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Ungewöhnlich rüstig: Gerda Janssen, Mutter des Alt-Bürgermeisters Peter Janssen.

"Ich könnte mich selbst beneiden"

So rüstig ist Gerda Janssen an ihrem 100. Geburtstag

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Tegernsee - 100 Jahre wird Gerda Janssen aus Tegernsee am Mittwoch alt. Dieses hohe Alter ist ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist aber vor allem, wie fit die Mutter des Alt-Bürgermeisters noch ist. Ein Porträt.

Sie hat weder ein Hörgerät, noch einen Rollator. Die Lesebrille setzt sie nur auf, wenn sie abends die Tegernseer Zeitung liest, um sich über Neuigkeiten aus dem Tegernseer Tal zu infomieren. Gerda Janssen ist ein Phänomen. Mit 100 Jahren stemmt sie ihren Haushalt so gut es geht selbst. Einmal wöchentlich kommt zwar ihre „Perle“, um das Haus am See sauber zu halten. Alles andere macht sie aber selbst. Montag ist Waschtag, „danach wird gebügelt und große Wäsche durch die Mangel gezogen.“ Ihre Enkelin begleitet sie zu Einkäufen. „Ich hab’ natürlich meine Hilfen“, sagt Gerda Janssen und blickt hinüber zu ihrem Sohn Peter. 

Seitdem der nicht mehr Bürgermeister von Tegernsee ist, ein Amt, das der Jurist von 2002 bis 2014 ausübte, kommt er fast täglich auf einen „Blitzbesuch“ vorbei. Er muss sich keine Sorgen machen. Im Gegenteil: Seine Mutter erledigt sogar den ganzen Papierkram selbst – von der Nebenkostenabrechnung des Hauses, bis zu Banküberweisungen. „Ach, ich könnte mich selbst beneiden“, scherzt die 100-Jährige über ihre außergewöhnlich gute Verfassung. Kein Anzeichen von Vergesslichkeit, wenn Gerda Janssen von ihrem Leben erzählt. 

Von ihrer Kindheit in Stettin, vom Kriegsende in Berlin und von einer schicksalhaften Zugfahrt 1943 von Berlin nach Trier. „Da lernte ich meinen Mann kennen“, erzählt die rüstige Jubilarin. Im Oktober 1945 folgte die gelernte Handelskorrespondentin dem Diplom-Volkswirt Bernd Janssen an den Tegernsee, wo dessen Schwester die beiden aufnahm. Im Dezember wurde geheiratet, 1947 kam Peter auf die Welt, ein Jahr danach schon Dieter, der später als Arzt Karriere machte. 1966 bezog die Familie ein Haus an der Schwaighofstraße, in dem Gerda Janssen noch heute lebt. 

Sicherlich hat sie gute Gene – ihre Schwester starb 97-jährig, der Bruder mit 95, ihr Vater wurde 84. Doch wie, um Himmelswillen, schafft sie es, so rüstig zu bleiben? „Ich hab mich nie unterkriegen lassen“, sagt die 100-Jährige. „Und wenn ich mal falle, dann wie eine Katze. Man sagt außerdem, ich hätte Knochen wie ein Pferd.“ Dass sie stets diszipliniert lebte, ist der zierlichen, weißhaarigen Dame aber anzusehen. Sie spielte einst Tennis im Tegernseer Kurgarten, wanderte durch die Berge und ist das älteste Mitglied, das der Ruderverein am Tegernsee vermutlich je hatte. „Mit 85 ruderte sie noch die knapp 40 Kilometer lange ’Vogalonga’ in Venedig“, erzählt Sohn Peter, selbst ein passionierter Ruderer, nicht ohne Stolz. „Der gesündeste Sport überhaupt“, findet Gerda Janssen. Einmal pro Woche hält sie unter Anleitung einer Therapeutin ihren Körper beweglich. 

Ein Körper, der es Gerda Janssen wegen einer angeborenen Rachitis nicht immer leicht machte. Die Begeisterung für klassische Konzerte hält sie zudem auf Trab. Und dann ist da noch ihr Freundeskreis, den sie liebevoll „die späten Mädchen“ nennt. „Wir sind zu fünft, die Jüngste ist 75.“ Gerda Janssen lädt die Damenrunde regelmäßig zu sich nach Hause ein, um bei Kaffee und Kuchen über erlebte Konzerte oder Gott und die Welt zu plaudern.

Weil sie gerne malt und viele ihrer Urlaube in Aquarellen festhält, hat sie auch die Einladung zu ihrem 100. Geburtstag selbst gestaltet. Eine Sonnenblume und mit Tusche geschriebene Zeilen zieren die Karte für die Feier am Mittwochmittag mit der Familie in ihrem Lieblingslokal in Rottach-Egern. Vorher kommt noch der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn, um der Mutter des Ex-Bürgermeisters zu gratulieren. Ihr Lebensmotto? „Carpe diem“, sagt Gerda Janssen spontan. „Doch ich genieße den Tag nicht nur, ich pflücke ihn.“

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