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Klaus-Maria Mehr hat sein Abitur in Regensburg gemacht.

Serie zum Schulanfang: Wir erinnern uns an unsere Schulzeit

Heute: Schäferhund Blondie - Adolf Hitlers wahre Liebe?

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Für tausende Schüler im Landkreis beginnt in wenigen Tagen wieder das Abenteuer Schule. Ein guter Anlass für uns, selbst zurückzublicken. Heute: in eine unvergessliche Sozialkundestunde.

Lassen Sie mich von der Frau erzählen, die wahrscheinlich Hauptschuld an der Tatsache hat, dass ich heute an diesem Schreibtisch sitze. Rosemarie Spengel. Rosemarie Spengel war Mitte 60, als ich sie kennenlernte, trug ihre roten Locken bevorzugt hochgesteckt, dazu Sommerkleider, Highheels und ein, nun, unvergessliches Parfum. Rosemarie Spengel war streng, unfair und verlangte das dreifache Pensum ihrer Kollegen. Rosemarie Spengel war die beste Geschichtslehrerin, die wir uns wünschen konnten. Sie war die einzige, die unsere Klasse jemals in den Griff bekommen hatte – und sie konnte Geschichte so lebendig und spannend erklären, als wäre sie selbst dabeigewesen, was sie, so vermuteten wir, vielleicht auch manchmal war.

Um das Bild zu vervollständigen: Rosemarie Spengel bezeichnete sich selbst als preußisch-protestantische Offizierstochter. Erst bei der Abi-Abschlussfeier offenbarte sie mir, dass sie eigentlich aus dem Schwarzwald stammt. Kurz: Wir fürchteten und verehrten sie gleichermaßen. Und sie schaffte es, mich auch im letzten Schuljahr noch zu überraschen.

Dass sie in jener denkwürdigen Stunde plötzlich über Adolf Hitlers sexuelle Neigungen philosophierte und aufgrund des ausgeprägten Körperkult der Nazis gewisse Rückschlüsse zog, überraschte die wenigsten von uns. So kannten wir sie. Dafür liebten wir sie. Spannender war dagegen, wie sie auf den Zwischenruf meines Freundes Tino reagieren würde: „Hitler hatte ja auch einen Schäferhund.“ Eine offensichtliche Provokation, ein gezielter Schuss, um die unumstrittene Herrscherin im Klassenzimmer aus der Fassung zu bringen. Hitler hatte ja auch einen Schäferhund.

In gespannter Stille klang der Satz nach. Alle warteten, wie unsere Frau Spengel darauf reagieren – und ob Tino die nächsten fünf Minuten überleben würde.

Doch Rosemarie Spengel lächelte nur, schaute Tino für einen sehr langen Moment an und sagte dann: „Nein Tino. Das heißt anders, wie heißt das noch...“ Von einem Schüler in der letzten Reihe, der im ganzen Jahr gefühlt drei Worte sprach, kam ein leise gemurmeltes: „Sodomie.“ Spengel schlug glücklich die Hände zusammen: „Ja genau, so heißt das. Sodomie. Merken Sie sich das für die Zukunft Tino.“ Und als wäre das gerade die normalste Diskussion der Welt gewesen, widmeten wir uns wieder den Anfängen der Bundesrepublik.

Bleibt zu erwähnen, dass ein anderer nicht so glimpflich davongekommen wäre. Sie hatte eben ihre Lieblinge, meist die schlimmsten der Schlimmen, so wie Tino und mich. Von ihr lernten wir mehr, als alle von Geschichts- und Deutschlehrern vor ihr. An jenem Tag: Wie man sich in einer potenziell peinlichen Situation seine absolute Souveränität bewahrt.

Über diese Serie:

Jeden Tag bis zum Beginn des neuen Schuljahrs gibt's von uns Erinnerungen an unsere eigene Schulzeit.

kmm

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