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Eine Affäre erschüttert das Gymnasium Tegernsee: Über einen Schüler-Chat wurde kinderpornographisches Material verbreitet.

Nach groß angelegter Razzia am Gymnasium Tegernsee

„Kinderpornographische Schriften“: Staatsanwaltschaft klagt weiteren Abiturienten an

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Eine Razzia im Gymnasium Tegernsee hatte Anfang Februar für Furore gesorgt. Es ging um die Verbreitung anstößigen Bildmaterials über einen Schüler-Chat. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Update, 23. August 2019: Der Vorfall hatte für Schlagzeilen gesorgt und das letzte Schuljahr des jüngsten Abiturjahrgangs am Gymnasium Tegernsee überschattet: Seit Februar ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft gegen einstige Schüler der Q12, weil in einem Klassen-Chat verwerfliches Bildmaterial verbreitet worden war. 

Im Frühjahr hat die Staatsanwaltschaft München II bereits Anklage gegen zwei der Jugendlichen erhoben. Konkret ging es um den Besitz und auch um die Verbreitung von sogenannten kinderpornografischen Schriften (siehe ursprünglicher Artikel weiter unten). 

Nun wurde bekannt: Noch gegen einen weiteren ehemaligen Schüler wurde zwischenzeitlich Anklage erhoben. Dies bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Andrea Mayer, auf Nachfrage. Sie erklärt auch, dass die Ermittlungen noch immer nicht zur Gänze abgeschlossen seien. 

Daher könne auch keine Aussage darüber getroffen werden, ob weitere Anklagen zu erwarten sind. So oder so ist die unerfreuliche Angelegenheit für das Gymnasium Tegernsee mittlerweile abgeschlossen. 

Die von der Razzia und den Ermittlungen betroffenen Schüler haben heuer allesamt ihr Abitur abgelegt und die Schule somit verlassen. Jene zwei Absolventen, gegen die schon im Frühjahr Anklage erhoben worden war, durften im Übrigen an der offiziellen Abiturfeier auf Gut Kaltenbrunn Ende Juni nicht teilnehmen.

Ursprünglicher Artikel vom 24. Mai 2019

Tegernsee – Noch stecken die Tegernseer Gymnasiasten mitten in den mündlichen Abitur-Prüfungen. Unterdessen ist klar: Für mindestens zwei der Schüler hat die Affäre um die Verbreitung anstößigen Bildmaterials über einen Gruppenchat gerichtliche Folgen. Die Staatsanwaltschaft München II hat Anklage erhoben.

Der Fall hatte Anfang Februar das erste Mal für Schlagzeilen gesorgt und seither viel Unfrieden am Gymnasium Tegernsee gestiftet. Bei einer groß angelegten Razzia hatte die Polizei zahlreiche Handys von Schülern der Q12 sicher gestellt – offenbar war in dem Jahrgang verwerfliches Bildmaterial verbreitet worden. Die Ermittlungen der Kripo liefen seither auf Hochtouren. Nun vermeldet die Staatsanwaltschaft erstmals konkrete Ergebnisse. Demnach wurde gegen zwei der Schüler Anklage erhoben – beide Male wegen „Sich-Verschaffens kinderpornographischer Schriften“. In einem Fall muss sich der Beschuldigte zudem wegen der Verbreitung des Materials verantworten, in dem anderen Fall geht es noch um den Besitz besagter Schriften.

Ermittlungen wegen Kinderpornographie-Inhalten am Gymnasium Tegernsee gehen weiter

Welche Strafen den betreffenden Schülern drohen, konnte die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht mitteilen. „Voraussichtlich wird hier das Jugendstrafrecht angewandt“, erklärte Sprecher Christian Steinweg. Hier sei die Bandbreite der möglichen Sanktionen viel größer als im Erwachsenenstrafrecht. Somit sei es schwierig, eine Vermutung zu äußern.

Lesen Sie hier: Nach Razzia am Gymnasium Tegernsee: Ein Schüler rechnet ab

Abgeschlossen sind die Ermittlungen mit den beiden Anklageerhebungen übrigens noch nicht, wie es seitens der Staatsanwaltschaft heißt. Ob weitere Schüler mit Konsequenzen rechnen müssen, könne man derzeit nicht sagen. Fest steht aber auch: Ein Teil der Verfahren wurde mangels Tatnachweis bereits eingestellt. Das betrifft offenbar all jene Schüler, die das Bildmaterial gelöscht hatten und sich somit nicht des Besitzes kinderpornographischer Schriften strafbar gemacht haben.

Ermittlungen wegen kinderpornographischem Material am Gymnasium Tegernsee: Schulleiter äußert sich

Werner Oberholzner, Direktor des Gymnasiums, überrascht die aktuelle Entwicklung nicht. Er sei bereits fest davon ausgegangen, dass der Fall für manchen Schüler „weitreichendere Folgen“ haben werde, meinte er am Freitag. Angesichts der laufenden Abi-Prüfungen wünscht sich Oberholzner momentan aber vor allem eines: dass die Schüler durch die Thematik nicht wieder abgelenkt werden – „das wäre das Schlimmste“.

Für Oberholzner ist die reine Anklageerhebung noch kein Grund, um in irgendeiner Weise tätig zu werden. So lange es keine Verurteilung gebe, gelte die Unschuldsvermutung, sagt er. Und spätestens, wenn die Schüler am 28. Juni ihre Abitur-Zeugnisse in Empfang nehmen, endet ohnehin ganz offiziell ihr Schüler-Status. Alles, was danach passiere, sei deren „private Angelegenheit“, macht der Schulleiter deutlich. Auch wenn damit die Zuständigkeit des Gymnasiums endet: „Ein bisserl ein blöder Nachgeschmack bleibt“, findet der Direktor.

gab

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