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Ein Trauerspiel in krankenhausgelb: das Guggemoos.

Die Schattenseiten des Zentrums in Tegernsee

Leerstand statt Leben: So schlimm stehts um die Hauptstraße

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Tegernsee - Das ehemalige Hotel Guggemos verfällt, Läden stehen leer. Die Hauptstraße in Tegernsee hat Probleme. Wir zeigen, welche das sind.

Wenn am Samstag um 14 Uhr die Buden am Schlossmarkt in Tegernsee öffnen, dann haben die meisten Geschäftsleute ihre Läden schon zugesperrt. „Es hat sich gezeigt, dass die langen Samstage in Tegernsee nichts bringen“, sagt Barbara Balk, Vorsitzende des Vereins Tegernseer Geschäftsleute. Was ist so schwierig in Tegernsee? Warum stehen so viele Geschäfte leer? „Ein Ansatzpunkt wäre, dass die Hausbesitzer die Ladenmieten senken“, schlägt Balk vor. „Dann würde vielleicht der ein oder andere Laden leichter einen Nachmieter finden.“ Außerdem gehören einige Gebäude ihrer Meinung nach dringend renoviert. Ein Blick in die Hauptstraße verdeutlicht die Problematik:

Guggemos-Verfall

Ein Trauerspiel in krankenhausgelb: das Guggemoos.

„Wegen Renovierung vorübergehend geschlossen“, steht auf einem Zettel am Eingang. Seit 2008 dauert dieser Zustand tatsächlich schon an, und von einer Renovierung ist weit und breit nichts zu sehen. Der Eigentümer des früheren Hotels Guggemos, das Herzogliche Brauhaus, möchte am liebsten „Gras über die Sache wachsen lassen“ und gibt sich wortkarg. „Wir haben unser Augenmerk zuletzt auf andere Projekte gerichtet“, sagte Geschäftsführer Christian Wagner zuletzt bei einem Rundgang mit unserer Zeitung durchs Maximilian in Gmund. Auch die Baustelle Am Kanzlerfeld in Gmund hält die Brauerei auf Trab. Und wo bleibt das Guggemos? Fakt ist: Es gibt offenbar keine Pläne. 2011 hatte der Stadtrat eine Veränderungssperre verhängt, 2012 wurde einen Bebauungsplan in die Wege geleitet, aber nie weiter verfolgt. „Die Geltungsdauer der Veränderungssperre ist abgelaufen“, erklärt Bauamtsleiterin Bettina Koch auf Nachfrage. „Das Herzogliche Haus hat inzwischen auch die Anträge auf Vorbescheid zurückgezogen, die damals die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens ausgelöst hatten.“ Der Bebauungsplan war zugeschnitten auf ein vierstöckiges Hotel mit 120 Betten. „Die Stadt bleibt dabei, dass die touristische Nutzung in einem künftigen Bau überwiegen muss. Alles andere werden wir nicht zulassen“, betont Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste). Das Brauhaus hatte andere Vorstellungen, wollte immer ein Wohn- und Geschäftshaus mit Praxen. Man müsse eben eine gute Balance finden, glaubt von Hammerstein. Die Stadt führe regelmäßig „lockere Gespräche“ mit dem Brauhaus, doch drängen könne man die Besitzer nicht.

Dreh- und Angelpunkt einer künftigen Planung ist zudem die Parkplatzproblematik und die Frage, was aus dem gegenüberliegenden Horn-Grundstück wird. Die Stadt hat ein Gutachten erstellen lassen. Auch deshalb, weil sie eine langfristige Alternative für den Zentralparkplatz braucht. 2025 läuft der Pachtvertrag mit der Rosemarie Neussen KG aus. „All das spielt bei der Planung auf dem Guggemos-Grundstück eine Rolle“, so von Hammerstein.

Spielothek-Streit

Auch die früheren Räume der HypoVereinsbank an der Hauptstraße 15 sind ein Sorgenkind. Die BCE Immobilien GmbH aus Göppingen möchte hier eine Spielothek mit Billard und Tages-Bar eröffnen, doch die Stadt will dies verhindern. Der Stadtrat argumentiert damit, dass die Hauptstraße ein Mischgebiet sei, wo die Wohnnutzung mit 60 Prozent überwiege. „Das sehen wir anders“, kontert BCE-Geschäftsführer Karl Stradinger. „Wir haben das vor Ort genau abgecheckt.“ Rückendeckung bekommt BCE vom Landratsamt: Die Kreisbehörde ist ebenfalls der Ansicht, dass die gewerbliche Nutzung an der Hauptstraße überwiegt und eine Spielothek daher durchaus genehmigungsfähig wäre. Der Streit wird nun vor dem Verwaltungsgericht entschieden. Einen Termin dafür, so Stradinger, gebe es noch nicht.

Sport-Outlet

Steht leer: Der Laden an der Hauptstraße, wo sich zuletzt ein Sport-Outlet befand.

Buchstäblich düster sieht’s im Schaufenster gegenüber des Hotels Guggemos aus. Ende Oktober machte Sport Schlichtner aus Rottach-Egern hier nach drei Jahren sein Outlet dicht. Die Scheiben sind mit Papier zugeklebt, ein Nachmieter ist nicht in Sicht. Kommende Woche eröffnet Geschäftsinhaber Rainer Schlichtner in Rottach-Egern einen neuen Schnäppchen-Laden. „Es hat schon gepasst in Tegernsee“, sagt Schlichtner, „aber in Rottach-Egern ist es für mich leichter, Personal zu koordinieren.“ Weil der Geschäftsmann offenbar einen längerfristigen Mietvertrag mit der Hausbesitzerin abgeschlossen hat, muss und will er sich um einen Nachmieter bemühen. „Bis jetzt ist noch keiner da“, sagt die Besitzerin. „Mir würde es echt wehtun, wenn der Laden leer bliebe.“ Allerdings würde sie auch nicht jeden nehmen – kein Internet-Café und auch keinen Teppichhändler, „sondern einen g’scheiten Mieter.“ Sie habe sich schon auf die Suche gemacht und werde Noch-Mieter Schlichtner darum bitten, wenigstens einen entsprechenden Zettel ins Schaufenster zu hängen: „Laden zu vermieten“.

gr

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