erstmals darüber berichteten. Jetzt hat die Reise ein Ende gefunden.

Es ist das Album der Tegernseerin Erika Mayer, das auf einem Flohmarkt in Hannover aufgetaucht war. Ein 69-jähriger Schnäppchenjäger hatte das Büchlein mit beigefarbenem und mit zarten Blumen bedrucktem Seidenstoff für ganze drei Euro erstanden und sich an die Redaktion unserer Zeitung gewandt.

Der Aufruf auf Hinweise zum Verbleib von Erika Mayer blieb nicht ohne Erfolg: Antonie Bäumer-Apfel, eine geborene Keller, die mit Mayer vor über 60 Jahren in Tegernsee die Schulbank gedrückt hatte, meldete sich und stellte den Kontakt zu einer weiteren Ex-Klassenkameradin her: Walburga „Walbi“ Vervier, geborene Spiel. Auch sie hatte sich – ebenso wie Tegernsees Altbürgermeister Peter Janssen – in dem Poesiealbum verewigt.

Die 3. Klasse der Tegernseer Volksschule 1956: Links Lehrerin „Fräulein“ Reiter, Erika Mayer (4.v.r., unten), Antonie Bäumer-Apfel (4.v.r., 2. Reihe v.unten), Walburga Spiel (2.v.l., 2. Reihe von unten).

An dieser Stelle schließt sich nun vorläufig der Kreis: Vervier, die nach dem Abitur in Tegernsee 1967 das Tal Richtung München verließ, um dort Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte zu studieren, war offenbar die einzige der ehemaligen Klassenkameradinnen, die zu Erika Mayer Kontakt hielt. „Bei einem Klassentreffen 1984 in Tegernsee im damaligen Alpbachstüberl merkten wir, dass wir uns gut verstanden“, erzählt Walburga Vervier. Es folgten regelmäßige Besuche und Gegenbesuche in München und Berlin, wo Erika Mayer als Sportlehrerin tätig war. Auch gemeinsame Städtetouren, etwa nach Paris, unternahmen die beiden Damen. „Wir telefonierten regelmäßig, Erika verfasste Briefe mit ihrer wunderbaren Handschrift.“ Dann wurde Mayer jedoch krank und verstarb am 3. Juli 2013 – kinderlos, geschieden. „Walbi“ Vervier nahm an der Beisetzung in Berlin teil. Was sie im Nachhinein traurig mache, sei die Tatsache, dass ein Freund Erikas und zugleich Universalerbe („ein gewisser Wolfgang“), ihr nicht das kleinste persönliche Andenken an die Freundschaft mit Mayer zukommen ließ. „Kein Bild, einfach nichts.“

Um so mehr freut es Vervier nun, dass sie aufgrund des Zeitungsberichts nun doch zu einem Erinnerungsstück kommt. Am gestrigen Dienstag nahm sie in Tegernsee das Poesiealbum in Empfang. „Es wird einen schönen Platz in einem Regal bekommen, das voller Erinnerungsgegenstände ist“, sagt die ehemalige Tegernseerin. Wie das Büchlein tatsächlich auf den Flohmarkt in Hannover kam, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

gr

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