Zum besonderen Geburtstag von Herzogin Helene in Bayern wird es wegen Corona kein großes Fest geben. Sie wünscht sich Unterstützung für Familien.  Foto: Thomas Plettenberg
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Zum 80. Geburtstag von Herzogin Helene in Bayern wird es wegen Corona kein großes Fest geben. Sie wünscht sich Unterstützung für Familien.

Spendenaktion zum Geburtstag

Herzogin Elizabeth in Bayern wird 80 Jahre alt: „Geradlinigkeit ist mir wichtig“

  • Alexandra Korimorth
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Herzogin Elizabeth in Bayern wird am 31. Dezember 80 Jahre alt. Eine große Feier findet wegen Corona nicht statt. Wir haben mit ihr über das besondere Datum gesprochen.

Tegernsee – Am Donnerstag feiert Herzogin Elizabeth in Bayern ihren 80. Geburtstag – unter Corona-Bedingungen, wie alle. Dabei wäre schon der engste Familienkreis eine große Runde: Die Herzogin ist fünffache Mutter und hat ein Dutzend Enkel.

Herzogin Elizabeth, wie und wo werden Sie Ihren 80. Geburtstag begehen?

Ich habe meinem Mann vorgeschlagen, dass wir uns einfach ins Auto setzen und sehen, wohin es uns bringt. Notfalls könnten wir im Auto übernachten. Da hätten Sie sein Gesicht sehen sollen! Daraufhin hat er sofort ein Hotelzimmer gebucht, damit wir am 31. weg sind von zu Hause. Ob das coronabedingt klappt, wissen wir nicht. Aber so oder so: Es wird kein großes Fest geben. Was ich vermissen werde, weil es mir stets große Freude bereitet, ist das Geburtstagsschießen der Gebirgsschützen. Da rührt sich was.

Schmerzt es Sie, dass kein rauschendes Fest stattfinden kann?

Nein, überhaupt nicht. So ein Familienfest für alle zu organisieren, ist sehr schwierig. Unsere Familie lebt ja überall in Europa. Einmal – ich glaube, es war mein 70. Geburtstag – waren alle Kinder da und ich habe das gar nicht richtig wahrgenommen. Ich hatte keine Gelegenheit, mich mit allen ausführlich zu unterhalten. Außerdem finde ich es wichtiger, dass Familien an Weihnachten zusammenkommen. Deshalb haben wir vor Weihnachten beschlossen, dass das Geld, welches wir in eine Geburtstagsfeier investiert hätten, Menschen im Tegernseer Tal zu Gute kommen soll. Wir geben es an Pfarrer Weber und die Nachbarschaftshilfe Tegernseer Tal, damit sie Familien in der Corona-Zeit helfen können. Jeden, der mich zum Geburtstag beschenken will, bitte ich, meine Basisspende von 2500 Euro aufzustocken.

Sie engagieren sich seit Jahren im sozialen Bereich und stehen damit in der Tradition von Königin Karoline. Was bereitet Ihnen besondere Freude?

Ich bin sehr dankbar, dass ich mit den Führungen – täglich vier Stück zu jeweils einer Stunde – im Rahmen der Tegernseer Woche helfen kann. Die Leute mögen offensichtlich, was ich ihnen über die Geschichte erzähle – auch wenn das meist sehr spontan ist, wie über den Bankettsaal, der mal der Empfangssaal der Äbte war. Auch wie wir als Familie was renoviert, gestrichen oder geputzt haben, scheint sie so zu interessieren, dass jedes Mal Geld zusammenkommt, das ich gerne an lokale Projekte der Kirche spende, die Königin Karoline mitbegründet hat. Und es macht mir Freunde, die Familiengeschichte ein bisschen mit einem archäologischen Ansatz zu untersuchen. Mittlerweile kenne ich jeden Millimeter des Hauses.

Sie wohnen seit 1979 nicht mehr in Kreuth, sondern hauptsächlich auf Schloss Wildenwart. Im ehemaligen Kloster Tegernsee haben Sie aber viel renoviert. Hier gab’s auch den ersten herzoglichen Flohmarkt.

Ja, der Flohmarkt war lustig. Ich halte nicht viel davon, wenn Sachen ungenutzt auf dem Speicher stehen, wenn sie vielleicht für jemanden von Bedeutung sind. So hat bei dem Flohmarkt, wo wir alle zusammengeholfen haben, unser Schwiegersohn Rotweingläser gekauft, anstatt sie zu verkaufen. Es gab Leute, die haben Nachttöpfe erworben, weil sie sie an ihre eigene Kindheit erinnert haben. Oder Suppentassen aus Bad Kreuth, aus denen sie heute ihren Espresso trinken.

Einen herzoglichen Flohmarkt fanden manche revolutionär. Sie scheinen Demokratin zu sein. Darf man das als Mitglied der Wittelsbacher?

