1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Tegernsee

Gibt‘s eine Klage gegen Tegernseer Zweitwohnungssteuer?

Erstellt:

Von: Christina Jachert-Maier

Kommentare

null
Die Stadt Tegernsee verlangt 20 Prozent Zweitwohnungssteuer. © picture alliance / ZB / dpa Picture-Alliance / Sascha Steinach

20 Prozent einer zu erzielenden Netto-Kaltmiete sind in Tegernsee als Zweitwohnungssteuer fällig. Dagegen will sich eine Interessengemeinschaft wehren. Am Sonntag ist ein erstes Treffen angesetzt - nicht öffentlich.

Tegernsee  Das Signal ist deutlich: Die Stadt Tegernsee will nicht der Ort sein, an dem man eine Zweitwohnung hat. Satte 20 Prozent einer zu erzielenden Netto-Kaltmiete sind nun als Steuer fällig. Die Nachbar-Gemeinden verlangen zwölf Prozent.

 Bei den Betroffenen ist das Signal angekommen. Die Reaktionen: Zorn, Empörung, Enttäuschung. Aber was tun? Am Sonntag, 2. September, ist ein erstes Treffen in der Tegernseer Gaststätte Schlossbrennerei anberaumt, bei dem Zweitwohnungsbesitzer beraten, ob ein gemeinsames Vorgehen sinnvoll ist. Im Vorfeld des Termins will sich keiner der Initiatoren äußern. Auch der Name soll nicht genannt werden. Nach diversen Anfeindungen via Facebook liegen die Nerven blank. Und auch hinter den Kulissen ist man sich im Kreis der Zweitwohnungsbesitzer keineswegs einig. Die einen erwägen eine Klage, die anderen streben Gespräche mit Bürgermeister Johannes Hagn an. Für Irritationen sorgen die Aktivitäten des Vereins Freunde für Ferien in Bayern, dessen Vorsitzender Josef Butzmann schon lange vehement gegen die Zweitwohnungssteuer kämpft. Er hätte die Vertreter der Medien gerne beim Tegernseer Treffen dabei, wünscht sich einen breiten, öffentlichen Protest.

 Sein Kurs löst bei den Initiatoren jedoch Unbehagen aus. Auf Nachfrage lassen sie verlauten: Das Treffen finde unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es gehe zunächst nur darum, die Lage zu sondieren. Noch gebe es keine Interessengemeinschaft. Es müsse erst abgeklopft werden, ob ein gemeinsames Vorgehen in Frage kommt. 

Vor einigen Wochen hatten sich die Betroffenen noch weniger wortkarg gezeigt. Als „dreist, geradezu unverschämt“ hatte Hochschullehrer Professor Christian Stangl aus Haimhausen (Landkreis Dachau) die Anhebung der Zweitwohnungssteuer Anfang Juni gegenüber unserer Zeitung gebrandmarkt. Der Jurist, dessen Familie seit drei Generationen eine Zwei-Zimmer-Ferienwohnung am Tegernseer Bahnhof besitzt, soll statt bisher 450 Euro jährlich nun 1104 Euro bezahlen. Ende Juni rief eine Gruppe von Betroffenen zur Gründung einer Interessengemeinschaft auf und bat darum, sich unter zwst.tegernsee@online zu melden. 

Das Treffen, das am Sonntag stattfindet, entstand aus dieser Initiative. Insgesamt gibt es in Tegernsee 474 Zweitwohnungen. Bis zum Ablauf der Widerspruchsfrist haben 52 Zweitwohnungsbesitzer Einspruch gegen den Steuerbescheid erhoben. Die Stadt leite die Einsprüche ans Landratsamt weiter, erklärt Hagn. Zu besprechen gebe es in Sachen Zweitwohnungssteuer nichts mehr, macht er klar. Der Stadtrat habe die Satzung nach intensiver Abwägung erlassen.

 „Wir sind davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist.“ Bislang sei auch noch keine Normenkontrollklage eingegangen. Mit der Steuer-Erhöhung will die Stadt die Zahl der Zweitwohnsitze reduzieren, um damit den lokalen Wohnungsmarkt zu stärken. Es ist die Reaktion auf einen Trend: Von 2010 bis 2017 hat sich die Zahl der Zweitwohnsitze in Tegernsee um 18 Prozent erhöht.

Auch interessant

Kommentare