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Als Heimatführerin erzählt Barbara Filipp bei ihren Rundgängen Spannendes aus der Geschichte und der Kultur des Tegernseer Tals. Hier mach t sie gerade am Tegernseer Rathaus Station. 

Interview mit Barbara Filipp 

Heimatführer sind Botschafter des Tegernseer Tals

14 Heimatführer  gibt es im Tegernseer Tal - und es sollen noch mehr werden. Barbara Filipp, Vorsitzende der Interessengemeinschaft, will Kollegen gewinnen. Der Anspruch ist hoch.

Tegernsee– Gästeführer sind Botschafter ihrer Region – und sollten echte Profis sein. Drei Tegernseer Heimatführer haben im Herbst eine Interessengemeinschaft gegründet, um sich dem Berufsverband anschließen zu können, dessen Zertifikat für Qualität steht. Die Vorsitzende der Interessengemeinschaft, Barbara Filipp (58), setzt auf fundierte Ausbildung – und hofft auf neue Kollegen.

-Frau Filipp, wer darf sich Gästeführer nennen?

Da gibt es europaweit nur lockere Bestimmungen, die auch noch aufgeweicht werden sollen. Jeder kann sich als Gästeführer ausgeben. Dabei ist eine gute Ausbildung aus unserer Sicht sehr wichtig. Es gibt über den Bundesverband mehrstufige Qualifizierungsstandards für Gästeführer, und unsere junge Interessensgemeinschaft strebt nach der höchsten Stufe, das ist die Zertifizierung nach europäischem Standard. Für die Grundausbildung sorgt die Tegernseer Tal Tourismus GmbH.

-Sie selbst gehören zur ersten Generation der Tegernseer Heimatführer.

Ich bin beim Start des Heimatführer-Projekts 2011 angesprochen worden, ob ich als selbstständige Reiseleiterin nicht dabei sein will und war auch gleich interessiert. Dabei sind eigentlich Gartenreisen mein Spezialgebiet – ich habe Landschaftsarchitektur studiert. In Tegernsee war ich damals neu: Ich bin von München ins Tal gezogen, um meinem eigenen Garten in Warngau näher zu sein. Die Geschichte und Kultur an meinem neuen Wohnort haben mich schnell fasziniert. Nach einem Info-Abend der TTT in Bad Wiessee haben sich dann zehn gefunden, die die erste Ausbildung zum Heimatführer gemacht haben. Vom alten Stamm sind jetzt noch sieben dabei. Aktuell gibt’s in Tegernsee 14 Heimatführer.

-Und die arbeiten selbstständig?

Ja. Die TTT ist der Vermittler zwischen dem Führungswunsch der Gäste und unserem Angebot. Sie vermarktet uns, aber wir arbeiten das Programm aus. Das Handwerkszeug vermittelt die TTT bei der Ausbildung ihrer Heimatführer. Dabei geht es auch um die rechtlichen Dinge und Versicherungsfragen. Neben der Grundausbildung gibt es jedes Jahr zwei Fortbildungen mit Experten. Die TTT sucht auch die Bewerber aus, die zur Heimatführer-Ausbildung zugelassen werden, und stellt die Zertifikate aus.

-Ist die Heimatführer-Mannschaft jetzt komplett?

Es gilt das Basar-Prinzip: Je mehr Angebot, desto mehr Nachfrage. Neue Heimatführer werden laufend gesucht, aktuell gab es vor Kurzem wieder einen Info-Abend. Wir brauchen eine breite Basis, also viele Führer, um die Gästewünsche abdecken zu können. Wir suchen auch Experten, die über Spezialgebiete sprechen. Sehr gefragt sind Fremdsprachen. In der Überfahrt zum Beispiel steigen viele Gäste aus dem Ausland ab.

-Was muss ein künftiger Heimatführer denn mitbringen?

Grundlegend ist das Interesse fürs Tegernseer Tal. Wir haben in unserem Team zum Beispiel zwei Bergführer, die sich im Bereich Bergwelt sehr gut auskennen. Man kann sich eigentlich mit allen Spezialinteressen einbringen, es gibt so viele Blickwinkel auf den Tegernsee. Vor allem muss man einen möglichst flexiblen Zeitplan mitbringen. Die Führungen sind oft zu Zeiten, an denen die meisten frei haben. Heuer hatte ich zum Beispiel an Heiligabend eine Führung, die bis 17 Uhr gedauert hat. Dafür habe ich während der Woche öfter einen freien Tag.

-Werden die Führungen gut angenommen?

Ich finde schon. Wobei das Marketing noch gar nicht so richtig angelaufen ist, weil die breite Basis an Führern fehlt. Wir haben Probleme, die Wünsche der Kunden alle abzudecken, weil es für die Führer zeitlich kaum machbar ist. Ein noch attraktiveres Programm würde aber sicher noch mehr Interessenten anzuziehen. Ich würde mir hier am Tegernsee mehr Gebäudeöffnungen wünschen.

-Aber die spannenden Häuser sind halt meist in Privatbesitz.

Das macht es schwierig. Diskretion ist bei den Führungen am Tegernsee überhaupt ein großes Thema. Ich gebe bei den Führungen Auskünfte über verstorbene Personen, über lebende dagegen keine. Wobei schon oft nach den Häusern der Fußball-Promis gefragt wird. Wir machen da aber höchstens vage Angaben.

-Was macht eine gute Führung aus?

Wichtig ist vor allem, wie ich eine Geschichte erzähle. Es geht nicht darum, möglichst viele Fakten zu vermitteln. Das Schlagwort ist heute Infotainment. Man muss auch auf die Herkunft der Zuhörer eingehen. Jemanden, der mit Tegernsee vertraut ist, erkläre ich das Rathaus anders als einem Gast aus einer fremden Region. Wir nennen uns auch nicht mehr Fremden- sondern Gästeführer. Denn es kommen auch interessierte Einheimische zu Führungen.

Der Weltgästeführertag

am Mittwoch, 21. Februar, steht unter dem Motto „Menschen, die Geschichte schrieben“. Die Interessengemeinschaft Gästeführer Tegernseer Tal bietet an diesem Tag eine kostenlose Führung mit dem Titel „König Max I. Joseph und seine Tegernseer Geschichte“ an. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Haus des Gastes. Eine kleine Spende käme dem Museum Tegernseer Tal zugute.

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