Vor Ort an der Westerhofstraße nahm das Gericht den Hag unter die Lupe.
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Vor Ort an der Westerhofstraße nahm das Gericht den Hag unter die Lupe.

Verwaltungsgericht tagte in Tegernsee

Gerangel um einen Hag

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Im Streit um einen gut 40 Jahre alten Hag trafen sich jetzt ein Anwohner der Westerhofstraße, Vertreter des Landratsamts Miesbach und Unternehmer Andreas Greither vor Gericht. Dabei wurde klar: Es geht um mehr, als nur um den Hag.

  • Verwaltungsgericht verhandelte in Tegernsee. Es ging um einen Hag nahe des Westerhof-Hotels.
  • Landratsamt will Fällung untersagen.
  • Richterin spricht die Streitereien rund um den geplanten Hotelbau an.

Tegernsee – Nachdem zunächst die Lage vor Ort in Augenschein genommen worden war, trafen sich alle Beteiligten sowie der Gerichtstross der für Natur- und Landschaftsschutz zuständigen 19. Kammer des Verwaltungsgerichts München im Sitzungssaal des Rathauses zur mündlichen Verhandlung. Darum ging’s: Schon im Juli 2019 hatte das Oberlandesgericht München den Unternehmer und Hotelier Andreas Greither in einem zivilrechtlichen Prozess unter anderem dazu verurteilt, auf einem Grundstücksteil, für den Grunddienstbarkeiten eingetragen sind, Pflanzen über zwei Metern Höhe zu entfernen.

Das Landratsamt Miesbach erließ jedoch eine Anordnung, in der – unter Androhung von Strafen über 5000 Euro je beseitigtem Baum – das Beseitigen und Kürzen von Sträuchern und Bäumen untersagt wurde. Gegen diesen Bescheid klagte nun ein Anwohner der Westerhofstraße. Er hatte sich in der Vergangenheit Grunddienstbarkeiten bei Greither eintragen lassen, sprich: Greither müsste den etwa 200 Meter langen, aus gut 150 Bäumen bestehenden Hag stutzen, was aber nie geschah. Wohl im Zuge der Baupläne für den neuen Westerhof und das Bebauungsplanverfahren pocht der Anwohner nun auf sein Recht.

Dass die Kreisbehörde als verlängerter Arm des Freistaats ihre Anordnung mit dem Naturschutzgesetz begründete, erwies sich dabei als Fehler. Die Behörde hätte mit der Landschafts-Schutzgebiets-Verordnung argumentieren müssen, so die Vorsitzende Richterin Martina Scherl. Dennoch sei für das Landratsamt „nichts verloren“, denn ein Rückschnitt sei im Landschaftsschutzgebiet ohnehin durch das Landratsamt genehmigungspflichtig. „Und das ist eine schwere Hürde“, wie die Richterin meinte. Florian Busl, Leiter der Fachstelle Naturschutz im Landratsamt, hatte da schon klargemacht, dass ein Rückschnitt auf zwei Meter hier der falsche Ansatz sei. „Das würden die Bäume nicht überleben.“

Der Kläger bekam also Recht, was seinen mit Grunddienstbarkeiten versehenen Teil betrifft. Zur Fällaktion wird es dennoch vorerst nicht kommen, denn sie bedarf der Genehmigung durch das Landratsamt.

„Eigentlich eine überflüssige Geschichte“, kommentiert Greither, der nur beigeladen war, den komplexen Sachverhalt im Nachgang. Er hat anderes im Fokus, nämlich den Bau seines Gesundheitshotels mit 134 Zimmern, 50 Personalzimmern, Chalets und einem Wellnessbereich im terrassierten Hang. Das Hotel ist genehmigt, der Bebauungsplan rechtskräftig. Doch es laufen immer noch Einsprüche gegen das Bauvorhaben. Das aktuelle war eines der Scharmützel am Rande.

Streit um Hotelbau: Richterin empfiehlt einen Mediator

„Haben Sie sich eigentlich schon mal überlegt, sich vor dem Güterichter zu einigen?“ fragte die Richterin in Richtung Kläger und Beigeladenem. Ein Mediator sei laut Greither schon mehrfach konsultiert worden, „Doch das macht keinen Sinn.“ Greither ist überzeugt, dass alles seinen Weg gehen werde mit dem Hotelbau, davon abbringen lassen werde er sich nicht. Im Gegenteil: Demnächst werde er die Olaf-Gulbransson-Straße, die einzige Zufahrt zum Hotel, ertüchtigen lassen. An zwei Stellen muss er Ausweichstellen schaffen.

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gr

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