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Die "Hoaxmap" hat auch einen Fall aus Tegernsee aufgenommen.

Leipzigerin startet "Hoaxmap"

Karte zu Asyl-Gerüchten zeigt auch Tegernseer Fall

Tegernsee - Flüchtlinge, die angeblich Schwäne essen, Gräber schänden, Frauen vergewaltigen: Die Zutaten der Asyl-Gerüchteküche sind vielfältig. Ein Online-Projekt klärt jetzt auf - und hat auch einen Tegernseer Fall aufgenommen.

Die Sache war haarsträubend: Im November vergangenen Jahres finden Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, der sich in der Tegernseer Turnhalle um Flüchtlinge kümmert, auf dem angrenzenden Sportplatz einen auf dem Boden liegenden Pakistani. Er ist gefesselt und nicht ansprechbar. Der junge Mann kommt ins Krankenhaus - und die Gerüchteküche beginnt heftig zu brodeln. Der Mann aus Pakistan sei tot gewesen, macht die Runde. Die Polizei versuche, den Fall zu vertuschen. Sogar ein Foto kursiert, das den "Toten" zeigen soll. Später stellt sich heraus: Auf dem Bild ist außer den Ermittlern überhaupt niemand zu sehen.

Ein Online-Projekt einer jungen Leipzigerin will jetzt genau solche Fälle sammeln. Unter dem Namen "Hoaxmap" - also Karte der Falschmeldungen - zeigt eine Google-Maps-Karte, wo bundesweit Gerüchte entstehen und was an ihnen dran ist. Über 250 Angaben sind so schon zusammengekommen, nach Gerüchte-Kategorien wie "Vergewaltigung", "Diebstahl" und "Körperverletzung" unterteilt. Und es kommen ständig neue hinzu, gemeldet von Usern über Twitter oder per Mail.

So auch der Tegernseer Fall. Wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, war an den Mutmaßungen über das Geschehen auf dem Sportplatz nichts dran. Die Polizei hatte zu jeder Zeit mit offenen Karten gespielt. Der Pakistaner hatte sich selbst auf den Boden geworfen und gefesselt, um einen Angriff vorzutäuschen - weil er zu seiner Familie nach Frankfurt verlegt werden wollte und hoffte, so seine Chancen darauf zu verbessern.

sta

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