Darüber denke ich gar nicht nach. Habe ich auch nicht, wenn wir beispielsweise bei Königin Beatrix in Holland zur Jagd eingeladen waren. Viele Vertreter der europäischen Königshäuser sind großartig. Wir haben eine Tochter, die mit dem Liechtensteiner Erbprinzen verheiratet ist, und da sehe ich, dass man lernt, mit dem Amt zu leben – nicht das Amt zu leben. Demokratin? Ich würde es so formulieren: Ich konnte mich nie damit anfreunden, etwas anderes zu sagen als das, was ich empfinde. Ich erinnere mich an einen offiziellen Pressetermin für Nymphenburg in Berlin: Da habe ich das Gesicht verzogen, weil ich immer dasselbe gefragt wurde. Danach bin ich nie wieder für so etwas angefragt worden und konnte zu Hause bleiben.

Sie haben fünf selbstbewusste Töchter und fünf ebensolche Enkelinnen: Was macht starke Frauen aus?

Ich denke, man sollte sich nie zu fein sein für irgendetwas und sich nicht für etwas Besseres halten. Frauen sollten offen sein. Eine gute Ausbildung öffnet Augen und Türen – auch im Ausland. Ist man dann dort, sollte man immer dafür sorgen, dass man sich nicht festfährt und jederzeit wieder zurück kann. Meine älteste Enkelin Sophie lebt und arbeitet beispielsweise mit ihrem Mann nicht länger in London, sondern in Paris. Meine andere Enkelin hat ein Jahr ein Praktikum in Hongkong gemacht und wieder eine andere hat in Peking gearbeitet – beide mit der Option, wieder nach Hause zu können, falls es für sie als Frau irgendwie schwierig geworden wäre.

Wie haben Sie „Familie“ leben können?

Zu meiner Zeit war es selbstverständlich, dass Frauen zu Hause bei den Kindern und Männer bei ihrer Arbeit waren. Ich habe mich auch gerne um unsere Töchter gekümmert und selten offizielle Termine wahrgenommen. Aber unsere Kinder sind auch irgendwann ins Internat gekommen, weil mein Deutsch zu schlecht war, als dass ich weiter mit ihnen Hausaufgaben hätte machen können. Heute ist es so, dass die Frauen ebenfalls arbeiten – egal ob sie das wollen oder müssen. Damit Familie heute funktioniert, braucht es Einrichtungen für Kinder. Kindergärten und Kinderkrippen sind zu unterstützen. Da sind wir alle gefragt.

Inwieweit entspricht das Leben im europäischen Hochadel den Darstellungen in der Klatschpresse? Fallen freie Entfaltung und Selbstbestimmtheit wirklich den gesellschaftlichen und politischen Anforderungen zum Opfer?

Es gibt solche und solche: Die einen tun was, und die anderen sprechen drüber. Dabei darf man nicht vergessen, dass das, was ich in der Presse über mich lese, nicht immer das ist, was ich tatsächlich bin. Viele Sachen, die man liest, stimmen einfach nicht. Und wer was im Kopf hat, der gibt darüber ohnehin nicht dauernd Interviews. Aber es kommt darauf an, wie der Mensch ist. Denn Publicity und seinen Namen kann man – wie meine Tochter Elizabeth Marie, die sich für eine Multiple Sklerose Stiftung engagiert – auch positiv einsetzen. Wenn sie vor einem Rollstuhlfahrer auf die Knie geht, dann ist das keine Show, sondern weil sie mit ihm auf Augenhöhe sein möchte.

Wie lautet Ihr Lebensmotto? Was muss man tun, um mit 80 Jahren so fit und gesund zu sein wie Sie?

Geradlinigkeit ist mir wichtig. Und ich bin sehr froh über die Dinge, die ich habe tun dürfen und können. Dass ich mit 80 Jahren noch ganz gut unterwegs bin, liegt jetzt nicht an einer besonders gesunden Lebensführung – abgesehen davon, dass ich täglich über Jahrzehnte mit unseren Hunden spazieren gegangen bin. Es liegt vielleicht daran, dass ich einen sehr guten Mann habe, der mir alles durchgehen lässt. Aber ich bin auch eine brave Frau, weil ich ihm ebenfalls alles durchgehen lasse. Das Beste daran: Er spielt Klavier und bringt mir täglich Musik in mein Leben – auch wenn er zehn Jahre gespart hat, bis er den Flügel kaufte und wir auch heute so tun müssen, als würden wir sein Spiel nicht hören, weil es mein Mann grundsätzlich nicht mag, wenn man ihm zuhört.

Spenden statt Geschenke

Unter „Spendenaufruf Herzogin Elizabeth“ können Gratulanten aufs Konto der evangelischen Kirche Tegernsee-Rottach-Kreuth bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee einzahlen (IBAN: DE79 7115 2570 0620 0780 48)

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